Peniger Kleingärtner geben auf - aus Sparte soll ein Wald werden

Wieder eine Gartenanlage weniger: Nach dem Gebiet "Frohsinn" muss nun der "Schleiferberg" weichen. Doch in diesem Fall sind es die Gärtner selbst, die so nicht mehr weitermachen wollen.

Penig.

Dietmar Baier zieht es bei schönem Wetter immer wieder in sein kleines Reich, wo er viele Jahre Erholung fand und Freude am Gärtnern hatte. Der Vorsitzende der Kleingartensparte "Schleiferberg" ist in diesen Tagen fast der einzige, der noch kommt. Die Anlage nahe der Autobahn ist mittlerweile verwaist. Meterhohes Unkraut hat sich in vielen Gärten breit gemacht, die meisten Lauben sind verfallen. "Ja, es war alles anders geplant", sagt der 63-Jährige etwas wehmütig. Dass es die Sparte, die seit 1947 besteht, bald nicht mehr geben wird, sieht er dennoch ein. 22 der 49 Gärten stehen seit längerem leer. Diejenigen, die dort noch ihre Gärten haben, sind mittlerweile zwischen 60 und 80 Jahre alt. Der älteste Gartenfreund ist 91.

"Bereits im Mai wurden unsere Mitglieder aufgefordert, ihre Lauben und Gärten zu beräumen. In dieser Woche gehen die Kündigungen raus", erzählt der Vereinschef der "Freien Presse". Als die Autobahn, die unmittelbar an der Anlage vorbeiführt, gebaut wurde, hätten sich kurz darauf im Jahr 2005 bereits die ersten Pächter verabschiedet. Diese Gärten seien leer geblieben. "Denn es gibt zu viele Gärten in Penig", sagt Dietmar Baier. Als bekannt wurde, dass die Starkstromtrasse, die der Netzbetreiber Mitnetz zwischen Röhrsdorf und Oberelsdorf bauen will, für die Gartenanlage zu einem weiteren Störfaktor werden könnte, habe die Mitgliederversammlung die Auflösung des Kleingartenvereins zum Jahresende beschlossen. "Es hat einiger Überzeugungsarbeit bedurft. Aber es ist alles in Frieden abgelaufen", so der Vereinschef. Drei Vereinsmitglieder hätten die Chance genutzt und seien in einer anderen Sparte wieder fündig geworden. Was Dietmar Baier selbst tun wird, habe er noch nicht entschieden. Aber wieder einen Garten zu finden, das sei in Penig kein großes Problem.


Dass die Gartenpächter nicht selbst für die Beräumung ihrer Gärten und Lauben aufkommen müssen, bezeichnet Baier als Glücksfall. Denn das wird höchstwahrscheinlich jene Firma übernehmen, die auf dem Gelände des ehemaligen Flender-Heizhauses eine Photovoltaikanlage errichten will. Wie Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) zur jüngsten Stadtratssitzung erklärte, müsse die Firma eine sogenannte Ausgleichsfläche für ihr Vorhaben nachweisen. Das bedeutet: Wo Grün durch Bebauung verschwindet, muss woanders wieder Grün entstehen. Da die Fläche der Gartenanlage dafür geeignet sei, werde der Investor auch die Kosten für die Beräumung und Aufforstung übernehmen. Sollte die Anlage aus irgendeinem Grund doch nicht gebaut werden, dann werde die Stadt einspringen und den Abriss der Gartenanlage finanzieren, so der Bürgermeister.

Im Stadtrat gab es zu diesem Thema keinen Diskussionsbedarf, denn alle anwesenden Stadträte befürworteten, dass die Stadt sowohl mit dem Regionalverband der Kleingärtner als auch mit dem Kleingartenverein "Schleiferberg" den Aufhebungsvertrag abschließt. "Wer will schon unter einer Hochspannungsleitung sein Gemüse anbauen", zeigt auch Stadtsprecherin Manuela Tschök- Engelhardt Verständnis für den Beschluss der Vereinsmitglieder. Zwar sei noch nicht entschieden, ob in diesem Bereich einmal eine Freileitung oder ein Erdkabel den Strom transportieren wird. Absehbar sei allerdings, dass ein Strommast im Areal der Anlage errichtet wird, da die Mulde überquert werden müsse. Wenn die Gärten beseitigt sind, soll beim Bepflanzen mit Laub- und Nadelbäumen die vorgesehene Stelle ausgespart werden.

Die Anlage "Schleiferberg" ist nicht die einzige Sparte, die Penig in nächster Zeit verlieren wird: Auch die Anlage "Frohsinn" muss weichen und Platz für ein Eigenheimgebiet machen. Das ist bereits beschlossene Sache. Laut Stadtverwaltung gebe es trotzdem noch genügend Gärten im Stadtgebiet, denn 30 Prozent - das sind etwa 230 Gärten - stünden derzeit leer.

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