Markante Bauwerke aus Peniger Werkstatt

Mike Seeger ist Holzgestalter mit Leidenschaft. Rund 1200 kleine Kunstwerke, die 160 Gebäude und Landschaften aus ganz Deutschland darstellen, hat er in seiner Freizeit bereits gefertigt. Sogar in Kanada und Südamerika stehen seine Lichterbögen und Fensterbilder.

Penig/Mühlau.

Ob Wechselburger Basilika oder Dresdner Frauenkirche, ob Wasserschloß Klaffenbach, Moritzburg, Hamburger Elbphilharmonie, Albrechtsburg Meißen oder Kölner Dom - die Wünsche der Fans seiner Holzkunst sind vielfältig und ausgefallen. Doch mittlerweile hat es sich deutschlandweit herumgesprochen, was der Mühlauer Mike Seeger in seiner Freizeit herstellt. In seiner Werkstatt, die er sich im Betriebsgelände von Holz Leuteritz im Peniger Ortsteil Wernsdorf eingerichtet hat, fertigt er hobbymäßig gemeinsam mit seiner Frau Birgit kleine und große Holzkunstwerke nach Kundenwunsch. Mittlerweile können sich die beiden vor Aufträgen kaum retten.

"Begonnen hat alles bei mir zu Hause in einer kleinen Werkstatt. Ich hatte angefangen zu basteln. Eines meiner ersten Motive war die Peniger Stadtkirche", erinnert sich der heute 50-Jährige. Die Idee, Lichterbögen und Fensterbilder aus Birkenholz, zu fertigen sei damals im Peniger Schnitzverein entstanden, dem Mike Seeger bereits seit 32 Jahren angehört. "Ich hatte Lust, was Eigenes zu machen. Burgen, Schlösser und Kirchen gibt es schließlich genügend in unserer Region." Also gründete Mike Seeger im Juni 2004 sein Kleingewerbe. Wie es sich einmal entwickeln und wie viele Stunden Freizeit er in dieses Hobby stecken werde, das ahnte der Mühlauer, der in der Peniger Papierfabrik eine Ausbildung zum Facharbeiter für Werkzeugmaschinen absolvierte, damals noch nicht. Schließlich hat er noch einen Hauptberuf, arbeitet als Zerspaner im Peniger Schweißtechnik-Unternehmen Metatec.

"Es gab um 2003/2004 herum die Möglichkeit, ein solches Kleingewerbe auch ohne Meisterabschluss zu führen", erklärt der Hobbykünstler. Da eine Bezeichnung für seine Tätigkeit gefunden werden musste, entschied er sich für "Drechsler und Holzspielzeugmacher". Das passe am ehesten zu dem, was er mache. Etwa zwei Stunden am Tag ist er nach seiner eigentlichen Arbeit in der Werkstatt zu finden. Und die Dekupiersäge von einst ist längst einer modernen CNC-Fräsmaschine gewichen, die man braucht, um mittlerweile die gestiegenen Wünsche der Interessenten zu erfüllen. "Warum das so zugenommen hat, kann ich mir auch nicht so genau erklären. Aber es ist wohl das Individuelle, das die Leute mögen", vermutet Mike Seeger.

Vorwiegend über Mundpropaganda habe es sich herumgesprochen. "Ich weiß, dass Leute bei ihren Nachbarn klingeln, die bereits ein Holzbild von mir haben." Und es gebe auch ausgefallene Wünsche, die er dann erfülle. "Manche wollen, dass ihr Haus und ihr Hof mit dargestellt werden." Und ab und zu komme es auch vor, dass die Exponate aus seiner Werkstatt an Verwandte und Freunde, die ins Ausland ausgewandert sind, als Geschenk dorthin verschickt werden. Ihm sei bekannt, dass seine Exponate mittlerweile sogar in heimischen Wohnzimmern in Kanada, Südamerika und in anderen Ländern stehen.

Während Mike Seeger in der Werkstatt eher fürs Grobe zuständig ist, übernimmt seine Frau Birgit das Filigrane und die Feinarbeiten. In der Maschine werden die Fenster- und Standbilder gefräst, danach erhalten sie die entsprechende Beleuchtung. "Highlights aus der Region" seien, wie er sagt, das Rochlitzer Schloss als Lichterbogen, die Rochsburg, die Burg Gnandstein, das Waldenburger Schloss und unzählige individuell gestaltete Stadt- und Dorfansichten. Um die 1200 Exponate, die etwa 160 verschiedene Ansichten zeigen, seien im Laufe der Jahre schon zusammengekommen. Wie viele Stunden er an einem Motiv arbeitet, kann er nicht genau sagen. Denn vieles laufe parallel. Während die Maschine fräst, wird an anderen Exponaten gefeilt oder schon montiert. Manche der Kunden wollen ihre Bilder naturbelassen, manche farbig gestaltet. Und dann gebe es noch ganz ausgefallene Wünsche, meint Mike Seeger und erinnert sich an einen Auftrag der Stadt Limbach-Oberfrohna. Denn der vier mal zwei Meter große Lichterbogen vor dem Limbacher Rathaus entstamme seiner Gestaltungsidee. "Der Auftrag kam über den Bürgermeister. Ich habe den Entwurf gemacht, eine Metallbaufirma hat den Lichterbogen dann hergestellt."

Um Aufträge für dieses Jahr macht sich Mike Seeger keine Sorgen, denn Stadtansichten beispielsweise von Penig und Burgstädt sowie ein Motiv des Heidelberger Schlosses seien bereits in Arbeit. Als kurios habe er es empfunden, dass vor allem während der Zeit der Coronakrise sein Auftragsbuch immer voller wurde. "Weihnachts- und andere Märkte fanden nicht statt, Geschäfte waren und sind geschlossen. Da wir in den vergangenen Jahren rund 20.000 Flyer verteilt hatten und die Leute Geschenke brauchten, sind viele wohl auf uns gestoßen", vermutet er. Zahlreiche Exponate aus seiner Werkstatt seien dann mit der Post verschickt worden.

In diesem Sinne wollen Mike Seeger und seine Frau Birgit nun das gemeinsame Hobby weiterführen. Und vielleicht kommt in den nächsten Wochen und Monaten so manches neue Motiv hinzu.

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