Landkreis will mit Extra-Geld Ärzte ins Gesundheitsamt locken

Mediziner, die bei einer Behörde arbeiten, verdienen weniger als ihre Kollegen in Krankenhäusern. Entsprechend schwer haben es die Ämter, offene Stellen zu besetzen.

Rochlitz/Mittweida.

Impfungen, Untersuchungen vorm Start ins Schulleben, Infektionsschutz und Beratungen - das Gesundheitsamt des Landkreises hat viele Aufgaben - und wenig Personal. Bei der Suche nach Ärzten steht die Behörde im Wettbewerb mit Krankenhäusern und hat oft das Nachsehen. Denn im Gesundheitsamt verdienen die Mediziner weniger Geld, als wenn sie in einer Klinik angestellt wären. Um für Ärzte einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, in dem Amt zu arbeiten, ist nun eine Gehaltszulage im Gespräch.

"Die Arbeitsmarktsituation im ärztlichen Bereich hat dazu geführt, dass sich das Landratsamt auch bei Ärzten und Fachärzten zu einer außertariflichen Zulagenzahlung bekennen sollte, um wettbewerbsfähig zu bleiben und vakante Stellen besetzen zu können", heißt es in der Beschlussvorlage, über die die Mitglieder des Kreistages morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit abstimmen sollen und die der "Freien Presse" vorliegt.

Ärzte im Öffentlichen Dienst werden nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt, ihre Kollegen in kommunalen Kliniken nach einem Tarifvertrag, den der Marburger Bund, Interessenvertretung der Ärzteschaft, mit den Arbeitgebern ausgehandelt hat. Ärzte bei der Behörde erhalten beim Grundgehalt im Schnitt 1000 Euro weniger im Monat. Die Fachärzte im Gesundheitsamt werden meist nach Entgeltgruppe 15 des Tarifvertrags des Öffentlichen Dienstes bezahlt. Das bedeutet, dass sie zwischen 4584 und 6667 Euro brutto im Monat erhalten, je nachdem, auf welcher Gehaltsstufe sie stehen.

Die Landkreisverwaltung schlägt nun vor, Ärzten und Fachärzten im Gesundheitsamt zum Gehalt monatlich eine Zulage von bis zu 500Euro zu zahlen. Die Chefs der zum Gesundheitsamt gehörenden Referate Amtsärztlicher und Sozialpsychiatrischer Dienst, Hygiene sowie Kinder- und Jugendärztlicher Dienst sollen bis zu 750 Euro mehr pro Monat erhalten. Die Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes bekommt bereits eine monatliche Zulage von 500 Euro. Das hatte der Kreistag 2009 beschlossen, heißt es. Da sich durch die Zulagenzahlung an die anderen Ärzte das Lohngefüge verschieben würde, soll auch die Zulage für die Amtsärztin erhöht werden. Die Kreisbehörde schlägt bis zu 1000 Euro pro Monat vor.

Dass Personal für das Gesundheitsamt offenbar händeringend gesucht wird, zeigt ein Blick in die Stellenangebote des Landkreises. Derzeit sind auf der Homepage drei Stellen im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst sowie eine Stelle als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausgeschrieben. Das Landratsamt bestätigt auf Nachfrage, dass vier Stellen unbesetzt sind. Insgesamt seien im Amt zwölf Ärzte beschäftigt. "Eine Ärztin wird 2019 in den Ruhestand eintreten, eine ist derzeit bereits über die Regelaltersgrenze hinaus bei uns beschäftigt", so ein Sprecher.

Benachbarten Städten und Landkreisen geht es nicht anders. Chemnitz sucht einen Amtsarzt und einen Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Für diesen Bereich sucht man auch im Landkreis Nordsachsen Ärzte und wirbt auf der Homepage damit, dass eine Zulage gezahlt werden kann.

"So gut wie alle Gesundheitsämter in Sachsen sind chronisch unterbesetzt", sagt Harald Uerlings, Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes der Ärzte und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Den Bereich treffe der Ärztemangel mit besonderer Härte. Laut Landesverband ist rund ein Zehntel der Stellen in Sachsens Gesundheitsämtern unbesetzt. Drastisch verschlechtern werde sich die Situation noch in den nächsten zehn Jahren. Denn in dieser Zeitspanne erreiche ein weiteres Drittel der vorhandenen Ärzte das Rentenalter. (mit eu)

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