Seelitzer Soldatendenkmal: Pläne für Kur werden konkret

Das Porphyrbauwerk an der Ostseite des Friedhofs erinnert an getötete Seelitzer im Ersten Weltkrieg. Doch es verfällt. Ein Konzept sieht vor, das Denkmal zu reinigen und zu sichern - und das gesamte Areal neu zu gestalten.

Seelitz.

Am Soldatendenkmal auf dem Seelitzer Friedhof nagt weiter der Zahn der Zeit, es verwittert zunehmend. Seit Jahren hegt die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde den Wunsch, das Porphyrbauwerk wieder herzurichten. Im nächsten Jahr könnten sich die Pläne erfüllen.

Gleichzeitig soll die Anlage um das Kriegerdenkmal herum eine Erinnerungsstätte für künftige Generationen werden. Dafür gibt es nun ein Konzept und Fördergelder sind beantragt, bestätigt Thomas Oertel. Der Seelitzer Bürgermeister kann in Absprache mit dem Kirchenvorstand Auskunft zum Projekt geben.

Das Denkmal ist rund acht Meter breit und circa zwei Meter hoch. Gut 90 Namen auf 17 Steinkreuzen erinnern an die Soldaten des Seelitzer Kirchspiels, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind oder als vermisst geltend nie aus diesem zurückkehrten. Gefertigt wurde es in der Steinmetzwerkstatt von Emil Thalheim in Seelitz, geweiht 1921. Ein Großteil der einst mit grüner Farbe in den Stein eingearbeiteten Schrift ist nicht mehr ohne Mühe zu entziffern.

Zunächst sollen wild wachsende Pflanzen am Denkmal und entlang der Friedhofsmauer entfernt werden, informiert Volker Quaas. Der Rochlitzer Architekt begleitet das Vorhaben. Dabei will man auch Unrat und abgestorbene Pflanzenteile zwischen Denkmal und Friedhofsmauer beseitigen. Die Oberfläche wird von Schmutz, Algen und Moos befreit. Teile, die sehr sandig sind, werden verfestigt. Auch will man mit Kompressen den Naturstein entsalzen. Weiter ist geplant, abgeplatzte Teile am Rahmen auszubessern und eine abgebrochene Stelenecke wieder anzubringen.

Die Inschriften in den Stelen sollen aber nicht wieder aufgearbeitet werden - aus Kostengründen und weil so große Teile des originalen Bauwerks verloren gehen würden. "Die Kirchgemeinde beabsichtigt, die Stelen mit allen Inschriften verkleinert auf einer Tafel darzustellen, die neben dem Denkmal aufgestellt werden soll", so Architekt Quaas.

Darüber hinaus gibt es Pläne für das umliegende Areal, sodass es Schulklassen für Projekttage beispielsweise zur deutschen Geschichte nutzen können. Daher ist auch vorgesehen, die Gräber von sechs im April 1945 zwischen Seelitz und Rochlitz getöteten deutschen Soldaten einzubeziehen - ebenso wie zwei Stahlgussglocken. Sie dienten 1919 als Ersatz für zwei zu Kriegszwecken eingezogene Bronzeglocken aus dem Mittelalter. 2009 schaffte die Kirchgemeinde ein neues Bronzegeläut an, die Glocken wurden abgenommen und stehen bereits in der Nähe des Denkmals. Geplant ist unter anderem auch, eine Natursteintreppe, die zur Fläche führt, mit einem Handlauf zu versehen und Bänke aufzustellen.

Knapp 36.000 Euro werde das Vorhaben voraussichtlich kosten, so Thomas Oertel. Aus dem EU-Topf "Leader" seien Fördergelder in Aussicht gestellt. Jetzt liegt der Bauantrag beim Landratsamt. 10.000 Euro muss die Kirchgemeinde selbst aufbringen und hofft dabei auch auf Spenden. 2019 könnte die Gestaltung erfolgen, so Architekt Quaas.

Laut Kirchgemeinde sollen auch zwei Ausstellungen ins Konzept einbezogen werden. Sie porträtieren Menschen, die zur Zeit der Kriege in Seelitz lebten oder nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge in die Gemeinde kamen, und informieren über Seelitzer Rittergüter sowie die Enteignung in der Nachkriegszeit.

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