Sozialdemokraten in Kandidaten-Not

Im Mai werden neue Stadt- und Gemeinderäte gewählt. Die SPD findet in Rochlitz bislang niemanden, der für sie antreten will. Andere Parteien im Kreis sind optimistischer.

Rochlitz.

Andreas Meinhold ist frustriert. Im Mai werden die Stadt- und Gemeinderäte neu gewählt, und der Chef des SPD-Ortsvereins Rochlitz sucht Kandidaten, die für die Partei im Rochlitzer Stadtrat mitarbeiten wollen. Doch er hatte bislang wenig Erfolg.Nur ein Name sei derzeit bei der SPD für das Gremium in der Stadt im Spiel. Bisher hatte die Partei drei Sitze im Rat. "Es gibt kaum noch Menschen, die sich einbringen wollen", sagt Meinhold.

Für die SPD geht es bundesweit bergab. Bei der Sonntagsfrage der Wahlforscher von Infratest Dimap, bei der Wähler gefragt werden, wem sie ihr Kreuz geben würden, wenn jetzt Bundestagswahl wäre, kam die SPD im Dezember 2018 auf 15 Prozent der Stimmen. Im Dezember 2017 erreichte sie noch 20Prozent. Die aktuellen Probleme der Mittelsachsen-SPD sieht Meinhold in der Bundespolitik begründet. Um Mitstreiter für die Lokalpolitik zu gewinnen, lädt er am 18. Januar nachmittags zu einer Gesprächsrunde ins Rochlitzer Café "Sonnenschein" ein. "Ich hoffe auf einige Interessierte", sagt er. Auch im Freiberger Umland geht die SPD in die Offensive. Um für die Stadtratswahl weitere Kandidaten zu finden, lädt der Ortsverband Großschirma am Donnerstag ins Zellwald-Hotel in Großvoigtsberg ein. Unter dem Motto "Machen Stadt Meckern" wolle man über Ziele und Inhalte informieren.

Der mittelsächsische Kreisvorstand ließ eine "Freie Presse-"Anfrage zur Suche nach Kandidaten trotz mehrfacher Nachfrage unbeantwortet. "Ich bitte um Nachsicht, aber auch wir brauchen mal eine Auszeit", so der Hainichener Kay Dramert vom Vorstand mit Verweis auf die Feiertage zum Jahreswechsel.

Auch bei anderen Parteien läuft die Kandidatensuche. "Wir sind weiter auf der Suche für alle Stadt- und Gemeinderäte", sagt Grünen-Kreischef Wolfram Günther. Die Wahllisten seien für alle offen, sodass auch Nicht-Parteimitglieder kandidieren könnten. Auch für die Kreistagswahl habe man in "allen Regionen die Möglichkeit, weitere Interessierte aussichtsreich zu platzieren".

Die Freien Wähler Mittelsachsen haben das Ziel, sich breiter aufzustellen. "In den Bereichen Altkreis Döbeln und rund um Mittweida, Frankenberg, Waldheim und Hainichen würde ich mich über noch mehr Interessierte freuen", sagt der Vorsitzende, Lars Naumann. Generell würden die Freien Wähler Zulauf verzeichnen. "Die Kandidatenlisten wachsen", so Naumann. Es gebe aber noch Orte, in denen es keine Freien Wähler gebe,zum Beispiel Mittweida, Waldheim und Rochlitz.

Für die FDP steht fest, dass sie nicht in jedem Ort antreten wird. Ziel ist es laut Kreischef Marco Weißbach aber, überall dort wieder in die Räte einzuziehen, in denen die FDP bereits sitzt. Das sind etwa Rochlitz und Mittweida."Durch eine positive Mitgliederentwicklung ist es uns möglich, in Kommunen Kandidaten zu stellen, in denen wir bisher nicht vertreten waren", so Weißbach. Welche das sind, sagte er nicht. Bei der Kreistagswahl werde man in allen Wahlkreisen antreten.

Mit mehr Abgeordneten als bislang will die AfD künftig in den Parlamenten sitzen. "In Freiberg, Flöha, Döbeln werden wir gut vertreten sein", so die Vize-Kreischefin Romy Penz. Es könne aber sein, dass die Partei sich nicht in allen Gemeinden zur Wahl stellen werde. "Es geht nicht darum, einfach in einem Gremium vertreten zu sein, sondern auch darum, dass geeignete Kandidaten zur Wahl stehen", sagt Penz. Bei der Kreistagswahl werde man in allen Regionen antreten.

Optimistisch ist man bei den Linken. Für den Kreistag habe man Kandidaten, von denen man sich viel erhofft. Der Flöhaer OB Volker Holuscha, die Freiberger Landtagsabgeordnete Jana Pinka, der Augustusburger Gottfried Jubelt, David Rausch aus Geringswalde und Peter Krause aus Roßwein sind Namen, die Wahlkampfleiter Lars Kleba nennt. Bei den Stadt- und Gemeinderatswahlen sei man ebenfalls zuversichtlich und habe schon über 100 Kandidaten. Doch nicht überall laufe es so gut. "Im Altkreis Freiberg haben wir es immer schwerer gehabt, Kandidaten zu finden", so Kleba.

Die CDU ließ eine Anfrage zur Kandidatensuche unbeantwortet. Im November hatte Kreis-Geschäftsführer Robert Frisch erklärt, dass die Aufstellung der Bewerber für die Kommunalwahlen in Verantwortung der Ortsverbände liege. Zudem habe man vor Monaten die Vorbereitung der Kreistagswahl begonnen.


Kommentar: Kaum von sich reden gemacht

Die SPD ist in Mittelsachsen schwach. Es ist den Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren kaum gelungen, groß von sich reden zu machen. Mit verschiedenen Vorstößen scheiterten sie im Kreistag durch fehlende Mehrheiten. Damit die Wahl im Mai nicht zum Desaster wird, braucht es nicht nur charismatische Köpfe, die engagiert in den Wahlkampf ziehen. Es braucht vor allem auch konkrete Themen. Welche Ideen will die SPD im Landkreis umsetzen? Ob die Partei das jetzt noch mitreißend vermitteln kann, ist zu bezweifeln.

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