Man könnte es auch Beten nennen

Heimarbeit: Schöne in schrecklichen Zeiten

Freiberg.

Wochenende. Das Abstandsmantra ist im Wald angekommen. Penibel achten die Wanderer darauf, einander nicht zu nahe zu kommen. Die Kinder müssen ohne ihre Freunde klarkommen. Und sind auf einmal Spielkameraden. Flugs verwischen Unterschiede. Aus dem Laufrad wird der Pferde-Einhorn-ICE, die Große schiebt den Mittleren darauf durch den Wald.

Ich baue derweil etwas, das wir, als ich noch Kind war, Lager nannten. Die Große kann mit dem Begriff nichts anfangen. Mit der Sache schon. Bei ihr heißt es Bude. Ein Unterstand aus Stämmen, Ästen, Zweigen. Vom Spiel im Garten kenne ich das Leben auf dem Pferdehof. Und zwar sowohl aus Sicht des Besitzers, als auch aus der des Pferds. Ich weiß, wie es sich bei Handgalopp zu bewegen hat und wie bei Schritt. Wer sagt denn, dass Schule zuhause nur für die Kinder gedacht ist? Dann aber denke ich doch an die Menschen auf den Intensivstationen, an die Ärzte und Pfleger, an alle, die weiter draußen arbeiten müssen, alle, deren Jobs nun wackeln. Man könnte es auch Beten nennen. Dabei behaupte ich immer, ich glaube nicht an Gott.


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