Von Blumenkohl bis Zucchini

Vielfalt ist das Motto des Biohofs Bohne. Seit 25 Jahren betreiben die Stollsdorfer ökologische Landwirtschaft - ganz ohne chemische Keule.

Stollsdorf.

Aufgeregt stolziert der Hahn um seine Hennenschar unter einem gelben Bauwagen herum. "Das ist unser Hühnermobil", sagt Kay Bohne. Das Hühnermobil steht zwischen den Gemüsefeldern des Biolandwirts, auf denen es nach frischem Kohl riecht. Auf 20 Hektar Nutzfläche baut der Landwirt Getreide, Ackerfutter und Gemüse an, darunter Kartoffeln, Rhabarber, Kürbisse, verschiedene Kohlsorten, Radieschen, Tomaten und vieles mehr. Seit inzwischen 25 Jahren betreibt der heute 53-Jährige mit seiner Familie den Biohof Bohne. "Alles ohne die chemische Keule", wie er sagt.

Bohne stammt aus einer Landwirtschaftsfamilie. Die Großeltern seien Bauern gewesen, der Vater arbeitete für die LPG. Selbst Landwirt zu werden, war schon immer sein Wunsch, nur in die LPG wollte er nicht. Nach einem Studium zum Agraringenieur, während dem er seine Frau Synke kennenlernte, ergaben sich in den 1990er-Jahren neue Möglichkeiten. Die Bohnes gründeten 1994 den gemeinsamen Betrieb in Köttwitzsch. "Wir haben als Direktvermarkter mit Gemüse und Milchziegen begonnen. Aber das sind zwei arbeitsreiche Zweige in der Landwirtschaft, also haben wir uns für das Gemüse entschieden", so der Landwirt. Bereits nach zwei Jahren haben die Bohnes rentabel gearbeitet, berichten sie. "Das hat uns selber überrascht. Aber damals begann die Nachfrage nach Bioprodukten. Das kam uns zugute." 1998 hat das Ehepaar den Hof in Stollsdorf erworben. Über die Jahre habe man immer mehr Fläche hinzugekauft. Auch Kühe und Pferde prägen das Bild des Hofes.


Was sich in 25 Jahren ökologischer Landwirtschaft geändert habe, kann Kay Bohne leicht beantworten. "Der Wunsch nach regionalen Produkten ist größer geworden. Inzwischen vertreiben wir beispielsweise nicht mehr in Chemnitz zugunsten hiesiger Abnehmer."

Ihre Produkte verkaufen Bohnes direkt an regionale Gemüsehändler und Bioläden. Auch rund 120 Gemüsekisten verlassen wöchentlich den Hof. 2017 eröffnete die inzwischen sechsköpfige Familie zusätzlich einen Hofladen, an dessen Aufbau sich die älteste Tochter Johanna engagierte. Heute wird er von zwei der fünf Angestellten im Unternehmen geführt. Auch die 21-jährige Tochter Siegrid hat sich für die Landwirtschaft entschieden. Sie studiert derzeit Ökologischen Landbau im dritten Jahr. Sohn Georg absolviert eine Ausbildung zum Pferdewirt, Tochter Ida geht noch zur Schule.

Und das Betriebsbestehen ist nicht das einzige Jubiläum in diesem Jahr gewesen. Das Ehepaar Bohne beging 2019 auch Silberhochzeit. Gefeiert haben die Bohnes das mit einer zweiwöchigen Urlaubsreise, die längste seit Firmengründung. Bereut hat Kay Bohne seinen beruflichen Werdegang nie. "Hätte man ein ruhiges Leben haben wollen, hätte man freilich etwas anderes gemacht. Aber es motiviert sehr, wenn die eigenen Kinder ins Unternehmen einsteigen und wir so etwas Nachhaltiges geschaffen haben."

Die Feier zum 25-jährigen Hofbestehen des Biohof Bohne findet am 21. September an der Hauptstraße 29 in Stollsdorf statt. Von 14 bis 21 Uhr gibt es Livemusik, Handwerkspräsentationen, Ponyreiten und Lagerfeuer.


Was ist eigentlich "Bio"?

Die biologische oder auch ökologische Landwirtschaft ist eine Bewirtschaftungsform, die im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft auf dem Grundprinzip eines geschlossenen Nährstoffkreislaufs basiert, so das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Dabei stehen Nachhaltigkeit sowie der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen im Vordergrund.

Im Jahr 2018 betrug der Anteil der biologisch geführten Landwirtschaftsbetriebe in Mittelsachsen 11,4 Prozent. 5 Prozent der mittelsächsischen Agrarflächen wurden biologisch bewirtschaftet.

Für die artgerechte Tierhaltung sind nicht nur Stallplätze und Umfang des Auslaufs entscheidend, sondern auch Fütterung sowie die Wahl der gehaltenen Tierart.

Zu den regionalen Biohöfen gehören das Kanzleilehngut in Halsbrücke, der Gemüsebetrieb Landgarten in Burgstädt, der Biohof Hausmann in Breitenborn, der Hainichs Hof in Penig und der Eldo-Hof in Lunzenau. (cbo)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...