Rochlitz und seine weißen Gäste

Für ein selbst geschriebenes Lied über seine Heimat erhält ein 58-Jähriger viel Zuspruch im Internet. Auf die Idee zum Text brachten ihn tierische Besucher.

Rochlitz.

Die Liebe zur Musik sieht man Gerald Bauer schon an. Mit wilder Mähne und Lederjacke hat er das Erscheinungsbild eines richtigen Rockers - und das ist der Rochlitzer auch: Musiker aus Leidenschaft.

Dass seine jüngste Kreation allerdings soviel Zuspruch erhält, überrascht Gerald Bauer selbst. In seinem Lied "Rochlitz und seine weißen Gäste" besingt er seine Heimatstadt aus der Sicht eines Storches. Das Lied - selbst geschrieben, gesungen und eingespielt -, hat er auf der Onlineplattform Youtube hochgeladen, neben vielen anderen eigenen Liedern. "Immer wenn ich etwas fertig gestellt habe, schicke ich es an Freunde und Bekannte, um zu sehen, wie das ankommt", so der 58-Jährige. Dass sein neuestes Werk innerhalb einer Woche fast 2500 Mal aufgerufen wurde, sei aber schon sehr ungewöhnlich. Im Schnitt sind es um die 1000 Klicks, verteilt über mehrere Monate. "Ich bin ja nur ein kleiner Musiker aus der Provinz", sagt Bauer.

Das Interesse für Musik habe er sehr früh entwickelt. "Als Teenager habe ich Musik von AC/DC, Led Zeppelin und Deep Purple gehört. An was man eben so rankam", erklärt der Rochlitzer. In seiner Lehrzeit habe er sich dann eine Gitarre besorgt und sich selbst das Spielen des Instrumentes beigebracht. In den 1990er-Jahren kam auch zunehmend technisches Equipment dazu, um Musik selbst zu produzieren. Inzwischen hat er sich ein kleines Tonstudio aufgebaut. Gemeinsam mit seinem Freund aus Schulzeiten, Thomas Engelmann, unterhielt Bauer über viele Jahre zudem das Musikprojekt "Lebenszeit", mit dem beide auf Stadtfesten und Privatveranstaltungen auftraten. Seit drei Jahren liegt das Projekt auf Eis. Es sei für den Lokführer zunehmend schwerer geworden, Beruf und Live-Auftritte zu vereinen. "Aber es war auch einfach an der Zeit, andere Projekte zu verfolgen", so Bauer.

Die Idee, ein Lied über seine Heimatstadt zu schreiben, entstand bei Gerald Bauer schon im vergangenen Jahr. Damals kam der Schulchor der Rochlitzer Regenbogen-Grundschule auf den Hobbymusiker zu. "Es gibt ein Gedicht der Autorin Astrid Lose über die Stadt Rochlitz. Der Schulchor hatte mich gefragt, ob ich dazu eine Melodie schreiben könnte. Das habe ich gemacht", so der 58-Jährige. Den Text des Gedichtes "Hymne über Rochlitz" habe er gut gefunden, wollte ihn aber gern individueller gestalten.

Eine Weile lag der Entwurf wieder in der Schublade, bis sich im August dieses Jahres ein kleines Naturschauspiel ereignete. "Die Störche auf dem Rochlitzer Schloss, die sich dort sammelten, um Richtung Süden aufzubrechen, brachten mich auf die Idee, das Ganze aus der Sicht eines Vogels aufzuziehen", so der Musiker und schrieb einen Text zur vorhandenen Melodie. Ob die Vögel nun auch Grund für die vielen Aufrufe auf der Videoplattform sind, kann Bauer nur mutmaßen. "Vielleicht hat aber auch die Verbundenheit zur Stadt, von denen, die das Lied gehört haben, dazu geführt. Viele meiner Bekannten haben es in den sozialen Netzwerken geteilt", sagt Bauer. Mehrmals schon sei er in der Stadt darauf angesprochen worden. Er freut sich über den Erfolg.

"Ich habe noch so viele Musikstücke unvollendet rumliegen, die möchte ich gern alle anpacken und eine eigene CD produzieren", so Bauer. "Aber es spielt keine Rolle, ob ich die auch verkaufe - ich tue das vor allem, weil es mir Spaß macht."

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