Schienentrabi ist bei Touristen der Renner

Die beliebten Fahrzeuge sind in ihr Winterquartier gerollt. Der Verein freut sich über die große Nachfrage. Doch er stößt auch an seine Grenzen.

Rochlitz.

Die Saison war anstrengend, aber der Mühe wert. Da sind sich die Mitglieder des Vereins Sächsischer Eisenbahnfreunde einig. Denn die Fahrten mit dem Schienentrabi waren auch dieses Jahr wieder der Renner. "Bis zu 40 Prozent der Interessenten müssen wir inzwischen ablehnen", sagt Vereinsmitglied Thomas Krauß. Genau Zahlen, wie viele Gäste mit den den seltenen Motordraisinen zwischen Rochlitz und Göhren sowie Rochlitz und Penig an den 48 Betriebstagen unterwegs waren, nennt er indes keine. Nur soviel: "Das ist das Maximum, das wir leisten können."

Seit elf Jahr bietet der Verein die Fahrten an. Zwei Drittel aller davon sind laut Krauß im Voraus, ein Drittel Sonderfahrten auf Anfrage gebucht worden. Die Kapazitäten seien ausgeschöpft, sowohl personell als auch technisch. 2017 habe der Verein zu den bestehenden beiden Fahrzeugen ein drittes angemietet. "Am Bahnhof in Göhren und auch auf der Drehscheibe in Rochlitz ist für mehr als drei Schienentrabis mit Anhänger kein Platz", erklärt das Vereinsmitglied. Zudem verfüge die neunköpfige Ortsgruppe, die an den Verein der Sächsischen Eisenbahnfreunde in Schwarzenberg angegliedert ist, nur über fünf Mitglieder. Noch dazu müssen diese einen Lokführerschein haben, der für das Führen der Motordraisinen notwendig ist. "Wir sind alle berufstätig, die meisten Mitglieder arbeiten im Schichtdienst und leisten die Arbeit ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Da ist das schon eine beachtliche Anzahl an Fahrten in diesem Jahr gewesen", sagt Krauß zufrieden.

In den Wintermonaten geht den Eisenbahnfreunden die Arbeit nicht aus. Sie pflegen vor allem das Streckennetz. Auch die Fahrzeuge werden gewartet. Schienenfahrzeuge müssen in Deutschland laut der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung alle sechs Jahre eine Hauptuntersuchung durchlaufen - eine Art Tüv also. "Wir machen das nach jeder Saison. Der Vorteil ist, dass wir Leute mit der entsprechenden Qualifikation im Verein haben, die so etwas durchführen können", erklärt der gelernte Fahrzeugtechniker.

Der Verschleiß hält sich, wie Krauß erklärt, glücklicherweise in Grenzen. In der zurückliegenden Saison habe jedes Fahrzeug rund 2000 Kilometer zurückgelegt. Auch sei viel Automobiltechnik in den Draisinen verbaut. Das mache die Wartung, beispielsweise der Brems- und Getriebeanlagen, leichter. Denn bei Zügen ist beispielsweise die Bremsanlage komplexer aufgebaut. Doch sei es zunehmend schwerer, an Ersatzteile zu kommen. Die Motoren für den Trabant 500 zum Beispiel, die im Schienentrabi verbaut sind, würden inzwischen rar.

Die größte Investition in der Vergangenheit seien neue Räder gewesen. "Da ist man bei einem Fahrzeug schnell mal bei 6000 Euro", so Krauß. Aber aufgrund der großen Nachfrage gebe es genügend Einnahmen. Damit das Interesse an den Fahrten groß bleibt, machen die Vereinsmitglieder einiges. Die fahrtenfreie Zeit nutze man, um auf Messen die Werbetrommel zu rühren - sowie kürzlich wieder auf der Messe Modell-Hobby-Spiel in Leipzig.

Dieses Engagement wirkt sich auch auf den Rochlitzer Heimat- und Verkehrsverein aus. "Nach jeder Messe erhalten wir Anrufe von Interessenten, die für das kommende Jahr Termine buchen wollen", sagt Geschäftsführerin Jana Uhlmann. "Das Angebot ist attraktiv und deshalb auch sehr beliebt - besonders bei Familien", fährt sie fort.

Wie lange der Schienentrabi aber in Zukunft noch rollt, ist ungewiss. Der Eigentümer des rund 20 Kilometer langen Bahnnetzes, das der Verein für seine Fahrten gepachtet hat, plane dieses langfristig zu verkaufen. "Unser Pachtvertrag ist zwar unbefristet, aber das gibt uns trotzdem keine Planungsgarantie", erklärt Krauß. "Fakt ist aber, solange wir das Angebot als Verein leisten können, sind wir mit Freude dabei."

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