Nicht gesucht und doch gefunden

Die Dorfgalerie Auerswalde zeigt neue Bilder von Osmar Osten. Zur Vernissage gab es listige Lieder. Das ist ein ernsthaftes Vergnügen.

Auerswalde.

Die beiden haben viel gemeinsam: Sie kommen beide aus Chemnitz. Osmar Osten heißt nicht wirklich so und Jens Ausderwäsche wahrscheinlich auch nicht - zumal sie eine junge Frau ist. Osmar Osten malt "linke Gurken" und "rechte Gurken" - weil er neulich im Spreewald war und weil: "Linke und Rechte gibt's wirklich." Und Jens Ausderwäsche war auf dem Friedhof, ist traurig, aber "traurig brauch ich nicht".

Traurig ist die Ausstellung namens "Die Luther-Palme" in der Dorfgalerie Auerswalde mit größtenteils neuen Bildern von Osmar Osten nicht, zu deren Eröffnung Jens Ausderwäsche sang. Schade, dass die Lieder nicht auch während der gesamten Ausstellung zu hören sind, denn da haben sich zwei Ge-schwister im Geiste nicht gesucht, aber doch gefunden. Osmar Osten malt Bilder, die auf den ersten Blick so erscheinen mögen, als nähme er alles "eher von der lockeren Seite", wie ihn Galerist Arndt Unger zu Be-ginn des Eröffnungsgesprächs fragte. Worauf Osten widersprach: "Leider nicht." Denn hinter seinen Bildern steckt eine tiefe Enttäuschung über die mangelnde Lernfähigkeit der Welt, ihre oft menschenverachtende Unbelehrbarkeit, über gedankenlosen Opportunismus, aber auch eine kindische Freude über ihre skurrilen Entgleisungen. Die Inschrift auf dem Bild mit dem einprägsam-kurzen Titel "Alles ist gut, solange du wild bist, außer beim Wildunfall, da ist es nicht so gut, wenn du wild bist", hat er gefunden, erinnert sich auch noch gut an ein Schild an der Ostsee: "Eltern haften für die Schäden ihrer Kinder." Es sind die manchmal bitteren Wahr-heiten, die Osmar Osten in seinen Bildern an- und ausspricht. "Kopflos" - der Nussknacker ohne Kopf - erinnert auch an die, die ihren Kopf nicht zum Denken benutzen. Die Grafik "100 Jahre Kunstsammlungen - 100 Jahre im Dienst der Macht" spricht Abhängigkeiten an, "Zusammenhänge", sagt Osten, "das ist eben so. Wenn du im Staatsdienst bist und der Staat ändert sich, dann kannst du aufhören oder du änderst dich eben mit."

Osmar Ostens minimalistische Bilder korrespondieren hervorragend mit den schrägen und genauso aufs scheinbar Unwesentliche reduzierten Liedern von Jens Ausderwäsche. Sie spielt sozusagen Punk im Rückwärtsgang - leise, eher langsam, mit manchmal etwas quäkender Stimme zur nicht gerade virtuos klingenden Gitarre singt sie von ihrer Suche "nach Kompromissen und unerfüllten Wünschen", beklagt, dass sie "alles vergammeln lassen" hat und manche mit "Kiefernsperre in den Debattierklub" gehen.

Hinter den scheinbar banalen Alltäglichkeiten verbirgt sich die diebische Freude, eben diesen Alltag zu hinterfragen nach seinem Sinn und danach, wie Menschen ihm Sinn geben oder eben nicht. Das ist ziemlich originelle Kleinkunst, die da unter den alten DDR-Leuchten im Saal der Dorfgalerie vor etwa 50 maskierten Gästen zelebriert wird. Womit der Galerie - eine der aktivsten in der Region - ein sehens- und hörenswerter Coup gelungen ist.

Die Ausstellung "Die Luther-Palme" mit Werken von Osmar Osten ist bis 11. Dezember in der Dorfgalerie Auerswalde, Am Erlbach 4, zu sehen. Geöffnet ist nach einer Absprache unter der Telefonnummer 037208 83944.

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