Peniger Freileitungsgegner rüsten auf

Ein Gutachten zur geplanten Starkstromtrasse, die über Tauschaer Flur führen soll, stößt auf Kritik. Stadt und Bürgerinitiative haben Mängel ausgemacht. Die Landesdirektion gibt ein Versprechen ab.

Penig.

In der Muldestadt ist die Empörung groß. Während der Planungen einer neuen Starkstromtrasse von Limbach-Oberfrohna über den Peniger Ortsteil Tauscha nach Oberelsdorf hat die Landesdirektion ein Gutachten anfertigen lassen. Als Genehmigungsbehörde will sie sich damit die Entscheidung erleichtern, in welchen Abschnitten der Netzbetreiber Mitnetz wegen anfallender Mehrkosten entweder Freileitungen oder Erdkabel zu verlegen hat. Doch das Papier ist umstritten.

"Das Gutachten weist erhebliche Mängel auf", kritisiert Helmar Bie- ring, Sprecher der Bürgerinitiative Tauscha (BI), die seit drei Jahren versucht, eine Freileitung im Ort zu verhindern. Der Dreh- und Angelpunkt ist eine Zahl: 2,75 - um so viel darf das Verlegen von Erdkabeln teurer sein als eine Variante mit Freileitungen. Das ist im Energiewirtschaftsgesetz für den Neubau von 110-Kilovolt-Leitungen geregelt. Laut Biering sei der im Gutachten vorgelegte Faktor von 3,22 nicht zu akzeptieren. "Denn dieser kann noch optimiert werden, da das Gutachten nicht von der kürzesten Strecke, sondern von einem Umweg über Markersdorf ausgeht", erklärt Biering. Seiner Meinung nach könne die Trasse zwei bis drei Kilometer kürzer gestaltet werden. Das und auch neue Technologien bei der Kabelverlegung würde Kosten sparen.

Eine Dresdner Kanzlei, die für die Stadt Penig tätig ist, geht von einem Faktor zwischen 2,2 und 2,48 aus. Eine Firma, die Erfahrungen im Trassenbau hat, spricht von einem Faktor von 2,7. Laut BI könnte also der Trassenverlauf verkürzt und somit preiswerter gestaltet werden. Für Biering steht somit fest: "Es kann nur eine Erdkabelvariante infrage kommen." Völlig indiskutabel seien für ihn der von Mitnetz vorgelegte Faktor 4,85 und der nun durch das Gutachten reduzierte Faktor 3,22. Diese Zahlen müssten auf den Prüfstand, so Biering.

Laut Ingolf Ulrich, stellvertretender Pressesprecher der Landesdirektion Sachsen, habe seine Behörde ein unabhängiges Gutachten von nicht im Freistaat Sachsen ansässigen Experten eingeholt. Damit wolle man herausfinden, warum die einerseits von Mitnetz und andererseits von verschiedenen Einwendern angegebenen Mehrkosten für Erdkabel so weit voneinander abweichen. Die Peniger Stadtverwaltung sieht bereits in der Herangehensweise einen Mangel. Denn wie Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt erklärt, habe der im Auftrag der Stadt tätige Rechtsanwalt festgestellt, dass es sich bei diesem Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen, welches das Gutachten erstellte, nicht um öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige handele. "Das könnte vor Gericht zu Schwierigkeiten führen, wenn jemand dieses Gutachten juristisch angreift", so die Stadtsprecherin.

Auf Anfrage der "Freien Presse" versichert die Landesdirektion: Sollten Betroffene Einwände oder Mitnetz belastbare Argumente gegen die Planungsgrundlagen oder Berechnungen des Gutachtens vorbringen, werde man dies im Rahmen des weiteren Verfahrens prüfen.

Bereits im April vorigen Jahres hatte der Peniger Stadtrat beschlossen, dass eine Erdverkabelung bevorzugt und die Trasse mindestens bei Tauscha unterirdisch verlegt werden soll. "Zur Stadtratssitzung am 19. Dezember soll diese Forderung nochmals per Beschluss bekräftigt werden", erklärt Manuela Tschök-Engelhardt. Denn auch die Stadtverwaltung bemängelt an diesem Gutachten, dass eine Teilverkabelung, wie vom Stadtrat beschlossen, nicht geprüft worden sei. "Wir als Stadt werden versuchen, dass eine bestmögliche Lösung dann auch umgesetzt wird. Das können unsere Bürger erwarten."

BI-Sprecher Biering hat indes angekündigt: "Im April könnte die Entscheidung fallen. Wird es eine Freileitung, dann werden wir klagen."

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