Streit um Coronaschutz an Schulen

Die Verwaltung wollte für ihre drei städtischen Schulen Luftreiniger anschaffen. Vielen Stadträten war allerdings der Preis zu hoch, andere zweifelten an der Wirksamkeit der Geräte.

Penig.

Die Stadt Penig wollte im Kampf gegen die Pandemie aufrüsten und neuartige Luftreiniger für ihre Schulen anschaffen. Allerdings ist die Verwaltung am Donnerstagabend mit ihrem Plan am Widerstand der Stadträte gescheitert. Nach einer teilweise emotional geführten Debatte fiel die Entscheidung mehr als deutlich aus: Mike Tauchmann (Unabhängige Bürger für Penig) stimmte als Einziger im Gremium für die Anschaffung. 14 Stadträte sprachen sich gegen einen Kauf aus. Drei enthielten sich, darunter Bürgermeister André Wolf (CDU).

Die mobilen Geräte - immerhin 36 an der Zahl - sollten in den Grundschulen in Penig und Langenleuba-Oberhain sowie an der Friedrich-Eduard-Bilz-Oberschule stehen. Stückpreis: 1299 Euro. In Summe ging es also um knapp 47.000 Euro. Die Luftreiniger filtern laut Hersteller Bakterien und Viren aus der Raumluft. Diese können durch Aerosole - winzige Teilchen, die in der Luft schweben - übertragen werden. Ein Teil der Bakterien und Viren wird durch Stoßlüften aus den Räumen befördert.

Letzteres wird in den hiesigen Schulen bereits praktiziert. Alle zwanzig Minuten wird für fünf Minuten das Fenster aufgerissen - egal, wie kalt es draußen ist. Den Schülern wird deswegen von den Schulleitungen empfohlen, in warmer Kleidung zum Unterricht zu kommen. Zwar hilft Lüften, aber längst nicht alle Bakterien und Viren verschwinden dadurch aus den Zimmern. Dies sollen die neuartigen Geräte erledigen und das Coronavirus unschädlich machen. In der Tat hatte die Wirksamkeit von Luftreinigern zuletzt die Universität der Bundeswehr in München in verschiedenen Studien nachgewiesen.

Bürgermeister André Wolf verdeutlichte, dass die Geräte durchaus helfen. "Das ist eine sinnvolle Ergänzung. Am Anfang war ja auch die Maskenpflicht umstritten", warb das Stadtoberhaupt um Zustimmung. Über deren Nutzen herrscht, wie das Stadtoberhaupt durchblicken ließ, mittlerweile Einigkeit. Gut zwei Wochen lang testeten laut dem Stadtchef die drei Einrichtungen jeweils einen Luftreiniger. Das Fazit: Der Geräuschpegel ist erträglich und die Störung für den Unterricht zu vernachlässigen.

"Die Geräte ersparen den Lehrern und Schülern das Lüften ja nicht", bemerkte Vizebürgermeisterin Carolin Schneider-Delau. Dann sagte die Christdemokratin: "Für mich ist der Zweck und Nutzen noch nicht ersichtlich." Dr. Mario Stein, Fraktionschef der Freien Wählergemeinschaft Penig (FWGP), drückte sich deutlicher aus: "Das ist purer Aktionismus. Medizinisch hat das keinen Effekt." Man subventioniere nur die Hersteller, schlussfolgerte er. "Wir streiten uns manchmal über 1000 Euro und plötzlich sollen wir mehr als 40.000 Euro für so was ausgeben", betonte Stein. Auch sein Fraktionskollege Martin Bergmann hielt die Ausgabe für "Unsinn".

Ähnlich argumentierte Lars Genrich. "Das ist ein Thema, dass uns alle sehr bewegt. Und es richtig, dass wir uns mit allen Dingen beschäftigen, die diese Pandemie abmildern helfen", sagte der CDU-Stadtrat. "Wir haben aber keine richtige Möglichkeit, das Ganze zu testen. Die Kosten sind mir auch zu hoch", fuhr er fort. Schließlich fragte Annett Tomoscheit (FWGP): "Was machen wir denn, wenn Corona vorbei ist?" Was sie nicht explizit sagte, was aber in ihren Worten mitschwang: Einmotten, Verschrotten oder Verkaufen?

Weitere kritische Stimmen folgten. Nur Mike Tauchmann brach eine Lanze für die Luftreiniger. "Klar ist das eine Investition und wir wissen am Ende nicht, ob es was bringt. Aber auch nach Corona können die Geräte herausgeholt werden." Dabei verwies Tauchmann auf die jährlich wiederkehrende Grippezeit. "Ich bin sicher, wir bringen den November noch rum." Was aber, gab er zu bedenken, werde bei steigenden Infektionszahlen im Dezember mit dem Unterricht?

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