Was ein Bild über den Ort verrät

Der Heimatverein Wechselburg hat ein Gemälde vererbt bekommen. Der Künstler hat damit ein Stück Geschichte offenbart.

Wechselburg.

In dünnen weißen Linien steht etwas über dem gemalten Türbogen geschrieben. Man muss schon ganz nah an das kleine Gemälde herantreten, um die Worte "Privilegierte Apotheke" lesen zu können. Mit ein bisschen Nachhilfeunterricht der Expertin erkennt man unterhalb den Zusatz "Oswald Frey". Das Bild, auf dem das steht, zeigt den markanten Marktplatz der Gemeinde Wechselburg. "Wir verdanken dem Maler die ältesten Ansichten von unserem Ort. Ohne manche seiner Bilder wüssten wir nicht, wie es da früher aussah", erklärt Manuela Neuhaus. Als Vorsitzende des hiesigen Heimatvereins, hält sie eines dieser Bilder in der Hand - ein Original des Landschaftsmalers Franz Wilhelm Leuteritz, geboren 1817 in Wechselburg.

Das Werk, vermutlich eine Auftragsarbeit aus den 1850er-Jahren, von eben jenem Apotheker Oswald Frey haben die 54 Mitglieder des Heimatvereins von dessen Nachkommen aus Dortmund zu Beginn des Jahres erhalten. Interessant ist es für den Heimatverein in vielerlei Hinsicht, wie die Vereinschefin verrät. "Es ist einer der wenigen Nachweise, dass Oswald Frey hier als Apotheker tätig war. Über andere ehemalige Wechselburger Apotheker wissen wir wesentlich mehr", erklärt Neuhaus. Umso größer war die Neugier der Vereinsmitglieder und der Wechselburger auf das kleine Original. Doch da das Bild mitten im pandemiebedingten Lockdown seinen Weg in den Verein fand, musste eine kreative Lösung her. "Wir haben am Pfingstmontag kurzerhand eine Gartenzaun-Galerie auf der Bahnhofstraße arrangiert", so Manuela Neuhaus. Darunter unter anderem Farbdrucke anderer Leuteritz-Werke mit Wechselburger Ansichten und auch ein Brief, den die Mutter Oswald Freys über einen Besuch in Wechselburg schrieb. Die Freiluft-Ausstellung bei frühlingshaftem Wetter konnte zahlreiche Besucher anlocken, erzählt die Vereinschefin. Deshalb wollen die Vereinsmitglieder die Veranstaltung wiederholen. Im Oktober sei nun eine Ausstellung auf dem Wechselburger Markt geplant - an jenem Platz, den das Gemälde des Heimatvereins zeigt.

Und auch für das kommenden Jahr hat sich der Verein schon einiges vorgenommen. "Im Oktober begehen wir unser 30-jähriges Bestehen. Aus dem Anlass wollen wir unser Projekt ,Häusergeschichten' ausbauen und erweitern", sagt Neuhaus. Für das Projekt sollen neue Tafeln entstehen, die vor Häusern der Gemeinde angebracht werden und deren Geschichte abbilden.

Die Zaungalerie des Wechselburger Heimatvereins ist am 18. Oktober ab 13 Uhr auf dem Marktplatz der Gemeinde zu sehen. Voraussetzung ist schönes Wetter.


Der Landschaftsmaler

Franz Wilhelm Leuteritz wurde am 11. September 1817 in Wechselburg geboren. Der Sohn eines Seilermeisters begann 1831 eine Ausbildung zum Gürtler. Wann sich der junge Leuteritz der Malerei zuwandte und ob er eine Schule besuchte, ist nicht bekannt. 1851 zeigte der Maler erstmals zehn seiner Bilder auf der Rochlitzer Gewerbeausstellung. Nach seiner Heirat mit Julia Agnes Ronneberger zog das Paar 1856 nach Dresden. Mit zahlreichen Stadt- und Landschaftsansichten hat Leuteritz einen wertvollen Beitrag zur sächsischen Ortsgeschichte geleistet. (cbo)

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