Manche Einsätze hinterlassen Spuren

Tino Kempe ist seit 1991 Feuerwehrmann. In den Jahren hat er viel erlebt. Manche Begebenheiten, vor allem während der Hochwasserereignisse, haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt.

Penig.

Als Held sieht sich Tino Kempe nicht - obwohl gerade die Feuerwehrleute vor allem bei den Hochwassereinsätzen der vergangenen Jahre für viele Menschen zu Helden wurden. Der 50-Jährige sieht sein Ehrenamt eher nüchtern, aber realistisch: "Feuerwehr ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung", sagt er. Deshalb störe es ihn auch nicht, wenn er durch Sirene und Piepser nachts aus dem Bett geholt wird. "Dafür bin ich ja Feuerwehrmann."

Seit 1991 ist der gebürtige Tauschaer bereits in der Ortsfeuerwehr des Peniger Ortsteils aktiv. Da in seiner Verwandtschaft die Feuerwehr stets eine Rolle gespielt habe - erst im vergangenen Jahr ist seine 16-jährige Tochter Sarah aktives Mitglied der Tauschaer Ortswehr geworden - sei auch er damals eingetreten, erzählt Tino Kempe und erinnert sich noch sehr gut an so manchen Einsatz. "Es war nach einem Starkregen. Wir haben in Niedersteinbach gerade Keller ausgepumpt, als über Funk die Nachricht kam: ,Menschenrettung in Oberhain'", erinnert sich der Tauschaer. Ein älteres Ehepaar war mit seinem Auto auf eine Brücke gefahren, um Schutz vor dem steigenden Flusspegel zu suchen. Doch das Wasser drohte, das Auto zu fluten." In ihrer Ausweglosigkeit wählten die beiden den Notruf.

Sehr emotional hatte ihn 2017 vor allem die Meldung über einen Brand an der Peniger Bilz-Oberschule berührt. Denn seine Tochter lernte gerade dort, als der Einsatz erfolgte. "Man weiß ja nicht, was einen erwartet. Doch glücklicherweise waren Lehrer und Schüler bereits in Sicherheit, und es gab keine Verletzten", erinnert er sich.

Anders hingegen ist es oftmals auf der Autobahn. Denn seit 2012, als die Tauschaer Wehr ein neues, autobahntaugliches Löschfahrzeug bekam, habe die Anzahl der Autobahn-Einsätze zugenommen. Und dort brauchen auch routinierte Feuerwehrleute manchmal harte Nerven. Auch passiere es, dass sich Augenzeugen wundern, wenn gleich mal fünf oder sechs Fahrzeuge gleichzeitig zu einem Brand- oder Unfallort kommen. "Es werden immer weniger Kameraden, die tagsüber eingesetzt werden können. Da kommt es vor, dass manche Fahrzeuge nur mit zwei Kameraden besetzt sind", erklärt Tino Kempe. Allgemein habe sich eine enge Zusammenarbeit zwischen den Peniger Ortswehren und auch mit den Wehren umliegender Orte entwickelt. "Wenn ich beruflich hier in der Nähe zu tun habe, versuche ich zum Einsatz zu kommen", sagt Tino Kempe, der als Zimmermann bei einer Firma arbeitet. Bei den anderen der 21 Mitglieder zählenden Tauschaer Wehr klappe das mitunter auch ganz gut. Letztendlich sei die Teilnahme am Einsatz aber stets freiwillig. Da gebe es auch keine Vorwürfe, wenn man sich mal nicht in der Lage fühle, zum Einsatz zu kommen.

Dass die Ortsfeuerwehr Tauscha einen guten Job macht, kann Penigs Gemeindewehrleiter Thomas Cramer nur bestätigen. "Sie hat sich in den vergangenen Jahren als höchst zuverlässige und einsatzbereite Wehr innerhalb der Gemeindefeuerwehr entwickelt", lobt er. Die Tauschaer hätten sich 2018 an allen größeren Einsätzen beteiligt.


Feuerwehrleute im vergangenen Jahr 58-mal ausgerückt

Einsätze: Die aus acht Ortsfeuerwehren bestehende Gemeindefeuerwehr Penig ist im vergangenen Jahr zu 58 Einsätzen ausgerückt, elfmal davon auf die Autobahn. Im einzelnen waren dies 16 Brandeinsätze, 36 technische Hilfeleistungen, drei Fehlalarmierungen und drei Übungen. Großeinsatz hatte die Wehr beim Sturmtief am 18. Januar, als sie an 32 verschiedenen Stellen technische Hilfe leistete. Insgesamt waren die Feuerwehrleute 1672 Stunden im Einsatz.

Gerettet: Durch den Einsatz der Feuerwehr konnten 13 Personen gerettet werden. Zudem gab es 23 Verletzte, zwei Tote waren zu beklagen.

Großereignisse: Der größte Brand ereignete sich am 8. Juli, als in Niedersteinbach eine Strohpresse und nachfolgend zwei Felder brannten. Der aufwändigste und nervenaufreibendste Einsatz war die Suche nach einer vermissten Penigerin vom 7. März bis 4. April. Sie konnte nur noch tot geborgen werden.

Personal: Von den 323 Mitgliedern der Feuerwehr sind 26 in der Kinderfeuerwehr, 25 in der Jugendfeuerwehr, 186 in der aktiven Abteilung sowie 86 in der Alters- und Ehrenabteilung mit. (ule)

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