Radweg: Warum ist neuer Abschnitt zu?

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Seit einigen Wochen ist die Strecke zwischen Markersdorf und Diethensdorf fertiggestellt. Aber die Durchfahrt ist verboten. Das ärgert nicht nur Radfahrer.

Markersdorf.

Mit wärmeren Temperaturen und Sonnenschein - wie in den vergangenen Tagen - bevölkert sich der Chemnitztalradweg. Zwischen Chemnitz und Claußnitz können Radfahrer, Skater und Spaziergänger durchs Chemnitztal gelangen. Auch der nachfolgende 2,2 Kilometer lange Abschnitt zwischen Markersdorf und Diethensdorf ist fertig. Aber er darf offiziell nicht befahren werden. Erst verhinderte ein Zaun die Weiterfahrt, jetzt steht ein Verbotsschild.

"Aber die wenigsten halten sich daran", sagt ein Anwohner. Das sei auch keinem zu verdenken, fügt der 67-Jährige hinzu. Denn die Strecke ins Schweizerthal sei idyllisch. Das bestätigt Tom Kappler aus Chemnitz. Der 73-Jährige fährt mit seiner Frau gern die Strecke. "Warum ist die Weiterfahrt noch immer untersagt?", fragt er. Die Brücken seien saniert, die Asphaltschicht aufgebracht. Nur noch Schilder fehlten, fügt er hinzu. Der erste Abschnitt an der Alten Mühle führe sowieso auf der Straße, könnte also problemlos befahren werden.

Radweg-Verbandschef Robert Haslinger sagt auf Anfrage: "Für die offizielle Freigabe des Abschnitts zwischen Markersdorf und Diethensdorf soll erst noch die Widmung des Abschnitts vollzogen werden." Das Verfahren beende letztendlich das Landratsamt Mittelsachsen mit einem Bescheid. Die Widmung sei aber nicht ganz so entscheidend, sondern vor allem die verkehrsrechtliche Beschilderung. Dafür sei noch ein Abstimmungstermin zwischen der Gemeindeverwaltung Claußnitz, dem Zweckverband, der Polizei und dem Landratsamt notwendig. Aufgrund der Coronapandemie sei personal- und krankheitsbedingt ein bereits vereinbarter Termin verschoben worden.

Das Befahren des Radweges bleibt also auf unbestimmte Zeit verboten. Mit Konsequenzen: Denn die Polizei könnte Falschfahrer abkassieren. "Jede Person, die den Radweg betritt oder befährt, nutzt diesen in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr", erklärt Haslinger die rechtliche Seite. Die Polizei hat in jüngster Zeit noch keine Kontrollen durchgeführt. Das bestätigt Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Gleichzeitig verweist sie noch auf ein anderes Problem: "Schwierig gestaltet sich nach unserer Einschätzung die Erreichbarkeit einer Gartenanlage, zu der man nur über den Radweg käme." Das bestätigt Marcus Kührt, Chef der Wochenendsiedlung mit 33 Grundstücken. "Wir dürfen sozusagen nicht zu unseren Grundstücken", sagt der 38-Jährige. Einige ältere Gartenfreunde seien schon seit einem Jahr nicht in ihrem Wochenendhaus gewesen, "weil sie Angst haben, dass im Notfall Feuerwehr oder Notarzt nicht zu ihnen kommen", sagt Kührt. Normalerweise müsste am Verbotsschild der Zusatz für "Anlieger frei" ergänzt werden.

Doch Verbandschef Haslinger verweist noch auf ein weiteres Problem: "Die Straße Alte Mühle soll noch durch die Gemeinde Claußnitz saniert werden." Aus Sicht des Zweckverbandes sei es daher nicht sinnvoll, eine offizielle Eröffnung durchzuführen. "Wir haben für den Ausbau einen Fördermittelantrag gestellt", sagt der Claußnitzer Bürgermeister Andreas Heinig. Frühestens im Mai könne mit einer Antwort gerechnet werden. Erst danach könnte die Bauleistung öffentlich ausgeschrieben werden. Die Eigenmittel habe die Gemeinde im Haushalt für dieses Jahr eingeplant. "Solange müssen wir also warten. Das ist ein Skandal", entgegnet Radfahrer Tom Kappler. Ihn erinnere das an einen Schildbürgerstreich. Garten-Vereinschef Kührt ergänzt: "Mit Corona wird heutzutage vieles entschuldigt. Das ist ein Feigenblatt."


So soll der Radweg ausgeschildert und vermarktet werden

Die Chemnitz, Laub- und Nadelbaum - so sieht das Logo für den Chemnitztalradweg aus, das künftig entlang der Route zu sehen ist. Nach dem Siegerentwurf von Stefan Beckert aus Röllingshain beim Teilnehmerwettbewerb hatte ein Leipziger Büro das Logo erstellt. "Die Charakteristik der Linienführung, das harmonische Zusammenspiel der Farben, der Einklang mit dem erlebbaren Radweg, die optische Gefahr, die von zu vielen scharfen Kanten ausgeht - das war eine Herausforderung", sagt Projektmanager Benjamin Schreiter. (bj)

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