Warum ein Hausmeister zum Café-Betreiber wird

Ein 52-Jähriger ist in Wolkenburg unter die Gastronomen gegangen. Er will Besucher an seiner größten Leidenschaft teilhaben lassen.

Wolkenburg.

Auf eine Eröffnungsfeier hat Kay Thiele bislang ebenso verzichtet wie auf Werbung. Er wolle nicht zu hohe Erwartungen wecken, erklärt der Niederwiesaer. Sein Vorgehen ist ungewöhnlich, andere an seiner Stelle würden intensiv die Öffentlichkeit suchen. Denn Thiele hat vor wenigen Wochen ein Lokal in Wolkenburg eröffnet. Es heißt Café Stefan und befindet sich in dem Gebäude gegenüber vom Markt. Es stand zuletzt leer, früher befand sich dort das Trödel-Café.

Die Zurückhaltung des Gastronomen hängt damit zusammen, dass er bislang etwas ganz anderes gemacht hat. "Ich habe 22 Jahre als Hausmeister in einem Kindergarten in Chemnitz gearbeitet", berichtet der gelernte Metallbearbeiter. Deshalb müsse er sich zunächst in seiner neuen Rolle zurechtfinden: Waren einkaufen, backen, die Kunden bedienen, sauber machen. Thiele kümmert sich allein um den Betrieb, Angestellte hat er nicht. Abends sei er deshalb ziemlich erschöpft, gibt er zu.

Dass der 52-Jährige seinem Leben eine ganz neue Richtung gegeben hat, hängt mit seiner Vorliebe für Kaffee zusammen. "Ich trinke etwa zwölf Tassen am Tag", sagt er. Lange habe er der Qualität des Getränks wenig Beachtung geschenkt - bis er eine kleine Kaffeerösterei betrat und den Unterschied schmeckte.

Seitdem bildet sich Thiele stetig weiter, informiert sich über Anbaugebiete und Zubereitungsarten. Dieses Wissen will er gern weitergeben. "Ein kleines Café war schon immer mein Traum." Dort serviert er nicht nur Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen, sondern will künftig auch Kaffeeseminare samt Verkostung anbieten. Lange sah sich Thiele nach einem geeigneten Objekt um. Geschäfte in Chemnitz schienen ihm ungeeignet. "Ich wollte einen Standort an einem Rad- oder Wanderweg." Mit dem Auto erkundete er die Region und hielt Ausschau. Schließlich wurde er auf das frühere Trödel-Café aufmerksam, an dem der Muldentalradweg vorbeiführt, und konnte sich mit der Eigentümerin des Gebäudes schnell einigen. Das Lokal hat der neue Mieter grundlegend umgestaltet. Anspielungen auf seine Leidenschaft sind allgegenwärtig. So sind Stühle mit grobem Leinenstoff bezogen, der einst als Kaffeesack diente. Keramik-Kaffeefilter hat der Inhaber zu Lampenschirmen umfunktioniert. Von der Decke hängen Kaffeetassen aus Emaille. Thieles handwerkliches Geschick zeigt sich auch daran, dass er eine Zwischenwand gebaut hat, die auf Rollen ruht. So lässt sich die Größe der Räumlichkeiten anpassen, wenn etwa ein Kaffeeseminar ansteht. Etwa 25.000 Euro hat Thiele nach eigenen Angaben bislang in den Gastraum investiert.

Der Neu-Gastronom serviert neben Kaffee auch diverse Getränke, Eis sowie Snacks - und Kuchen. "Meine Freundin hat gesagt, wenn du ein Café aufmachst, musst du auch Kuchen anbieten. Dabei konnte ich vorher überhaupt nicht backen."

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