Warten auf den grasgrünen Transporter

Angela Graichen ist vom Hals an abwärts gelähmt. Um ihr mehr Flexibilität zu geben, haben Menschen bei der Aktion "Leser helfen" knapp 30.000 Euro gespendet. Dafür wird ein Fahrzeug angeschafft, in dem sie im Rollstuhl sitzend unterwegs sein kann.

Claußnitz.

Angela Graichen sagt sich, dass sie Geduld haben muss. "Aber es fällt mir doch schwer, zu warten. Zu sehr freue ich mich auf ihn", sagt sie. Dieser Er ist ein Transporter. Er wird der 54-Jährigen unter anderem Ausflüge ermöglichen - dann, wenn sie es möchte und flexibel ohne lange Vorbestellung und vor allem Kosten. Denn Angela Graichen ist seit einem Rückenmarksinfarkt vor mehr als fünf Jahren vom Hals ab gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre Wohnung in dem kleinen Haus in Claußnitz kann sie nicht oft verlassen. Dazu muss sie gleich mehrere Hürden überwinden: per Treppenlift ins Erdgeschoss kommen, vom Lift in den Elektrorollstuhl gehoben werden und dann über eine Rampe mit dem Rollstuhl in einen Transporter kommen, in dem sie im verankerten Rollstuhl sitzend dann mitfahren kann.

Derartige Fahrten, zum Beispiel zum Einkaufen, übernimmt bislang ein Fahrdienst. Für Privatausflüge ist der aber zum einen teuer und zum anderen stark ausgelastet, sodass man Bestellzeiten einhalten muss. "Ein spontaner Ausflug ist so nicht einfach drin", weiß Angela Graichen aus Erfahrung.

Um so größer ist ihre Freude, dass bei der Aktion "Leser helfen", die von November 2019 bis Jahresende lief, knapp 30.000 Euro für sie gespendet wurden, um den Kauf eines gebrauchten Transporters zu unterstützen. Ganz genau gesagt 29.525,01 Euro. "Ich danke allen Spendern von ganzem Herzen. Es wäre schön, wenn die vielen Menschen, die etwas für mich gegeben haben, veröffentlicht würden, sodass ich ihnen meinen persönlichen Dank übermitteln kann", sagt sie - auch reichlich einen Monat nach Ende der Aktion noch immer überwältigt von der Summe. Ein Lächeln entlockt ihr der eine Cent. "Der ist wie der Glückspfennig obendrauf."

Bereits Mitte Januar sei ein Vertreter eines Autohauses, mit dem der Verein "Leser helfen" der "Freien Presse" zusammenarbeitet, bei ihr gewesen. "Wir haben zusammengetragen, wie das Auto ausgerüstet sein muss, und er hat meine Hinweise dazu eingearbeitet", berichtet Angela Graichen. So benötige sie unter anderem eine "griffige" Rampe, um mit dem Elektrorollstuhl ins Auto zu kommen, und das Fahrzeug müsse auch eine gewisse Höhe haben, "damit ich nicht mit dem Kopf oben anstoße".

Letztlich kam zunächst eine Ernüchterung: "Der Rollstuhl passt nicht in das vom Händler schon vorgesehene Auto", erklärt die Claußnitzerin. Doch kurze Zeit später habe sie von ihm einen Anruf bekommen, dass er ein weiteres Fahrzeug, das geeignet wäre, gefunden hat. "Aber da haben schon zwei andere Bewerber ein Auge drauf. Wir sind die dritten im Bunde, und ich befürchte, dass der Transporter schon weg ist. Dabei hätte mir die Farbe, grasgrün, richtig gut gefallen", sagt Angela Graichen. Selbst beim Händler anrufen will sie nicht. "Ich möchte natürlich nicht drängen. Also bemühe ich mich um Geduld und blicke zuversichtlich nach vorn."


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