Tischlern auf Deutsch und Französisch

Neun Lehrlinge aus Frankreich sind derzeit auf Schnupperkurs bei Handwerkern in der Region. Auch eine Döhlener Firma beteiligt sich am Projekt.

Döhlen.

Der 16-jährige Auszubildende Antoine Coudiere lehnt an der Werkbank und tippt auf sein Smartphone. Der Tischlerlehrling aus Annecy im Südosten Frankreichs spielt nicht etwa, er kommuniziert mit seinem deutschen Kollegen, dem 19-jährigen Philip Lohmann. Eine App übersetzt das Französische ins Deutsche. Coudiere ist Austauschlehrling bei der Firma Holz Klang und Spiel im Seelitzer Ortsteil Döhlen.

Inhaber Rainer Härtel ist von dem Projekt begeistert. "Wir wurden von der Schule über die Möglichkeit des Lehrlingsaustauschs informiert, und ich halte das für eine gute Sache, die unser Unternehmen auch attraktiv für neue Lehrlinge macht", so Härtel. Derzeit beschäftigt der Holzgestalter einen Lehrling und drei Mitarbeiter in seiner Firma, die Kinderspielzeug aus Holz herstellt. Die Produktpalette reicht von Lernspielen für Wand und Tisch über Raumteiler, Spielecken in Wartebereichen von beispielsweise Unternehmen oder Arztpraxen, bis hin zu Kindermöbeln. Besonders die akustischen Wandspiele seien gefragt, sagt Härtel. Die häufigsten Abnehmer seien Kindertageseinrichtungen in Deutschland und Europa.

Für den Franzosen Antoine Coudiere ist die Herstellung von Kinderspielzeug etwas ganz Neues. In Frankreich sei er in seinem zweiten Lehrjahr vorrangig in die Produktion von Fenstern, Türen und Treppen eingebunden. "Alles, was zum Haus gehört", erklärt er. Die Verständigung unter den Kollegen funktioniere gut, sagt Philip Lohmann, Auszubildender im dritten Lehrjahr bei Holz, Klang und Spiel. "Viel geht über die Arbeit, aber auch auf Englisch oder mithilfe des Handys."

Drei Wochen verbringen insgesamt neun französische Jugendliche, acht Jungen und ein Mädchen, bei ihren Tandempartnern in Deutschland. Das Projekt der Handwerkerschule in Chemnitz, des Landesamtes für Schule und Bildung und der Agentur Protandem in Saarbrücken ist bislang einmalig in Chemnitz. "Es gibt solche Austauschwochen für Abzubildende bereits in Leipzig oder Dresden", erklärt der Projektverantwortliche und Französischlehrer der Handwerkerschule Chemnitz, Bernd Schmidt. "Ich wollte so etwas auch gern für Chemnitz." Anderthalb Jahre haben die Vorbereitungen für das Projekt gedauert, so Schmidt.

Im März kommenden Jahres werden die neun deutschen Lehrlinge ihre französischen Kollegen für drei Wochen in Annecy besuchen.

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