Königshain-Wiederau: Auch Räte lehnen Windkraftanlage ab

Die Gemeinde hat eine umfangreiche Stellungnahme zu den geplanten Windrädern verfasst. Der Tenor ist einstimmig.

Königshain-Wiederau.

Enorm viele Unterlagen und Gutachten seien zu sichten gewesen, wie Bürgermeister Johannes Voigt (CDU) erklärt, doch nun hat die Gemeinde Königshain-Wiederau ihre Stellungnahme zur geplanten Windkraftanlage auf dem Gemeindegebiet südlich von Wiederau verfasst und in der Ratssitzung am Dienstag vorgestellt. Das Ergebnis ist eindeutig. "Im Rahmen unserer Möglichkeiten und nach unseren Recherchen können wir das geplante Windkraftprojekt in unserem Ort nicht gutheißen", so Voigt. Für die Erarbeitung des Schreibens hatte die Gemeinde eigens eine Arbeitsgruppe gebildet mit Experten aus dem Bereich Umwelt- und Naturschutz, Vertretern des Nabu sowie der Bürgerinitiative "Gegenwind", die sich seit vielen Jahren gegen den Bau neuer Windkraftanlagen in den Ortschaften ausspricht.

Die Stellungnahme, die auch der "Freien Presse" vorliegt, widmet sich beispielsweise den Prüfberichten zum Schattenwurf der geplanten Anlage und der zu erwartenden Lautstärke, die sie verursacht. In beiden Punkten widerspricht die Gemeinde den bisher vorliegenden Prüfberichten. Allein bei der Schattenlänge der Windräder, die in den bisherigen Gutachten mit maximal 1777 Meter angegeben ist, kommt die Gemeinde in eignen Berechnungen auf eine Schattenlänge von 4693 Metern. Das ergebe eine einfache Berechnung bei einem Sonnenstand von 3 Grad. Auch der Einfluss auf die Natur durch eine Windenergieanlage ist laut Stellungnahme nicht von der Hand zu weisen. Störungsempfindliche Tiere wie der Schwarzstorch oder die Nordfledermaus als stark gefährdete Art seien in der Region nachweislich dokumentiert.

Die Gemeinde, so Voigt, hat sich in dem Schreiben lediglich auf die Punkte bezogen, die KönigshainWiederau betreffen. "Aber aus der Menge des Materials hätten wir noch viel mehr schöpfen können. Zum Beispiel, dass die geplante Zufahrt zur Anlage von der B 107 ein erhöhtes Unfallrisiko birgt. Das sehen wir auch so, aber dieser Punkt liegt in der Zuständigkeit des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr", sagt der Gemeindechef.

Die Räte befürworteten einstimmig den Inhalt der neunseitigen Stellungnahme an das Landratsamt, das die Gemeinde im August um eben diese gebeten hatten.

Im Frühsommer wurde die Gemeinde vom Landratsamt und der Firma EAB New Energy GmbH aus Großschirma über die Pläne für den Bau des Windrades informiert. Die Anlage mit einer Gesamthöhe von 246,6 Metern und einem Rotordurchmesser von 160 Metern wäre der bisher höchste Windpark im Landkreis. Seither regt sich Widerstand gegen die Anlage in der Gemeinde. Ein Antrag auf Genehmigung für den Bau und die Inbetriebnahmen liegt bereits beim Landratsamt. Investoren und Betreiber sind die Stadtwerke Leipzig und die Großschirmaer Gesellschaft EAB New Energy.

Wie und wann das Landratsamt nun auf die Stellungnahme reagieren wird, ist Johannes Voigt nicht bekannt. Auch auf Nachfrage der "Freien Presse" konnten die nächsten Schritte nicht genannt werden. "Die Stellungnahme der Gemeinde ist eingegangen", teilte eine Pressesprecherin des Amtes mit.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.