Viele Wege führen zum schnellen Netz

Rochlitz steht ganz gut da, Königshain-Wiederau ist Tabellenschlusslicht - doch sie und die anderen Orte der Region eint: Der Breitbandausbau soll forciert werden.

Rochlitz.

Während in Zettlitz, Penig und Rochlitz jeweils zwischen 60 und 79 Prozent der Haushalte über eine Geschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen, sind es in anderen Orten weniger als die Hälfte, in Lunzenau sogar nur 14 Prozent und in Königshain-Wiederau null (siehe Grafik). Zum Vergleich: In Chemnitz liegt der Wert bei 96 Prozent.

Wie es um die Verfügbarkeit des schnellen Internets im Raum Rochlitz bestimmt ist, ist im Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Internet nachzulesen. Der wird ständig aktualisiert. Auffällig: Jeder Ort ist ein Fall für sich. Denn überall stehen unterschiedliche Bandbreiten und Techniken für die Datenübertragung zur Verfügung, wie die interaktive Karte zeigt. Doch alle Orte eint: Überall soll es schnelleres Netz geben.

Was die Sache zusätzlich verworren macht: Verschiedene Akteure leisten den Ausbau der Datenautobahnen. Allein die mittelsächsischen Kommunen setzen auf drei Modelle. Entweder lassen die Städte und Gemeinden oder der Landkreis bauen. In manchen Fällen sprechen sich Kommune und Kreis ab, wer sich um bestimmte Ortsteile kümmert (siehe Karte).

Der Kreis Mittelsachsen hat Städte und Gemeinden zu sechs Clustern zusammengelegt, um die Aufträge für Unternehmen attraktiver zu machen. Zu Cluster A gehören Lunzenau und Königshain-Wiederau, zu Cluster D Königsfeld, Rochlitz, Seelitz und Erlau. Gefördert wird bisher der Ausbau der "weißen Flecken" - Gebiete, die eine Breitbandversorgung von unter 30Mbit/s aufweisen oder in denen für die nächsten drei Jahre kein Unternehmen ein Ausbauangebot vorgelegt hat. In den kommenden Monaten verhandelt der Kreis mit den Telekommunikationsunternehmen, die für den Ausbau in den Clustern Angebote abgegeben haben. Noch im ersten Quartal sollen die Zuschläge erteilt werden.

Eine Gemeinde, die in Regie des Landkreises ausbauen lässt, ist Königshain-Wiederau. "Ohne die Zentralisierung wäre uns das mit unserer Personaldecke und der Vorfinanzierung nicht möglich gewesen", sagt Bürgermeister Johannes Voigt (CDU). Auch Erlau, das das Vorhaben zuerst allein angehen wollte, setzt nun auf die Expertise des Landratsamtes. Denn nur ein Bieter gab ein Angebot bei der Gemeinde ab, die Kostenschätzungen stiegen in die Höhe, am Ende standen bis zu 25 Millionen Euro im Raum. Und wer den Eigenanteil von damals zehn Prozent ausgleicht, war lange nicht geklärt. "Das war uns zu heiß", so Bürgermeister Peter Ahnert (parteilos).

In Eigenverantwortung hingegen nimmt sich Geringswalde der Sache an. Am Dienstag soll der Stadtrat die Arbeiten für die ersten beiden Abschnitte vergeben, auf denen Glasfaser verlegt werden soll. Auch Wechselburg hat diese Variante gewählt und mit der Telekom einen Vertrag. Bis Ende 2023 soll bis an alle Häuser der Ortsteile Glasfaser verlegt werden, die 200 Mbit/s bringen, sagt Daniel Bergert (CDU), stellvertretender Bürgermeister.

In Seelitz sind Ort und Kreis aktiv: Sechs Ortsteile werden unterm Blick der Gemeinde ausgebaut, mit 115 Haushalten. Um die übrigen 18 Ortsteile kümmert sich der Kreis. Das Projekt läuft bis Ende 2021, realisiert durch das Unternehmen Inexio.

Ebenfalls zweigleisig fährt Rochlitz. In Regie der Stadt und mit Bundes- und Landesförderung verläuft der Ausbau für rund 100 Anschlüsse. Inexio verlegt Glasfaserkabel, die gigabitfähige Anschlüsse mit mindestens 100 Mbit/s bieten sollen. Die Stadt mit ihren rund 3500 Haushalten ist im Vergleich zwar gut versorgt. Aber auch hier gibt es Gebiete, die über wenige schnelle Anschlüsse verfügen: Wittgendorf, Randbereiche von Breitenborn und Zaßnitz sowie Poppitz. Generell sieht der OB Handlungsbedarf: "Um für die rasant steigenden Datenströme zukunftsfest zu sein, reichen die momentanen Ausbauzustände nicht aus." Daher wünsche er sich zeitnah eine "tatsächliche Breitbandoffensive", wobei der Mobilfunkstandard 5G mit berücksichtigt wird.

Stichwort mobile Technologie: Auch über deren Verfügbarkeit informiert der Breitbandatlas - und über Anbieter. Eigenwirtschaftlich betreibt etwa Envia Tel den Glasfaserausbau, für Unternehmen und Gewerbetreibende. 2019 wurden Kabel in Rochlitz verlegt, so eine Sprecherin. 2021 sollen 13 Kilometer von Waldheim bis Geringswalde fertig werden. Und in Penig startet Envia Tel derzeit den Glasfaserausbau. In den genannten Gebieten würden später über 420 Betriebe erreicht - mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde.

Auch bei Inexio hat "Freie Presse" angefragt. Die Firma gibt an: 2019 hat sie in Rochlitz, Zettlitz, Seelitz und Königshain-Wiederau den Glasfaserkabelausbau bis zu den Verteilerkästen fertiggestellt, von denen die Daten über Kupferkabel weitergeleitet werden. Für 750 Haushalte seien Bandbreiten bis 100 Mbit/s verfügbar. In Seelitz, Zettlitz und Rochlitz werde Inexio ab Frühjahr Glasfaser bis in die Gebäude verlegen. Partner sind die Orte.

Dass es beim schnellen Internet im Kreis generell große Unterschiede gibt, spiegelt sich auch in der Einschätzung im Familienkompass wider (siehe obenstehender Beitrag). Insgesamt vergaben die Umfrageteilnehmer in Mittelsachsen beim Punkt "Schnelle Internetverbindung" eine Durchschnittsnote von 3,04. 41 Prozent bewerteten die Lage mit "gut" oder "sehr gut", fast ebenso viele waren nicht zufrieden. Sachsenweiter Durchschnitt: 2,63.


Familienkompass Sachsen

Die Umfrage: Wie familienfreundlich sind die Städte und Gemeinden?

Anhand eines Fragebogens mit

101 Einzelfragen schätzten knapp 15.000 Sachsen das Leben in ihrem Ort ein. Die Umfrage ist nicht repräsentativ.

Die Auswertung: Die Daten wurden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet. Für 57 Einzelpunkte pro Kommune wurde eine Note ermittelt. 1 steht für sehr zufrieden, 5 für absolut unzufrieden. Da aus einigen kleineren Orten nicht genügend Fragebögen vorliegen, wurden zur Auswertung Kommunen zusammengefasst.

Die Serie: Bis Anfang November veröffentlicht die "Freie Presse" in der Zeitung und im Internet die Ergebnisse der Umfrage. Abonnenten finden in unserem Online-Spezial die Auswertung samt interaktiver Karte. Wer keinen Zugang zu den digitalen Inhalten hat, kann sich ohne Zusatzkosten für das Digitalabo "Premium" registrieren; das Formular finden Sie unter

www.freiepresse.de/familienkompass

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.