In diesen Dörfern läuft es

Wahlen 2019: Zweite Etappe der Wahlwanderung: In Topfseifersdorf und Frankenau haben die Einwohner kaum Wünsche. Sorgen macht ihnen nur der Nahverkehr.

Seelitz/Mittweida.

Kaum habe ich am Sonntag Rochlitz verlassen, wo mir eine junge Frau erzählt hatte, sie wolle nach Leipzig gehen - Rückkehr nicht ausgeschlossen -, da treffe ich im Seelitzer Waldhotel am Reiterhof auf einen Mitarbeiter, der das getan hat: zurückziehen. Hier sei manchmal mehr los als in seinem Viertel in Leipzig, engagierten Einwohnern sei Dank. An meinem zweiten Tag auf Wahlwanderung durch Mittelsachsen habe ich gestern nur Menschen getroffen, die begeistert von ihren Dörfern sind.

Auf dem Lutherweg verlasse ich Seelitz, bei Kolkau muss ich einen Umweg nehmen: Der Wald ist gesperrt. Doch Heinz Sachse zeigt mir den Weg. Der 87-Jährige lebt seit 1962 an der Dorfstraße. "Hier ist ja viel gemacht worden", sagt er. Vor allem der Bau der Ortsdurchfahrt ist ihm positiv im Gedächtnis. Damit die schmale Straße verbreitert werden konnte, hat er rund 100 Quadratmeter seines Grundstücks abgegeben. "Dafür wurden wir ans Abwassernetz angeschlossen."

Torsten Kleditzsch

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Das kann man auch über den Mann sagen, der mir nach Winkeln mit dem Fahrrad entgegengekommen ist. Er hat in der Zeitung von der Tour gelesen und will mir Topfseifersdorf zeigen. Nur seinen Namen soll ich nicht nennen. "Direkt schlecht sieht es nicht aus", sagt er. Viel wurde gemacht: die Straße, der Trinkwasseranschluss kam 1993, der Abwasseranschluss 1996. "Fehlen tut uns nichts, außer Gesundheit im Alter", sagt Klaus Hegewald, der im Unterdorf Blumen gießt.

Mein Begleiter zeigt mal hier, mal da hin. Da war mal eine Bäckerei, da eine Stellmacherei, dort der Schmied. Heute hat Topfseifersdorf unter anderem zwei Friseurläden, eine Mosterei und einen Gasthof, der nur sonntags aufhat. Nicht weit davon hat die Gemeinde einen neuen Festplatz angelegt. Dass es seit 2001 keinen Laden mehr gibt, finden er und seine Frau schade, können es aber verstehen: Er muss sich ja rechnen. Der Bäckerwagen am Samstag - wie viel Umsatz macht der wohl?

Aber der Laden sei auch wichtig für das Miteinander gewesen, erzählen sie. Man unterhielt sich. In der Nachbarschaft funktioniere das noch. Darin liegt auch die Hoffnung: Wenn sie mal nicht mehr mit dem Auto zum Einkaufen fahren können, wird bestimmt einer helfen. Auf dem Lutherweg laufen wir nach Frankenau, wo er sich verabschiedet. Ob er im Mai wählt, weiß er noch nicht. "Nach 1990 war der Saal im Gasthof voll, wenn Sitzung war." Dann kam die Eingemeindung nach Königshain-Wiederau, da war er manchmal der einzige.

Ich laufe auf den Friedhof. Trinkwasser zum Füllen meiner Flasche gibt es dort nicht, aber damit hilft mir ein Bauhofmitarbeiter aus. "Schon schick" sei Frankenau geworden. Probleme sehe er keine - solange er Auto fahren könne. Für Ältere sei es indes schwierig: Der Bus fährt nur zu Schulzeiten. Er lobt die regelmäßigen Feste. Wenig später mahnt Werner Starke an, dass mehr Leute hingehen sollen. Vielleicht stimmt, was der Bauhofmitarbeiter sagt: "Auf dem Dorf lautet das Motto: Selbermachen oder es wird schon irgendwie gehen."

Telefonisch erreichen Sie Laura Kaiser unter 0151 14817299. Die Tour können Sie unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.


Kontakt zur Wanderin

Leser-Aufruf Wer mit Laura Kaiser noch bis zum 14. April ein Stück mitwandern, sie zu sich einladen oder mit ihr unterwegs in Kontakt kommen möchte, kann sich melden.

Bitte schreiben Sie, liebe Leser,

dafür an die "Freie Presse", Lokalredaktion Freiberg, Kirchgäßchen 1, 09599 Freiberg, oder per E-Mail an wahlwanderung@freiepresse.de.

Telefonisch erreichen Sie Laura

Kaiser unter 0151 14817299. Die Tour können Sie unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.

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