Stadion soll Namen von Fußballer tragen

Sportbegeisterten Geringswaldern ist der Name Blochwitz ein Begriff. Ein Nachkomme des bekannten Torhüters regt jetzt eine besondere Ehrung an.

Geringswalde.

Turnerin Roselore Sonntag ist in Geringswalde in aller Munde. Erst recht, seit ihr Name am Neubau der Sporthalle an der Diesterweg-Grundschule prangt. Im Jahre 1975 hat der Ort die gebürtige Geringswalderin für ihre Leistungen zur Ehrenbürgerin ernannt. Gleichwohl stand damals noch ein zweiter Sportler neben ihr auf dem Podium. Um ihn war es eher still. Bis jetzt. Die Rede ist von Wolfgang Blochwitz, viel umjubelter Torhüter der DDR-Oberliga und der Nationalauswahl in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Die Idee, das Stadion des heimischen Fußballclubs SV 94 nach seinem Onkel zu benennen, kam Neffe Heiko Blochwitz bereits im vergangenen Jahr. "Ich hatte die Berichterstattung über Roselore Sonntag verfolgt und fand die Art der Ehrung sehr gelungen", sagte Blochwitz zum Auslöser. Die wünscht er sich nun auch für seinen Onkel. "Denn zum Ehrenbürger einer Stadt ernannt zu werden, ist nicht ohne. Da steht eine Leistung dahinter", ist der Geringswalder Unternehmer überzeugt. Und gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit, in der Traditionen aus seiner Sicht nicht mehr so gepflegt würden, sollte erhalten bleiben, was wichtig ist und Vorbildcharakter hat.

Als Blochwitz 2019 einen ersten Vorstoß wagte, stieß er bei Stadträten und beim Bürgermeister auf offene Ohren. "Ich würde mich freuen, wenn es dazu kommen sollte, denn unbestritten war Wolfgang Blochwitz eine Fußball-Legende", kommentierte der Geringswalder Stadtchef Thomas Arnold das Vorhaben.

Gleichwohl müsse sich dessen Neffe mit den Fußballern ins Einvernehmen setzen. Denn zwischen der Kommune und dem Sportverein SV94 gibt es einen Erbbaupachtvertrag. Damit liegen die Verfügungsrechte beim Verein.

Bei den Fußballern kommt der Plan jedenfalls gut an. "Wir haben nichts gegen das Ansinnen und stehen der Idee aufgeschlossen gegenüber", gab Vereinschef Mike Leye bekannt. In absehbarer Zeit werde das Gelände saniert. Mithin böte es sich an, nach Abschluss dieser für den Verein existenzsichernden Arbeiten dem Areal auch einen würdevollen Namen zu geben.

In der Linksfraktion des Stadtrates wird man aktiv. So bereitet Kreis- und Stadtrat David Rausch aktuell einen sogenannten Anwohnerantrag vor. Laut Hauptsatzung der Stadt müsste der mit mindestens 376 Unterschriften von Befürwortern über 16 Jahre untersetzt sein.

Indes reagierte Blochwitz' Witwe Gisela ablehnend auf das Ansinnen. Die Familie, die seit über 50 Jahren in Jena lebe, habe überhaupt keine Bindung mehr in die sächsische Provinz. "Das waren doch tiefste DDR-Zeiten, und es gibt in Geringswalde mit Sicherheit eine ganze Reihe Personen, die eine solche Würdigung eher verdient hätten." Heiko Blochwitz sieht das anders. "Mein Onkel hat diese Ehrung verdient." Er werde das Vorhaben weiter vorantreiben.

Unterschriftenlisten für den Antrag liegen in den kommenden Tagen an folgenden Stellen aus: Tankstelle Dittmannsdorf; Trickys Alpakahof Altgeringswalde; Konrad Kothe, Dresdener Straße 73; Mechanische Werkstätten Blochwitz, Rochlitzer Straße 6B sowie Bestellshop Käthner, Dresdener Straße 63.


Vom Feldspieler zum Torhüter

Wolfgang Blochwitz wurde am 8. Februar 1941 in Geringswalde geboren.

Als Nachwuchsspieler trainierte er bei der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Motor Geringswalde, zunächst als Feldspieler, später als Torwart. 1960 wechselte er zum Oberligisten Aufbau Magdeburg und lief dort in 110 Oberligaspielen auf.

1966 ging Blochwitz zum FC Carl Zeiss Jena und absolvierte 165 Oberliga-Spiele und 29 Europapokal-Partien. Von 1966 bis 1974 stand der Torhüter 17 Mal im Tor der DDR-Auswahl.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik war er Auswechselspieler und kam nicht zum Einsatz. Im Alter von 64 Jahren erlag Wolfgang Blochwitz einem Magenleiden. (Quelle: Wikipedia)

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