Miliduch sucht die Spuren der Westslaven in der Region

Wanderer waren im frühen Mittelalter Menschen, die am Lagerfeuer Geschichten erzählten. Der Rochlitzer Toni Kästner will keine Geschichten erzählen, sondern Geschichte erlebbar machen.

Rochlitz.

Unauffällig ist Toni Kästner mit seinem Bart, den Tattoos und der gelben Strickmütze ganz sicher nicht. Der 33-Jährige hat aber nicht nur ein interessantes Äußeres - er hat auch Interessantes zu erzählen. Die regionale Historie hat es ihm angetan, im speziellen die Geschichte der Westslawen, die sich in der Region im 6. Jahrhundert ansiedelten. Als Westslawen bezeichnet man diejenigen slawischen Völker, die im Raum zwischen den Flüssen Elbe und Prypjat sowie zwischen der Ostsee und dem Fluss Theiß sesshaft waren. Das Wissen, das er sich angeeignet hat, gibt er inzwischen bei Vorträgen und Führungen weiter.

"Meine Partnerin und ich sind sehr naturverbunden. Auf der Suche nach Wanderzielen stolperten wir über die Wallanlage in Lastau." Die Anlage sei über Tausend Jahre alt, und man könne die befestigten Erdwälle, auf denen einst hölzerne Palisaden standen, noch immer gut erkennen.

Speziell mit der Geschichte um die erste Jahrtausendwende hat sich Kästner schon seit Längerem beschäftigt. Rings um Rochlitz gäbe es in einem Radius von nur fünf Kilometern neun weitere Wallanlagen, die von den Westslawen errichtet wurden. "Manche dieser Anlagen sind gar nicht besonders hoch gelegen, aber es ist erstaunlich, dass sie dennoch so ausgerichtet sind, dass man von einer zur anderen blicken kann", sagt Kästner. Von der Wallanlage oberhalb des Rochlitzer Schlosses könne man beispielsweise bis zu einer in Biesern liegenden schauen. Für Anlagen in der Nähe eines Flusses sei das typisch, sagt Kästner. Flüsse dienten damals lange als Hauptverkehrsweg, sodass eine schnelle Kommunikation an Siedlungen von Vorteil war.

Die Geschichte fasziniert Kästner auch, weil es die Geschichte einer friedlichen Einwanderung und Integration gewesen sei. "Die Slaven übernahmen viele Riten und Bräuche der germanischen Völker, die in der Region zum Teil schon sesshaft waren. Das lässt sich durch wissenschaftliche Funde gut belegen."

Die Nachfrage nach Vorträgen und Führungen habe sich aus Gesprächen mit Freunden, Bekannten, aber auch mit Bürgern ergeben. Kästners Führungen dauern in der Regel zwei bis zweieinhalb Stunden. Es können maximal 25 Personen auf einmal teilnehmen. Verschiedene Punkte können auch mit dem Auto angefahren werden. "Die Veranstaltungen führe ich immer in zeittypischer Gewandung in meiner Rolle als Miliduch, der Wanderer, durch. Ich möchte Geschichte lebendig machen", so Kästner.

Das Interesse für Historisches wurde Kästner in die Wiege gelegt, sagt er. "Ich komme aus einer sehr geschichtsbegeisterten Familie, mein Vater hat sich zum Beispiel schon immer für antike Waffen interessiert. Ich bin mit dieser Begeisterung großgeworden", sagt Kästner. So schnitzt der gelernte Grafiker in seiner Freizeit Messer und Schmuckstücke aus Knochen und Horn. Dieses alte Handwerk führt er inzwischen auch deutschlandweit auf Märkten vor.

Historik zum Beruf werden zu lassen, sei zwar angedacht gewesen, aber das Leben habe eben anders gespielt. Viele Jahre arbeitete Kästner als freier Journalist. Der Beruf brachte ihn unter anderem nach Kopenhagen, Köln, Berlin und zuletzt Leipzig. "Das war eine aufregende Zeit, die ich nicht missen möchte", sagt er. 2017 zog er mit seiner Partnerin zurück nach Rochlitz.

Die nächste Führung findet am 25. März statt. Anfragen zu Terminen und Kosten können via Facebook an Toni Kästner persönlich gerichtet werden unter der folgenden Internetseite:

https://bit.ly/2u0CeJE

 

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