Schloss-Verkauf: Kloster hat Erwartungen an Nachbarn

Ein Investor hat Pläne für die historische Anlage in Wechselburg. Die Benediktinermönche hoffen, dass es Anknüpfungs-punkte zur Seelsorge gibt.

Wechselburg.

Obwohl die Pläne des möglichen Käufers noch vage sind, kann Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) das Wechselburger Schloss verkaufen und einen Vertrag dafür aushandeln. Die Kreisräte haben ihm dazu am Mittwochabend unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Vollmacht erteilt. Das erfuhr die "Freie Presse" gestern aus den Reihen der Kreisräte.

Laut der Beschlussvorlage, die nach "Freie Presse"-Informationen mit nur wenigen Gegenstimmen angenommen wurde, plant ein Investor aus Sachsen die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Als Möglichkeiten für eine Nutzung ziehe er ein Hotel, ein Pflegeheim oder ein Gesundheitszentrum in Betracht. Beim Kreistag war der Investor nicht anwesend, um seine Ideen zu erläutern, heißt es.

Im Benediktinerkloster in Wechselburg, das unmittelbar an das Schloss angrenzt, kennt man die Pläne des Landkreises, das Schloss an einen Privatmann zu verkaufen. "Wir hoffen auf einen Nachbarn, mit dem wir inhaltlich und seelsorgerisch kooperieren können", sagte der Prior des Klosters, Pater Maurus Kraß, im Gespräch mit der "Freien Presse". Eine Nutzung als Hotel, als Pflege- oder Gesundheitseinrichtung könne er sich vorstellen. "Wir erwarten, dass die Nutzung mit dem benachbarten Jugend- und Familienhaus gut verträglich ist."

Einst gab es Pläne, dass die Benediktinermönche das Schloss selbst nutzen. Anfang der 1990er-Jahre sei man davon ausgegangen, dass später im Schloss das Kloster eingerichtet wird. Die ersten Mönche, die in den Ort kamen, hätten auch in dem Gebäude gelebt, das damals schon dem Landkreis gehörte und ein Kinder- und Jugendkrankenhaus beherbergte. Doch die Verhandlungen zogen sich laut dem Pater hin. Schließlich kauften die Benediktiner ein Stück Land neben dem Schloss, wo 1998 und 1999 das heutige Kloster und das Jugend- und Familienhaus errichtet wurden. Man einigte sich darauf, dass das Kloster sich die Option zum Kauf des restlichen Areals offen hält, heißt es im Beschlusspapier vom Kreistag. Im Oktober 2009 ermächtigte der Kreistag den damaligen Landrat Volker Uhlig (CDU) erneut Verhandlungen zum Verkauf des Schlosses aufzunehmen. Laut Pater Maurus Kraß hatten das Bistum Dresden-Meißen und die Abtei in Ettal, zu der das Wechselburger Kloster gehört, die Absicht, in dem Schloss ein weltoffenes Haus für Bildungszwecke einzurichten. Doch die Verhandlungen seien zäh gewesen. Knackpunkt war die Finanzierung der Sanierung. Schließlich scheiterten die Gespräche. Seit 2014 haben Bistum und Kloster laut dem Wechselburger Prior kein Interesse mehr, das Schloss zu nutzen.


Krankenhaus der LMK

Im 18. Jahrhundert wurde auf dem Keller des alten romanischen Klosters das Schloss errichtet und 1756 im barocken Stil vollendet. Es war Residenz des Grafen Carl Heinrich Alban von Schönburg.

Zu DDR-Zeiten kam das Schloss in Besitz des Staates, war in den 50er- und 60er-Jahren eine TBC-Heilstätte, später ein Kinderkrankenhaus.

Bis 2005 war das Schloss Krankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Mittweidaer Klinik LMK. (fpe)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...