Halbseidene bleiben Familiengeheimnis

Was steht in Gaststätten der Region vor dem Fest auf den Speisekarten und was essen die Wirtsleute selbst? Die "Freie Presse" hat nachgefragt und auch Rezepte für die heimische Tafel bekommen. Heute aus dem Gasthof "Zur Hundsnase" in Hoyersdorf.

Hoyersdorf.

Für die Adventszeit lassen sich Kerstin und Karl Spreer in ihrer Gaststätte "Zur Hundsnase" im Geringswalder Ortsteil Hoyersdorf immer etwas Neues einfallen. Neben typisch weihnachtlichen Gerichten mit Teilen von Gans und Ente war es im vergangenen Jahr zum Beispiel eine Entensuppe mit Grieß- nockerln und Wildbraten. Dieses Jahr steht unter anderem Hirschroulade neu auf der Speisekarte.

"Aber am beliebtesten ist in dieser Zeit doch das Geflügel", sagen die beiden. Die gelernte Köchin arbeitet in der Küche, er übernimmt den Service in der Gaststube. Speziell bei den Spreers: Das Geflügel - Gänse, Enten, Hühner und Tauben - kommt aus eigener Haltung. Und zu den Gerichten serviert Kerstin Spreer Klöße, sogenannte Halbseidene. "Nein, das sind weder Kartoffelklöße noch die bekannten nach Thüringer Art", sagt sie. "Die Klöße sind sehr zart und luftig. Das Rezept ist von meiner Schwiegermutter. Ich führe ihre Tradition fort. Die Halbseidenen gehören zur Hundsnase", macht sie Appetit. Und das Rezept? "Das bleibt in der Familie. Einfach herkommen und probieren", sagen beide.

Das kann man auch, wenn man kein Fleisch ißt. Spezielle Gerichte für Vegetarier stehen in der "Hundsnase" zwar nicht auf der Karte, "aber ich koche dann nach Wunsch etwas", so Kerstin Spreer. Das könnten zum Beispiel Gemüseschnitzel sein, Nudeln mit Gemüse oder eben Halbseidene mit einer Beilage.

Dass in der Adventszeit viel Arbeit ist, wissen der 65-Jährige und seine 53-jährige Frau. "Aber man macht das ja gern und wir freuen uns über den Zuspruch und die vielen Gäste. Außerdem bin ich damit auf- und so auch hineingewachsen", so Karl Spreer. "Und ich koche leidenschaftlich gern", fügt seine Frau hinzu.

Selbst Weihnachten zu feiern, kommt für das Ehepaar ziemlich kurz. "Früher, als unsere beiden Kinder noch klein waren, hatten wir Heiligabend und am ersten Feiertag geschlossen. Jetzt nur noch an Heiligabend", sagt er. An diesem Tag kommen dann die nunmehr erwachsenen Kinder und der anderthalbjährige Enkelsohn zu den Eltern. Die Familie hat dabei ein ganz spezielles Weihnachtsessen. "Es ist einfach, aber kommt seit je her immer gut an, und wir essen es auch zwischendurch oft", erzählen die Gastwirte. In Scheiben geschnittene Jagdwurst wird paniert, gebraten und auf Brotscheiben gelegt. Drüber kommt Tomatensoße mit Wurstwürfeln. "Das ist einfach, aber wirklich lecker", versichern sie.

Am ersten und zweiten Feiertag heißt es dann schon wieder Arbeiten. Und das nicht zu knapp, denn die Gaststätte ist ausgebucht. Während sonst außer freitags täglich von 11 bis gegen 21.30 Uhr geöffnet ist, wird an den Feiertagen nur Mittagessen serviert. Wenn die letzten Gäste dann gegangen sind, gönnen sich Spreers auch ein verspätetes Mittagessen. "Mal ist es Wild, oft essen wir aber auch Gans oder Ente", sagt sie.


Hirschroulade

Für vier Personen sind etwa 800 bis 1000 Gramm Hirschfleisch in dünne Scheiben zu schneiden. Eine Seite salzen und pfeffern und mit Senf bestreichen. Saure Gurke und Speck in feine Scheiben, Zwiebeln in kleine Würfel schneiden und nach gewünschter Menge die Rouladen damit belegen, dann mit Küchengarn aufrollen. Die Rouladen nun von allen Seiten anbraten und dann mit Wasser oder auch Brühe ablöschen. Mit deckel das Fleisch etwa zweieinhalb Stunden schoren. Zuletzt die Soße mit Stärke abbinden und nach Bedarf abschmecken.

Der Gaststätte "Zur Hundsnase" in Hoyersdorf wird von Kerstin und Karl Spreer bereits in vierter Generation geführt. Karl Spreers Urgroßvater übernahm den damals schon "Hundsnase" genannten Gasthof im Jahr 1868. Um den Gasthof herum war der Überlieferung nach damals ein sehr dichter Wald. "Es hieß, du musst eine Nase haben wie ein Hund , um den Gasthof zu finden", erzählen die Spreers. So kam der Gasthof zu seinem Name.

Die "Hundsnase" ist als einzige von einstmals sechs Gaststätten an der Staatsstraße 200 zwischen Mittweida und Geringswalde übrig geblieben. (bp)

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