Neuaufbau wie vor 250 Jahren: Fachwerkhaus ist der Hingucker

Eines der ältesten Häuser in Hainichen erstrahlt in neuem Glanz: Die Besitzer werden das Objekt auch zum Tag des offenen Denkmals vorstellen.

Hainichen.

Nur wenige Gebäude der Gellertstadt haben den großen Stadtbrand von 1832 überstanden. So ein Haus besitzt seit zwei Jahren auch Familie Wagner, seit einem halben Jahr präsentiert sich der Fachwerkbau zwischen Neumarkt und Camera obscura schon äußerlich als Hingucker. Inzwischen ist auch der Innenausbau fast abgeschlossen, die dreiköpfige Familie ist vor einigen Tagen eingezogen. Wagners wohnen nun in einem Haus, wie es vor gut 250 Jahren gebaut worden ist - verbunden mit etlichen Annehmlichkeiten der Neuzeit wie einer modernen Heizung in den Wänden und einem Bad.

Tony Wagner hatte das Haus vor drei Jahren eher zufällig bei einem Spaziergang entdeckt. Er war damals auf der Suche nach einer neuen Heimstatt, einem Gebäude mit Charakter. Und den hat das Haus mit der Adresse An den Stufen 4. "Es ist eines der wenigen Stadthäuser in Sachsen, bei denen das gesamte Haus aus Fachwerk ist, auch das Erdgeschoss", erklärt Falk-Uwe Langer von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Nur war das Fachwerk im Erdgeschoss längst durch Massivbau ersetzt, als Wagners mit dem Neuaufbau begannen.

"Wir haben das Haus komplett entkernt, alle Wände und Decken kamen raus", berichtet Tony Wagner, der in der elterlichen Drechslerei in Riechberg, dem "Schneemannland", arbeitet. "Das Fachwerk wurde von einer Zimmerei aufgearbeitet. Mit Lehmziegeln haben wir die Wände wieder geschlossen. So ist das Haus so geworden, wie es wohl vor etwa 250 Jahren mal erbaut wurde." Nach Wagners Recherchen und einer Holzuntersuchung wurde es 1775 oder 1776 gebaut. Die erste Eintragung findet sich im Jahr 1788.

Das Dach wurde mit altem Schiefer gedeckt. Die Holzfenster sind sechsfach geteilt. Innentüren hatte Wagner über mehrere Jahre gesammelt und aufarbeiten lassen. Die Bodenfliesen stammen aus einem Abrisshaus bei Bräunsdorf. Verputzt wurden die Wände wie früher mit einem Gemisch aus Quark, Kreide und Salz. "Wir haben hier wirklich Magerquark aus dem Supermarkt an den Wänden", erklärt Simone Wagner, deren Familie in Hainichen gut bekannt ist. Sie ist eine geborene Glöckner, ihr Opa ist das Eulendorfer Original Walter Glöckner.

Bei ihm lagerte auch viele Jahrzehnte lang ein alter Kachelofen auf dem Boden, der 1915 das Hochzeitsgeschenk ihres Urgroßvaters war. Der Ofen wurde etwas umgebaut und modernisiert und ist nun im großen Zimmer im Erdgeschoss unter der Holzdecke der Hingucker. Auf drei Etagen stehen jetzt gut 110 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Kosten können und wollen Wagners nicht beziffern, weil sie auch viel selbst gemacht haben. "Ein Neubau wäre auch nicht teurer geworden", sind sie sich einig. Bereut haben sie den Schritt zum Erhalt des Gebäudes jedenfalls nicht.

"Man muss schon ein Idealist sein, um so etwas zu erhalten und so wieder aufzubauen", zeigte sich Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) beeindruckt. "Das Ergebnis ist für unsere Stadt hocherfreulich und streng genommen sogar eine neue Sehenswürdigkeit." Auch Falk-Uwe Langer ist begeistert: "Die Familie ist dem denkmalschützerischen Gedanken sehr gewogen. Wir haben das Vorhaben von Beginn an wohlwollend begleitet." Die Behörde sei derzeit beschäftigt, ein Faltblatt zur Geschichte und zur Sanierung zu erarbeiten. Das soll zum Tag des offenen Denkmals ausgereicht werden. Am 13. September wollen Wagners wieder Gastgeber sein. Im Vorjahr hatten sich bereits rund 300 Besucher die Baustelle angeschaut.

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