Herrin der Kirchturm-Uhr übergibt ihr Amt an die Technik

30 Jahre hat Christa Matz per Hand den Zeitmesser des Gotteshauses in Wechselburg zum Laufen und so die Glocken zum Läuten gebracht. Das muss sie nun nicht mehr, was sie auch bedauert.

Wechselburg.

Jeden Tag ist Küsterin Christa Matz die 60 Stufen bis zur Kirchenuhr in der Wechselburger St. Otto-Kirche hinaufgestiegen und hat sie aufgezogen - 30 Jahre lang, am Mittwochabend das letzte Mal. Denn am gestrigen Donnerstag ist das Uhrwerk für eine Sanierung ausgebaut worden. Nach der Überholung wird es per Elektromotor aufgezogen.

"In unserer Familie hat jeder täglich gefragt, ob die Uhr aufgezogen ist. Wenn ich es nicht gemacht habe, dann mein Mann oder einer unserer drei Söhne", erzählt die 69-Jährige. Ihr Amt an die Technik abzugeben, bedauert sie einerseits. "Denn das ist zu einer Tradition geworden, man ist es einfach gewöhnt. Und wenn einer der Jungs zu Besuch kam, hieß es immer gleich ,Ich zieh' die Uhr auf'". Andererseits sei es auch keine leichte Arbeit gewesen. "An den Kurbeln zum Aufziehen hingen schwere Gewichte. Das Drehen geht schon auf die Schultern", sagt sie.


Mit dem Ausbau des Uhrwerkes in Wechselburg geben die daran gekoppelten Glocken vorübergehend nun nicht mehr an, was die Stunde geschlagen hat. Bislang schlug die Glocke jeweils zu jeder Viertelstunde ein-, zwei-, drei- beziehungsweise viermal, und anschließend zeigte sie zur vollen Stunde auch mit der Anzahl der Schläge die aktuelle Zeit an. Zu Gottesdiensten zum Beispiel erklingen die große, mittlere und die kleine Taufglocke jedoch weiter. Sie werden dann manuell angeschlagen.

Wenn das Uhrwerk saniert ist, folgen in der Kirche weitere Arbeiten. Laut Kirchgemeindevertreter Toni Knorr unter anderem an der Aufhängung der drei Glocken. "Dazu ist dann ein Kran notwendig", erklärt Patrick Krebs von der Firma Turmuhren- und Glockenservice Willing aus dem thüringischen Gräfenhain. Das am Donnerstag ausgebaute Uhrwerk transportierte er indes mit einem Kollegen durch das enge Treppenhaus - eben jene 60 Stufen hinab.

Auch Arbeiten am Glockenstuhl aus Eichenholz finden laut Knorr statt. Defekte Balken werden erneuert, fehlende ersetzt. Außerdem sollen die ausgetretenen Stufen hinauf zu den Glocken erneuert, Handläufe angebracht sowie der Fußboden des Glockenbodens mit neuen, fünf Zentimeter starken Holzdielen versehen werden. Ziel sei es, dass man den Turm auch der Öffentlichkeit zeigen kann, bei Führungen zum Beispiel, so Knorr. Wunsch der Kirchgemeinde sei es, dass die Arbeiten bis Weihnachten beendet sind.

Die Kosten für die Sanierung liegen Knorrs Angaben zufolge bei rund 40.000 Euro, finanziert von der Landeskirche, dem Denkmalschutz sowie aus dem Etat der Kirchgemeinde Wechselburg.

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