Warum am Samstag der Kalender platzt

In wenigen Tagen steht das Publikum vor einer außergewöhnlichen Qual der Wahl: Gleich mehrere große Musikevents, die in den Vorjahren noch auf verschiedene Termine verteilt waren, finden in der Region zeitgleich statt. Ein Veranstalter hätte eine Idee, um die Kollision künftig zu vermeiden.

Penig/Mittweida.

Um nur annähernd einen Eindruck der Veranstaltungshöhepunkte am 15. Juni zu erhalten, müsste man sich schon klonen können: Am Samstagabend startet das Mittelsächsische Theater mit der Premiere der Operette "Frau Luna" in die Freiluftsaison auf der Seebühne Kriebstein. Nur wenige Kilometer entfernt setzt der Mittelsächsische Kultursommer (Miskus) am gleichen Abend mit dem Klanglichtzauber in Mittweida das erste Achtungszeichen der Saison und lässt die Hits der Rocklegende Queen im orchestralen Gewand bei der Queen-Klassik-Show mit der Band MerQury und dem Berlin String Orchestra auferstehen. Rockmusik-Geschichte live gibt es nur wenige Autominuten entfernt in Frankenberg beim Stadtfest, wo der Party-Samstag auf dem Markt 20 Uhr mit dem Auftritt der Leipziger Rockband Momentum seinen Höhepunkt erreichen soll. Dass am Nachmittag auf der Landesgartenschau mehr als 20 Chöre zum Mittelsächsischen Sängertreffen auftreten, gerät da fast zur Randbemerkung.

Bereits am Freitagabend gastiert die Vogtland Philharmonie mit "Philharmonic Rock" auf dem ebenso unweit gelegenen Peniger Markt, während in Frankenberg der Rock-Freitag mit mehreren Bands ausgerufen wird. Die Aufzählung von Publikumsmagneten lässt sich für den Sonntag fortsetzen, unter anderem mit dem Kinderklangzauber in Mittweida, dem zweiten Tag des Sängertreffens in Lichtenwalde.


Jede der Veranstaltungen kann nach den Erfahrungen der Vorjahre für sich den Titel Besuchermagnet beanspruchen. Und so ist es selbst für Mittelsachsens Landrat Matthias Damm, der mit vollen Terminkalendern Erfahrung hat, ein schwieriger Grat zu entscheiden, wem er seine Aufmerksamkeit schenkt: Als Schirmherr des Mittelsächsischen Kultursommers eröffnet er am Samstag die Festivalsaison in seiner Heimatstadt Mittweida. Die Vorstellung des Theaters auf der Seebühne wolle er an einem anderen Tag privat besuchen. Dem Haus ist er als Aufsichtsratvorsitzender der Theatergesellschaft verbunden. Doch auf allen Hochzeiten tanzen kann auch der Landrat nicht.

So wird es vielen kulturinteressierten Mittelsachsen an dem Wochenende gehen. Da bleibt für die Veranstalter nur das Prinzip Hoffnung, dass für jeden genügend Gäste bleiben. Davon geht der Geschäftsführer des Vereins Mittelsächsischer Kultursommer aus. "Jeder wird seine Fans haben und wir werden sehen, wie es sich verteilt", sagt Jörn Hänsel. Er bedaure es, dass sich die Premiere an der Seebühne und das Konzert zum Klanglichtzauber überschneiden. "Die Entscheidung für den Termin können wir nicht verstehen, zumal das Theater unseren Termin in Mittweida kannte", so Hänsel.

Beide Veranstaltungen würden ein ähnliches Publikum ansprechen. Theater-Sprecher Christoph Nieder teilt die Sorge nicht und geht davon aus, dass unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden.

Der Verein Miskus plane seine Veranstaltungstermine weit im Voraus und zähle zu den ersten Organisatoren, die diese auch jeweils im Vorjahr veröffentlichen. Im Fall des Klanglichtzaubers legt die Stadt Mittweida den Termin fest. Das bestätigte Mittweidas Beigeordneter: "Wir haben uns auch mit der Hochschule abgestimmt, die die Bühne am Technikumplatz für das anschließende Campusfestival nutzt", so Holger Müller. Dass sich Veranstaltungstermine im Sommer derart konzentrieren, wie jetzt, sei zwar nicht immer zu vermeiden. Aber die Stadt versuche, sich mit anderen Akteuren abzustimmen. "Wir haben aber gelernt, dass das nicht immer einfach ist." Schon jetzt plane die Stadt für Großveranstaltungen der Jahre 2020, 2021 und 2022.

Beim Stadtfest in Frankenberg war die Miskus-Vereinsführung davon ausgegangen, dass es angesichts der Landesgartenschau in diesem Jahr gar nicht stattfinde und wurde nun von der Termin-Kollision überrascht, erklärt Geschäftsführer Hänsel.

Dem widerspricht Lutz Raschke, Geschäftsführer der Veranstaltungs- und Kultur GmbH Frankenberg: Das Datum für das "Frankenberger Sommer" genannte Stadtfest stehe schon sehr lange fest. "Auch der Miskus wusste Bescheid", so Raschke. Es war zwar diskutiert worden, wegen des Gartenfestivals 2019 das Stadtfest ausfallen zu lassen. Doch um auch jenen Frankenbergern, die sich keine Tickets leisten wollen oder können, etwas anbieten zu können, entschloss sich die Verwaltung dazu, das Fest in abgespeckter Form über die Bühne gehen zu lassen. Auch Raschke bedauert die Terminüberschneidungen: "Leider lässt sich das nicht vermeiden. Es ist aber kein böser Wille." Dabei schaue er über den Tellerrand, habe zum Beispiel die Termine von Burgstädt, Mittweida und Hainichen überprüft, um nicht dann Stadtfest zu feiern, wenn es die Nachbarn auch tun. Zusätzlichen Klärungsbedarf gab es in diesem Jahr wegen der Landesgartenschau und deren Kulturprogramm. Dieses und die Konzerte des Stadtfestes seien aufeinander abgestimmt. Raschke ist für beides zuständig.

Um dies auch in größeren Rahmen zu praktizieren, hat Miskus-Chef Hänsel einen Vorschlag: "Ich wünsche mir einen großen Veranstaltungskalender für Mittelsachsen, der an zentraler Stelle geführt wird und in den alle Veranstalter ihre Termine langfristig eintragen und hineinschauen können." Der könne beim Kulturraum oder bei der Kulturgesellschaft des Landkreises geführt werden. (mit fa/dahl)


Kommentar: Zuviel desGuten

Sie kennen das sicher: Es gibt Wochenenden im Sommer, da klagen alle über die gepflegte Ereignislosigkeit auf dem Land. Das Klischee von der "toten Hose" wird den Kleinstädten gern zugesprochen. Und wenn dann mal etwas auf die Bühne gebracht wird, geht keiner der Einheimischen hin, oder es regnet aus Eimern.

Mit dem Risiko müssen Veranstalter leben. Doch was uns in der kommenden Woche erwartet, ist eher hausgemacht. Den potenziellen Besuchern wird es tatsächlich nicht leicht gemacht, sich für eine Veranstaltung zu entscheiden. Ob Stadtfest-Konzerte, Klanglichtzauber oder Theaterpremiere - alle diese Events haben das Zeug und die Qualität, mit einem Besuch bedacht zu werden. Da kann selbst das unterschiedlich hohe Eintrittsgeld nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Es wäre also höchst bedauerlich, wenn an der einen oder anderen Stelle jene Gäste fehlen, die zur Finanzierung solcher Unterhaltungshöhepunkte eben auch nötig sind. Die Idee, eines zentral geführten Veranstaltungskalenders kommt da gerade richtig. So etwas funktioniert in einigen Orten, in denen sich Vereine und Organisatoren über Jahrespläne verständigen. Warum sollte das nicht auf höherer Ebene funktionieren?

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