Warum ein Vereinschef riskiert, seine Haare zu verlieren

Der Peniger Freibadförderverein braucht dringend eine neue Hüpfburg. Deshalb will er nicht nur eine gewöhnliche Spendenaktion starten. Dem Vorsitzenden ist dies so wichtig, dass er sogar Körpereinsatz zeigt.

Penig.

Was beim Peniger Köbe-Förderverein geklappt hat, soll nun auch beim Freibad-Förderverein klappen. Die Freunde von Sachsens kleinstem Zoo hatten per Internet genügend Spendengeld zusammenbekommen, um den Bau eines neuen Vogelhauses zu finanzieren. Wie im Fall Köbe, so wollen nun auch die Peniger Freibad-Freunde die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit der Sparkasse Mittelsachsen nutzen, die für gemeinnützige Zwecke die sogenannte Crowdfunding-Plattform "99Funken" ins Leben gerufen hat.

Der Förderverein möchte auf diese Weise mindestens 1500 Euro zusammenbekommen, um eine neue rote Feuerwehr-Hüpfburg anzuschaffen, da die alte schon mehr als 15 Jahre auf dem Buckel hat und verschlissen ist. "In all den Jahren war sie jeweils von Mai bis Oktober fast jede Woche im Einsatz, hat zahllose Kinder bei Veranstaltungen in und um Penig begeistert", sagt Andreas Schmidt, langjähriger Chef des Freibad-Fördervereins. Flicken könne man das gute Stück leider nicht mehr, eine neue müsse deshalb her. Und auch sie soll wieder auf vielen Dorffesten zum Einsatz kommen und gemeinnützigen Vereinen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

"Auch die Feuerwehren und der Faschingsclub nutzen sie gern. Wir als Verein helfen uns gegenseitig", erklärt Schmidt. Und da er weiß, dass so eine Aktion kein Selbstläufer wird, hat er sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um das notwendige Geld einzusammeln. Und er selbst gibt vollen Körpereinsatz. Bei einer Einzelspende von 1500Euro lässt er sich - so hat er versprochen - von der Peniger Friseurmeisterin Carla Hofmeister, passend zur Hüpfburg, die Kopfhaare feuerwehrrot färben. Und er ist bereit, noch einen Schritt weiter zu gehen. "Gibt ein Einzelspender mehr als 2000Euro, dann werde ich mir eine Glatze schneiden lassen." Es werde zunehmend schwerer, Sponsoren zu finden. "Da muss man kreativer werden. Wer nicht wirbt, der stirbt", begründet Schmidt seine außergewöhnliche Aktion. Um zu zeigen, dass er es ernst meint, hat er am gestrigen Freitag schon mal probegesessen auf dem Stuhl der Friseurmeisterin. Denn wenn 1500 Euro zusammenkommen, könne die neue Hüpfburg gekauft werden. "Bei mindestens 2500 Euro wird die Hüpfburg um einen abschließbaren Transportanhänger ergänzt. Bei 4000 Euro schaffen wir eine große Feuerwehr-Hüpfburg mit Rutsche plus Transportanhänger an", verspricht Andreas Schmidt und ist gespannt, ob das Geld zusammenkommt.

Die Internetseite für die Crowdfunding-Aktion ist unter www.99funken.de/huepfburg-penig freigeschaltet. Dort sind auch alle Teilnahmebedingungen erklärt. Das Projekt soll am 3. Dezember enden.


Kommentar: Der meintes ernst

Außergewöhnliche Situationen verlangen außergewöhnlichen Einsatz. Der Peniger Freibad-Förderverein macht es vor und zeigt mit einer spektakulären Aktion, wie wichtig ihm und besonders seinem Vorsitzenden Andreas Schmidt das Anliegen ist, genügend Spendengeld für eine neue Hüpfburg einzusammeln.

Die etwas andere Crowdfunding-Aktion ist das I-Tüpfelchen auf das, was der Verein in den vergangenen Jahrzehnten für die Attraktivität des Peniger Freibades geleistet hat. Ohne Vereine wäre vieles, was das Leben gerade im ländlichen Raum ausmacht, nicht nur trister, sondern manchmal auch undenkbar. Und wenn sich Vereine sogar noch gegenseitig unterstützen, dann profitiert die ganze Region.


Wie funktioniert Crowdfunding?

Crowdfunding: Dies bedeutet so viel wie "Gruppenfinanzierung", also, dass sich viele Förderer für ein Projekt begeistern und es finanziell unterstützen. Es betrifft Vorhaben, meist aus den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur, Soziales und Sport sowie Veranstaltungen, von denen viele profitieren.

Plattform: Die Sparkasse Mittelsachsen unterstützt gemeinnützige Vereine und Initiativen bei ihren ersten Schritten auf dem Weg zum erfolgreichen Crowdfunding. Sie hat dazu die Crowdfunding-Plattform "99 Funken" im Internet ins Leben gerufen. Dort können sie ihre Vorhaben präsentieren und zu Spenden aufrufen.

Finanzierung: Die Vereine geben an, wie viel Geld sie benötigen (Fundingziel), was der Verein als Dankeschön für die Unterstützer bereithält und wie lange dafür gesammelt wird (Fundingzeitraum). Wird das Fundingziel erreicht, kann die Idee umgesetzt werden. Anderenfalls erhalten die Förderer ihr Geld zurück. (ule)

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