Schloßaue noch nicht wachgeküsst

Viele Rochlitzer sehnen die Neueröffnung des Ausflugslokals herbei. Der Investor wartet indes auf die Baugenehmigung. Kann er das Projekt bis zum Sommer 2019 umsetzen?

RochlitzSeit Monaten tut sich im historischen Gebäude der früheren Gaststätte Schlossaue am Sörnziger Weg in Rochlitz nichts mehr. Darüber sind viele im Ort erstaunt und beunruhigt. Beim Verkauf der ehemals städtischen Immobilie, einem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbauten Fachwerkhauses mit einem mehr als 3600 Quadratmeter großen Grundstück, hatte die Stadt im vorigen Jahr unter mehreren Bietern wählen können.

Der Markkleeberger Investor Rainer Kuchenbrod konnte mit seinem Konzept die Konkurrenz ausstechen. Er machte das Rennen mit Plänen, die in der Schlossaue unter anderem eine Gaststätte mit Biergarten im Erdgeschoss, Ferienwohnungen im Obergeschoss sowie einen Schlafsaal für Jugend- und Schullager im Dachgeschoss vorsehen. Überdies sollte auf dem Grundstück ein Zeltplatz entstehen.

Nach dem Kauf der Immobilie für 46.500 Euro wollte der Projektentwickler für Wohn- und Gewerbeimmobilien in diesem Jahr mit dem Ausbau und der Sanierung beginnen. "Die Arbeiten verschieben sich", erklärte er jetzt auf Nachfrage der "Freien Presse". Derzeit gehe er von einer Winterbaustelle aus. Die Eröffnung könnte im kommenden Frühjahr folgen.

Das Projekt bestehe unverändert fort. Die Küche für die Gaststätte sei bereits gekauft. Nach dem Entrümpeln und ersten Umbauten im Haus habe sich jedoch gezeigt, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht zu halten war. "Im April habe ich erfahren, dass eine Baugenehmigung gebraucht wird", erklärte Kuchenbrod. Obwohl er als Immobilienökonom und Sachverständiger seit zwei Jahrzehnten in Leipzig und bundesweit tätig ist und hauptsächlich denkmalgeschützte Gebäude saniert und verwaltet, kam das für ihn unerwartet. Stadt und Landratsamt pochten laut Kuchenbrod darauf, dass eine Genehmigung für den Betrieb der zuvor länger als drei Jahre geschlossenen Gaststätte nötig sei. Zu den Gründen liegt dem Landratsamt eine Anfrage vor. Der bislang letzte Wirt hatte die Gaststätte Anfang 2010 geschlossen. Danach wurde das Haus unter anderem von einem Freizeitzentrum und dem Verein für Ausdauersport genutzt.

"Die Stadt wollte keine Ausnahme zulassen", so Kuchenbrod. Nach seiner Erfahrung verschlingt das Verfahren "mit Vorbereitung, Bearbeitung und Nachforderungen" mindestens drei Monate Zeit. "Das Ganze wäre in diesem Jahr eine Zangengeburt geworden." Handwerker für das Vorhaben im Sommer wären ebenso schwer zu beschaffen gewesen wie anschließend geeignetes Personal für Gaststätte und Service. Er und die künftigen Betreiber der Gaststätte - "eine Gemeinschaft von drei Köchen" - hielten zudem Spätsommer oder Herbst für den falschen Zeitpunkt, um mit einen Gastronomiebetrieb an den Start zu gehen. Gemeinsam sei deshalb beschlossen worden, mit der Bauausführung zu warten.

Nach Angaben des Rochlitzer Oberbürgermeisters Frank Dehne (parteilos) läuft momentan noch das Baugenehmigungsverfahren. Wenn der Bauherr Unterstützung brauche, werde er diese von der Stadt bekommen, versicherte der OB. Die Rochlitzer warten auf die Wiederbelebung des Ausflugslokals. "Das Konzept entspricht dem, was die Stadt braucht", sagte Dehne.

Der Investor gibt sich indes gelassen. Während im Winter viele andere Baustellen ruhen, sind die Bedingungen in der Schlossaue ideal, sagte der Markkleeberger. "Es gibt Heizung und fließendes Wasser im Haus." Der Arbeitsmarkt biete außerdem vor der Saison 2019 Ressourcen. Dadurch könne etwa bei der Einstellung von Servicemitarbeitern und Beiköchen auf die Fähigkeiten geachtet werden. Die künftigen Betreiber überbrücken nach seinen Angaben die Wartezeit mit Jobs bei Veranstaltungen, Hochzeiten und im Catering. Er konzentriere sich derzeit auf Bauvorhaben in der Stadt Leipzig, so Kuchenbrod.

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