Kanalspezialisten graben sich Stück für Stück durch

Die Langenauer Straße als Geringswalder Ortsdurchfahrt wird im inzwischen dritten Abschnitt saniert. Die Arbeiten sind anspruchsvoll.

Geringswalde.

Michael Meißner lüftet den Helm, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der Polier der Firma Hoch- und Tiefbau Rochlitz nimmt sich mit seinen Kollegen Pieter Müller und Heiko Goldberg den nächsten Hausanschluss für Abwasser vor, der an der Langenauer Straße in Geringswalde erneuert werden soll. Allein auf dem rund 800 Meter langen dritten Bauabschnitt gibt es davon mehr als 30Stück.

Die seit Wochen anhaltende Trockenheit und Hitze machen den Männern zu schaffen. Meißner sieht es aber gelassen. "Das ist nunmal unser Job, bei Hitze, Kälte, Regen oder Sonnenschein." Wer sich für den Tiefbau entscheide, bringe in der Regel die richtige Portion Leidenschaft für den Beruf mit. Zudem spendiere der Chef bei der Witterung immer mal einen Kasten Mineralwasser.

Nachdem der hiesige Wasser- und Abwasserzweckverband ZWA im dritten Abschnitt einen neuen Mischwassersammler installiert und undichte Schächte ausgetauscht hat, geht es an die Sisyphusarbeit. "Ehe wir überhaupt ins Erdreich gehen, müssen wir den ursprünglichen Anschluss aufspüren", sagt Meißner. Häufig queren zudem alte Gas- oder Wasserleitungen den Schacht. Dann werde bei den Betreibern nachgefragt, ob die Leitungen noch genutzt werden, ehe man mit dem Baggern beginnt. "Wir wollen schließlich auf Nummer sicher gehen und nichts lahmlegen," so Meißner.

Der ausgedörrte Boden ist lehmig und steinhart. Es geht eng zu. Nicht selten stehen Meißner und Kollegen mit der Schaufel in der Baugrube. Um einen einzigen Hausanschluss neu zu installieren und in den Kanal einzubinden "geht jeweils gut ein Tag drauf", bemerkt der Polier.

Ein Transporterfahrer hat es eilig und gibt auf der momentan lediglich geschotterten Piste Gas, hinter dem Fahrzeug löst sich eine Staubfahne im Wind auf. Weiter unten ist Günter Pohl auf seinem Grundstück anzutreffen. Der Senior beobachtet gern die Baufortschritte. Freilich komme es immer mal zu Behinderungen. Das sei normal, wenn gebaut würde, dafür habe er Verständnis. "Ich komme damit klar, auch wenn andere Anwohner immer mal was zu meckern haben", sagt er. Man helfe sich gegenseitig, die Männer vom Baubetrieb seien entgegenkommend, er könne nur Gutes sagen. Letztlich würden alle von der sanierten Straße profitieren, statt weiter über den jahrzehntealten Flickenteppich holpern zu müssen.

Brigitte Schaal ist zufrieden mit den gegenwärtigen Fortschritten. "Ziel ist, Ende des Jahres mit der gesamten Sanierung fertig zu sein", sagt die Oberbauleiterin des ZWA. Die Bedingungen seien nicht ideal. Das liege zum einen an der Hanglage und dem teils felsigen Untergrund in diesem Bauabschnitt. "Zum anderen hatte die Kamera-Befahrung im Kanal vor Baubeginn bereits gezeigt, dass viele unterirdische Bauwerke, die weit vor den 1970er-Jahren installiert wurden, brüchig sind und raus müssen."

Bauherr des knapp einen Kilometer langen Verkehrsweges ist der Landkreis, der rund 1,3 Millionen Euro für die Sanierung einsetzt. Der ZWA investiert etwa 450.00 Euro in sein Kanalsystem. Die Kommune ist mit 351.000 Euro beteiligt.

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