Hobbygärtnerin schafft Insektenparadies

Kathrin Hellmig krempelte ihren Garten um. Dafür erhält die Altgeringswalderin am Samstag in Berlin einen Sonderpreis.

Altgeringswalde.

Wenn die gebürtige Hessin vor Jahren in ihre alte Heimat fuhr, klebten im Sommer so viele tote Insekten an der Frontscheibe ihres Autos, dass sie regelmäßige Stopps zum Reinigen einlegen musste. Die sind jetzt kaum noch nötig. Für Kathrin Hellmig ein Alarmzeichen, dass etwas nicht stimmen muss im Gefüge der Natur.

Dem Insektensterben und dem Rückgang der Populationen von Wildbienen stellt sie sich seit vergangenem Jahr entgegen. Und das radikal. "Wir hatten viel Platz, um Neues anzulegen. Und der kam uns sehr gelegen", erklärte die 54-Jährige. Entscheidende Anregungen holte sie sich vom Natur- und Landschaftsführer Markus Gastl und seinem Netzwerk "Hortus Insectorum".

Zunächst tauschten sie und Partner Jörg die herkömmlichen Pflanzen aus dem Baumarkt gegen Wildsträucher und Kulturen ohne genetische Veränderungen und Überzüchtungen. Dann wurde im oberen Teil des Grundstücks ein Teich mit üppiger Sumpfzone angelegt.

Brombeerstängel spießen mit nach oben gerichteten Schnittstellen am Gartenzaun, auf den Latten thronen kleine umgestülpte Tontöpfe. "Das Mark von Brombeeren oder die Höhlung der Töpfe benutzen viele Bienen als Nistraum", erklärt Kathrin Hellmig.

Neben dem Zaun ragt ein Gebilde aus aufgeschichteten Steinen in die Höhe. "Das Abbruchmaterial war von einer Scheune übrig geblieben, und das holten wir uns in einer Ad-hoc-Aktion und drei schweren Fuhren hier aufs Gelände", schildert Hellmig und lacht. Was der Steinhaufen soll? "Ganz einfach: das Material speichert ganz wunderbar Wärme und bietet Lebensraum für Eidechsen, Kröten und Käfer."

Wer mit der Hobbygärtnerin in ihr Reich eintaucht, sollte Zeit mitbringen. Über 100 Pflanzenarten wachsen inzwischen auf 300 Quadratmetern. Lungenkraut und Blutweiderich sind ständig besucht von Bienen. Dicht umschwärmt auch Wasserminze, Wiesen-Witwenblume, Sumpf-Vergissmeinnicht, Hornklee, Bergziest oder die wilde Form der Fetthenne. "Ich suche meine Pflanzen danach aus, wie viel Nektar sie anbieten", verdeutlicht sie. So sehe etwa die Polstertagetes zwar super aus, biete Insekten aber kaum Nahrung.

Auf einem aus Ziegeln aufgeschichteten Sockel wurde ungewaschener Bausand aufgeschüttet. Sandarium nennt sich das Areal, das mit anspruchslosen Pflanzen, Tontöpfen und Totholz dekoriert wurde. "Ideal für alle Arten von Insekten. In dieser Unordnung ist Lebensraum", schwärmt Kathrin Hellmig. Wenn man genau hinschaue, sehe man die Einfluglöcher von Wildbienen. Bei ihr blühe es vom Frühjahr bis in den Spätherbst. "Zitronenmelisse einfach mal blühen lassen, die wird besucht. Auch Oregano gilt als absolute Insektenweide."

Ihr ambitionierter Umsturz im Garten wird am Samstag von der Stiftung "Mensch und Umwelt" prämiert. Die gelernte Chemielaborantin wünscht sich Nachahmer.


Motto: "Lokal handeln"

Die Stiftung "Natur und Umwelt" von Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer mit Sitz in Berlin besteht seit September 2010 und setzt den Schwerpunkt auf die Erhaltung der natürlichen Ressourcen und biologischer Vielfalt. Hauptanliegen ist es, Menschen von Naturschutzmaßnahmen zu überzeugen. Die Umsetzung erfolgt jeweils auf lokaler Ebene.

"Lokal handeln" war die diesjährige Devise des Pflanzenwettbewerbs der Initiative "Deutschland summt!". Daran nahmen 295 Teilnehmergruppen mit knapp 3100 aktiven Bürgern aus allen Bundesländern teil. Bei dem Wettbewerbs wurden Stauden, Spät- und Frühblüher, Kräuter und Wiesenblumen auf etwa 149.772 Quadratmetern gepflanzt und insektenfreundliche Kleinstrukturen wie Nisthilfen, Trockenmauern, Kräuterspiralen oder Steinpyramiden gebaut und Wasserstellen angelegt. Weitere Infos unter:

www.deutschland-summt.de www.stiftung-mensch-umwelt.de

www.hortus-insectorum.de

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