Mittweidaer gesteht Bluttat in Geringswalde

Vor dem Landgericht Chemnitz hat der Prozess gegen einen 32-Jährigen begonnen. Er hat zugegeben, seine Ex-Freundin getötet zu haben. Grund war offenbar verschmähte Liebe.

Chemnitz/Geringswalde.

Anfangs schwieg er, gab sich wortkarg, wischte sich Tränen aus den Augen. Doch die Vorsitzende Richterin Simone Herberger blieb hartnäckig, wollte, dass Ronny S. von seiner Beziehung zu Mareen Z. erzählt. Wie er später zugab, habe er sie in der Küche ihrer Geringswalder Wohnung erstochen. Die Staatsanwaltschaft spricht von 18 Stichen und 9 Schnittverletzungen. An insgesamt vier Verhandlungstagen muss sich der 32-jährige Mittweidaer wegen Totschlags vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Laut seinem Verteidiger steht auf Totschlag ein Strafmaß zwischen fünf Jahren und lebenslänglicher Haft.

Wie Ronny S., der Fachlagerist lernte und als Logistik-Schichtleiter tätig war, erklärte, habe er die Mediendesignerin Mareen Z. 2013 über einen Arbeitskollegen kennengelernt. "Ich war glücklich in der Beziehung", sagte er. Kleinere Streitereien hätten beide "vernünftig ausgetragen". Dann, ab 2017 habe sich das Blatt gewendet. Er sei des Öfteren in Spielotheken gewesen. Rund 2000 Euro habe er beim Spielen verloren. Da er Geld brauchte, habe er sich insgesamt 2600 Euro - mehrfach in Beträgen um die 100 bis 200 Euro - aus einem Briefumschlag genommen. Geld, das unter anderem von ihrer Mutter für eine Urlaubsreise stammte und dessen Verschwinden Mareen Z. längere Zeit gar nicht bemerkt habe. Im Auto, auf dem Weg zu einem Fastfood-Restaurant in Döbeln, habe er ihr von dem Diebstahl erzählt. "Mareen war schockiert, hätte das nicht von mir erwartet", erinnerte er sich. Die Beziehung sei angespannter gewesen. Das spürte er auch bei einem gemeinsamen Urlaub, wie er sagte. Auch habe er sie nach wie vor von der Arbeit abgeholt, obwohl sie das nicht mehr wollte.

Am Tag vor der Tat sei Mareens Familie zum Essen nach Waldheim gefahren. Er sei nicht eingeladen gewesen, sei aber trotzdem hingefahren. "Nach diesem Essen hat sie über Trennung gesprochen und gesagt, sie brauche Zeit zum Nachdenken", so Ronny S. vor Gericht.

An jenem 17. Oktober wollte er sie wieder von der Arbeit abholen, doch das wollte sie nicht, erzählte er. Ronny S. habe abgewartet, bis sie kam. Er stellte sein Auto auf dem Parkplatz eines nicht weit vom Wohnhaus entfernten Einkaufsmarktes ab und ging gegen 16.30 Uhr mit ihr in die Wohnung, berichtete er. "Sie wollte erst nicht, dass ich mitkomme. Auf der Treppe haben wir beide angefangen zu weinen", so der 32-Jährige. In der Küche habe sie ihm nochmals gesagt, dass sie wohl keine Chance mehr sehe. "Dann hat sich das alles hochgeschaukelt", so Ronny S.. Als er gefragt habe, ob er noch eine Chance bekäme, habe sie in die Schublade gegriffen und ein Messer herausgeholt. "Damit hat sie vor mir herumgefuchtelt", sagte er. Dann habe er gegen das Messer geschlagen, es ihr abgenommen und zugestochen. Mit dem Messer, das er abgewaschen habe, ihrem Handy, 1000 Euro, die er aus ihrer Geldkassette nahm, und dem Schlüssel sei er dann ins Auto gestiegen und davongefahren. Die Idee, nach Hamburg zu fahren, sei spontan gekommen. Schlüssel, Handy und Messer habe er unterwegs aus dem Auto geworfen. Auf dem Hamburger Flughafen, wo er bereits ein Flugticket gekauft hatte, wurde Ronny S. am 18. Oktober festgenommen und von der Polizei nach Chemnitz gebracht, wo er seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

Am ersten Prozesstag sagte auch die Schwester von Mareen Z. als Zeugin aus. "Er war immer liebevoll zu ihr", meinte sie. Doch nach der Sache mit dem Geld habe ihre Schwester kein Vertrauen mehr gehabt und wollte, dass er auszieht. "Ihre Sorge war aber, dass er auf der Straße steht." Angst habe sie nicht vor ihm gehabt. Auch Mareens Mutter wurde vom Gericht als Zeugin befragt. Anfangs sei er ein liebenswerter und netter Mensch gewesen, "mit einer gewissen Arroganz", berichtete sie. Nach einem Jahr etwa habe er sich aber immer mehr von der Familie zurückgezogen.

Für den 19. März ist ein weiterer Verhandlungstag angesetzt.

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