Kita-Kinder bauen eigenes Obst und Gemüse an

Die Zettlitzer Kita "Sonnenschein" macht mit dem Methauer Landwirtschaftsbetrieb Agro AG gemeinsame Sache. Herausgekommen ist dabei der "Kinder-Garten".

Zettlitz.

"Johanna, du musst tiefer graben", ruft Christina Bamesreiter quer übers Beet: "Und nicht zu fest an der Pflanze ziehen." Die Lehrausbilderin der Agro AG Methau leitet die 15 Mädchen und Jungen der Zettlitzer Kita "Sonnenschein" beim Setzen von Erdbeerpflanzen an. Mara bringt ein exakt auf 30 Zentimeter Länge zugeschnittenes Holzstück. "Die Pflanzen dürfen nicht zu dicht stehen", sagt das Mädchen. Dahinter steht Maja mit einem weiteren Setzling bereit. "Hier ist schon eine Blüte dran", verkündet einer der Jungen, die kleine Spaten in den Händen halten. Sie sind schon ganz hibbelig. Denn gleich werden ein Dutzend noch tieferer Pflanzlöcher für die Himbeersträucher gebraucht.

Im Hintergrund bauen Kevin Friedemann, Lukas Gerlach und Moritz Zschage einen Geräteschuppen auf, in dem nach dem Einsatz Rechen, Schaufeln, Spaten und Schubkarren im Miniaturformat untergebracht werden. Die angehenden Land- und Tierwirte kommen ins Schwitzen. Denn die Arbeit ist ungewohnt. Und die drei Azubis wissen, dass sie in nächster Zeit immer mal wieder auf dem rund 350 Quadratmeter großen, umfriedeten Grundstück zu tun haben werden.

Denn jetzt ist das Gemeinschaftsprojekt "Kinder-Garten" gestartet. Die Ursprungsidee lieferte Agro-Vorstandsmitglied Daniel Näther. Er holte sich mit Christina Bamesreiter, Mileen Dähnel und Sina Storll fachkundige Helfer ins Boot. "Ziel ist es, den Wert von Lebensmitteln wie Erdbeeren, Kartoffeln, Möhren und Kohlrabi zu vermitteln", sagt Näther. Zugleich kämen die geernteten Früchte der Kindereinrichtung zugute. "Die Kinder können ganz unmittelbar erleben, wie aus Samen Früchte entstehen und wie lange es dauert, bis geerntet werden kann." Als Partner sei zudem die Servicestelle "Lernen in der Agrarwirtschaft" als Bildungsgesellschaft des Sächsischen Landesbauernverbandes mit eingebunden worden.

"Wir freuen uns riesig, dass hier bei uns so etwas Schönes entsteht", sagte Kita-Chefin Katrin Zimmermann. Die Eltern wären begeistert. "Auch darüber, dass wir dann unsere eigene Ernte einbringen können. Und meist bleibt bei den Obstmahlzeiten kein einziges Stück liegen."

Fast zwei Jahrzehnte habe der einstige Schulgarten der Zettlitzer Grundschule brachgelegen, erzählt der Zettlitzer Bürgermeister Steffen Dathe (parteilos). "Dass an dieser Stelle wieder etwas entsteht, ist ein Glücksfall." Das mindere zumindest teilweise die Enttäuschung darüber, dass sich die Rochlitzer bei der Erweiterung ihrer Grundschulkapazitäten nicht für die Gemeinde Zettlitz entschieden hätten. "Wir hatten unser ehemaliges Mittelschulgebäude genauso zur Nutzung angeboten wie die nun leerstehende Förderschule. Und die Grundschüler hätten genauso von unserem neuen 'Kinder-Garten' profitieren können."

Selbst wenn die Natur in Kürze eine Vegetationspause einlegen wird, geht es auf dem Gelände nahe der Kirche weiter. "Im Winter bauen wir ein Insektenhotel, und sobald es die Witterung zulässt, legen die Kinder eine Blühwiese an, auf der Bienen Nahrung finden sollen", kündigt Christina Bamesreiter an. Ein Komposthaufen sei genauso geplant wie eine Bank zum Ausruhen. Und die Kita-Chefin ist sich sicher: "Die Begeisterung wird anhalten."

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.