Streit um Schweinestall in Königshain: Was sagt Ministerpräsident Kretschmer dazu?

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In Königshain will die Genießergenossenschaft eine neue Mastanlage bauen. Gegner haben Sachsens Ministerpräsident als Schirmherr um Stellungnahme gebeten. Er befürwortet das Projekt - und ermutigt doch zu Kritik.

Königshain.

In ihrem Protest gegen die in Königshain geplante Schweinemastanlage der Genießergenossenschaft Sachsen sind die Gegner an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) herangetreten. In einem Brief haben sie den Landesvater um eine Einschätzung gebeten. Der Königshainer Eckhart Trommer hat die Zeilen verfasst. "Die Antwort auf mein Schreiben bestärkt uns darin, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Standort des Bauvorhabens zu verhindern", sagt er.

Beim "Bauvorhaben" handelt es sich um einen Schweinestall mit mehr als 1700 Plätzen für Duroc-Schweine - dänische Landschweine. Bauen möchte jenen die 2020 gegründete und seit kurzem eingetragene Genießergenossenschaft Sachsen. Zu den Mitgliedern gehören die Agraset-Agrargenossenschaft Naundorf, die Volksbank Mittweida und die Stadt Mittweida. Errichtet werden soll die Mastanlage am Hauptgut in Königshain. Kritiker befürchten Gestank, Lärm und eine Wertminderung ihrer Grundstücke. Vereint haben sie sich in der Bürgerinitiative für Lebensqualität in der Gemeinde Königshain-Wiederau. Gegen das Vorhaben wurden mehr als 500 Unterschriften gesammelt.

Eckhart Trommer schreibt: Größtes Problem sei, "dass in unmittelbarer Nachbarschaft zu kleineren Höfen und Wohnhäusern gebaut werden soll". Zudem geht er auf befürchtete Belastungen etwa durch den Geruch des offenen Stalls ein. Zur Größe sagt er: "Die hier angestrebte Dimension macht uns Angst." Kretschmer solle Einfluss auf die Wahl des Standortes nehmen.

Nicht ohne Grund ist Trommer an den ersten Mann im Freistaat herangetreten. Dieser ist Schirmherr der Genießergenossenschaft, wie Regierungssprecher Ralph Schreiber bestätigt. Schreiber hat Kretschmers Antwort der "Freien Presse" geschickt. Der Politiker schreibt: Zur Beurteilung fürs Tierwohl und den Einfluss auf die Umwelt seien neben der Stallgröße weitere Aspekte heranzuziehen, darunter die Haltungsbedingungen, wie es um die Gesundheit der Tiere steht und wie der Betrieb mit Ressourcen umgeht.

Das Geschäftsmodell setze auf den Wunsch nach mehr Regionalität bei der Nahrungsmittelerzeugung. Über (Genossenschafts-)Anteile eine bedarfsorientierte Produktion von regionalen Lebensmitteln zu fördern, habe sich in den vergangenen Jahren bewährt und führe zu einem höheren Bewusstsein bei den beteiligten Verbrauchern. Die vorgesehene Haltung auf Stroh, mehr Platz und längere Mastzeiten tragen erheblich zum Tierwohl bei. Jedoch darf für die Allgemeinheit, Nachbarschaft und Umwelt keine Gefahr oder erhebliche Belästigung ausgehen. Dann müssten Behörden eingreifen. Kretschmer ermuntert Trommer, "alle Möglichkeiten einer konstruktiven Einflussnahme im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements zu nutzen". Jener kündigt an, dass die Gegner mit dem Gemeinderat sprechen wollen und die Kommune ein eigenes Flächennutzungskonzept erarbeiten soll. Derzeit liegt der Bauantrag beim Landratsamt. Die Gemeinde wird sich noch positionieren müssen.

Die Planungen würden regelmäßig überarbeitet, auch auf Wünsche der Anwohner hin, sagt Jan Gumpert, Vorsitzender von Agraset und Genießergenossenschaft. In der Regel soll es ein Sonntagsfahrverbot geben und die Kubikmeterzahl der Wasserzisterne am Stall soll erhöht werden, um noch mehr Brauchwasser aus Regenwasser zu verwenden, nennt er Beispiele. Eine Prüfung zu Geruchsimmissionen habe ergeben, dass die Anlage erheblich unter den Grenzwerten liege. Knapp 700 Anteile zu je 1000 Euro seien gezeichnet, Tendenz steigend. Unter den Interessenten für das Premiumfleisch seien namhafte Gastronomen und Einzelhändler. Nun will Gumpert der Gemeinde eine Beantwortung auf zuvor von Bürgern gestellte Fragen zukommen lassen. Die Kommune will dies veröffentlichen.

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