Pinka: "Herr Woidniok, ich hätte ein paar Fragen"

Abschiebe-Forderung des CDU-Kommunalpolitikers stößt auf Protest bei Linken und Grünen

Freiberg.

Nach der Forderung von Jörg Woidniok, Chef der CDU/RBV-Kreistagsfraktion Mittelsachsen und Freiberger Rechtsamtsleiter, Geflüchtete nach Syrien abzuschieben, mehren sich Proteste. Die Freiberger Linken-Landespolitikerin Jana Pinka schreibt: "Herr Woidniok, ich hätte ein paar Fragen." Als Mitglied einer christlich-demokratischen Partei denke Woidniok "gerade in der Vorweihnachtszeit laut darüber nach, syrische Geflüchtete wieder dorthin abzuschieben, wo noch immer der zwar geschwächte Islamische Staat, aber jetzt vor allem das Assad-Regime mit brutalster militärischer Gewalt wütet, wo Städte und Dörfer zerbombt, wo Menschen gefoltert und verschleppt werden, wo Hunger und Not herrschen und medizinische sowie humanitäre Hilfe nicht ansatzweise ankommen. Und dabei redet er nicht von straffällig Gewordenen oder Gefährdern", so Pinka. Woidniok trete jene Asylbewerber mit Füßen, "die fleißig Deutsch lernen, Schulen besuchen, eine Ausbildung machen und auch bereits arbeiten". Pinka: "Wie vielen Flüchtlingen ist Herr Woidniok schon persönlich begegnet? Wie hat er versucht die Schwierigkeiten, die es ganz klar bei der Integration gibt, mit aus dem Weg zu räumen?"

Linken-Kreisrat Peter Krause aus Roßwein ergänzt: "Vorm ersten Advent eine Debatte über die sofortige Zurückführung syrischer Flüchtlinge anzuzetteln, zeugt von der Angst der CDU vor einem Machtverlust." Offenbar lägen die Nerven so blank, dass man sogar die AfD überholen wolle. Sein Fraktionskollege David Rausch aus Geringswalde sagt: "Nach meiner Interpretation steht der Name CDU für christliche Werte. Der CDU-Fraktionschef ist sich dessen nicht mehr richtig bewusst." Rausch will Woidniok im nächsten Kreistag eine Bibel schenken.


Auch Grünen-Kreisrat Sebastian Walter aus Niederwiesa protestiert: "Als neuer Nahost-Experte kann Herr Woidniok mal erklären, wohin in Syrien seine nächste Reise geht. Selbst nach Monaten ist die Deutsche Botschaft in Damaskus immer noch zerstört." Jörg Woidniok arbeite an der weiteren Zertrümmerung der sächsischen CDU. "Wer die Rhetorik der Rechtsradikalen übernimmt, der macht sie stark", so Walter weiter.

Der Freiberger Geschichtsforscher Michael Düsing schreibt: "Im Wettbewerb um den zynischsten und miesesten Satz der beginnenden Weihnachtszeit steht der für mich ganz weit oben: ,Ich kann keinen Anspruch darauf erkennen, in Deutschland als syrischer Asylbewerber derart lange auszuharren, bis dort wieder 'blühende Landschaften' entstanden sind." (hh/grit/fpe)

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