Sterbebegleiter: Ehrenamtler suchen Mitstreiter mit Herz

Daja Raudßus ist Hospiz-Koordinatorin bei der Diakonie Geringswalde. 24 Freiwillige betreuen Altersstifte, Krankenhäuser und pflegende Angehörige. Doch das Team kommt an seine Grenzen.

Geringswalde.

Die Lebenden blenden Sterben und Tod gern aus. Nicht so Daja Raudßus. Die 33-Jährige arbeitet als Hospiz-Koordinatorin. Für sie ist der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer Alltag. Und ihr ist bewusst, dass neben den Sterbenden auch die Angehörigen Hilfe und Unterstützung brauchen. Für diesen schweren Dienst am Menschen sucht sie Mitstreiter für ihr Team.

Der Diakonie Sozialdienst Geringswalde bietet den ambulanten Hospizdienst seit rund 14 Jahren an. Für Daja Raudßus, die zwölf Jahre Erfahrung in Kinderhospizen in Bremen und Leipzig mitbringt, ein logischer Schritt, sich in den Dienst an Schwerkranken und Sterbenden zu stellen. Ein Dienst, der sie 24 Stunden am Tag in Bereitschaft hält. Der weder Wochenende noch Feiertage kennt.

"Wie die Geburt gehört das Sterben unausweichlich zum Leben", sagt Daja Raudßus. Phasen schwerer Krankheit und das Lebensende eines Menschen sollten mit Würde verbunden sein. Und auch die Angehörigen benötigten eine Entlastung. "Viele, die sich entschieden haben, Familienmitglieder zu Hause zu pflegen, stoßen häufig an physische und psychische Grenzen. Sonderwünsche gehen dann nicht selten an die Substanz und überfordern die Pflegenden. Und genau hier setzen wir mit unserem Angebot ein." Das Angebot ist ihren Angaben zufolge unverbindlich, kostenfrei und unabhängig von den Leistungen der Pflegedienste.

Daja Raudßus geht mit ihrem Team in Altersstifte, Krankenhäuser und auch direkt in die Familien, die Angehörige pflegen. Aktuell betreuen 24 Ehrenamtliche, die aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Berufen kommen, kranke und sterbende Menschen rund um Geringswalde bis nach Hartha sowie in der Rochlitzer und Peniger Region.

Die Koordinatorin braucht allerdings mehr freiwillige Helfer. "Mit dem derzeitigen Mitarbeiterstamm schaffen wir die Anforderungen gerade so", erklärt sie. Bewerben könnten sich alle Interessenten, egal welchen Alters oder Berufs. Wichtige Kriterien hingegen seien ein Herz für den Nächsten und Zeit, die das Ehrenamt erfordere. "Ich denke dabei unter anderem an Senioren, die erst vor kurzem aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, und denen daheim die Decke auf den Kopf fällt."

Wer sich für den Hospizdienst im Ehrenamt entscheide, würde vorher intensiv geschult, versichert die Koordinatorin. Tipps und Unterstützung gebe es natürlich auch von den erfahrenen Helfern. Bereits im Herbst soll ein neuer Kurs für Hospizhelfer im Ehrenamt starten. Die Ausbildung umfasst etwa 100 Stunden und finde in der Wohnanlage "Betreutes Wohnen" an der Dresdener Straße 27c statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Zugleich plant die Diakonie Geringswalde eine Informationsveranstaltung, die mit "Letzte Hilfe-Kurs" überschrieben ist. Vermittelt werden sollen zum Beispiel, wie Leiden gelindert werden können und das richtige Abschiednehmen.

Kontakt zu Hospizkoordinatorin Daja Raudßus ist über Telefon 037382 85966 oder per E-Mail: d.raudssus@diakonie.foundation möglich. Weitere Beiträge rund um sächsische Familien sind unter folgendem Link abrufbar: www.freiepresse.de/familienkompass

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