Stadt, Land, Lunzenau

Mein Lunzenau: Melanie Baumann zog vor drei Jahren mit ihrer Familie von Chemnitz in die Region. Die Entscheidung hat sie nicht bereut.

Lunzenau.

Albert wuselt durch den Garten des kleinen Eigenheims und sucht seine rote Flugscheibe. Der Terriermischling findet sie im Bach, der das Grundstück der Familie Baumann begrenzt. "Auch der Hund fühlt sich hier richtig wohl", sagt seine Besitzerin Melanie Baumann. Die 34-Jährige zog vor fast drei Jahren mit ihrem Mann, der kleinen Tochter und Hund Albert von Chemnitz nach Lunzenau in ein Haus an der Altenburger Straße. Dass die Wahl auf Lunzenau fiel, sei Zufall gewesen. "Mein Mann stammt aus Burgstädt und wollte einfach gern zurück in die Region ziehen", erklärt Melanie Baumann. Die junge Frau ist selbstständige Dolmetscherin für Gebärdensprache und berufsbedingt häufig in Chemnitz und Leipzig unterwegs. Beide Städte sollten von einem neuen Wohnort aus gut erreichbar sein. "Und ein gutes Mobilfunknetz - auch das war eine Voraussetzung", sagt sie. "Meine Kunden können mich nicht anrufen, wir kommunizieren über das Internet. Das ist meine Geschäftsgrundlage."

Alle Punkte erfüllte dann ein Angebot aus Lunzenau. Den entscheidenden Hinweis habe ein Freund gegeben, der von der Haussuche der Familie wusste. "So haben wir erfahren, dass in Lunzenau ein altes Häuschen zum Verkauf steht, und schon während der Besichtigung war uns klar, das ist das Richtige."


Sich im Ort einzuleben, sei nicht schwer gewesen, so die junge Frau. "Durch den Hund hatten wir sofort einen guten Draht zu den Nachbarn, die ebenfalls Hundebesitzer sind." Das Miteinander zwischen den Nachbarn trage viel dazu bei, dass die Familie sich wohlfühlt. "Die Lunzenauer sind bescheidene, bodenständige Menschen", sagt Baumann. Ob beim Einkaufen oder bei Behördengängen - bislang habe sie nur gute Erfahrungen gemacht.

Seit einem Jahr engagiert sich die gebürtige Chemnitzerin auch im Heimatverein der Stadt Lunzenau. "Auf dem Kinder- und Backfest kam ich mit Mitgliedern über das denkmalgeschützte Vereinsheim ins Gespräch. So hat sich das ergeben." Neben ihrem Beruf und dem Familienleben bleibe zwar nicht viel Zeit, aber von der Arbeit für den Verein ist Melanie Baumann überzeugt. "Wenn man aufs Land zieht, sollte man sich auch für den Ort entscheiden. Der Ort lebt ja von den Menschen, die ihn bewohnen."

Das Stadtleben vermisse Melanie Baumann nicht. "Es hatte seine Zeit. Und die war irgendwann zu Ende", erklärt die junge Frau. Aufgrund ihrer Arbeit als Dolmetscherin sei sie ohnehin fast täglich in der Stadt. "Manchmal bin ich vormittags in Chemnitz, mittags in Lunzenau und nachmittags in Leipzig", sagt Baumann. Ihre gehörlosen Kunden begleitet sie in Schulen, bei Behördengängen, zu Arztbesuchen oder im Berufsalltag, auch bei Bewerbungsgesprächen oder Kündigungen. Den Ausgleich zum Berufsleben biete ihr Lunzenau.

"Bis vor Kurzem haben an der Kirschstraße noch die Blaumohnfelder geblüht, das sah toll aus. Jedes Mal, wenn ich von der Autobahn komme und nach Hause fahre, habe ich das Gefühl, ich bin im Urlaub."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...