Wie ein natürliches Leben glücklich und zufrieden macht

In einer Sonderausstellung werden ab 2. Februar auf der Rochsburg Produkte gezeigt, die im Landkreis hergestellt werden. Die Palette reicht von A wie Aqua-Peeling bis Z wie Zelte. Die "Freie Presse" stellt die Macher hinter den regionalen Stücken vor. Heute: Siglinde Zesch mit ihrem Wildkräuterhof.

Göppersdorf.

Das, was andere akribisch aus ihrem Garten entfernen, lässt Siglinde Zesch üppig sprießen. Denn sie braucht es - für sich selbst zum Leben und für andere, die die Produkte ihres Wildkräuterhofes im Wechselburger Ortsteil Göppersdorf gern anwenden, egal, ob innerlich oder äußerlich.

"Bei mir wird nichts weggeworfen, alles irgendwie verwendet", sagt die 62-Jährige. Vor sechs Jahren hat sie nach dem Scheitern ihrer Ehe ihr Leben komplett umgekrempelt. Früher Betreiberin eines Pferdehofes in Röhrsdorf bei Chemnitz und im Alltäglichen mit allerlei Luxus umgeben, lebt sie nun auf einem alten Vierseithof in kompletter Bescheidenheit und von dem, was der Hof alles hergibt. Und das ist für sie eine Menge.

Im Garten wachsen Kräuter aller Art. Für alle - von Brennnessel über Giersch bis Löwenzahn - weiß die gelernte Industriekauffrau, wofür sie gut sind. So stellt sie unter anderem Tees zusammen. "Getrocknete Huflattichblüten wirken zum Beispiel erleichternd und beruhigend bei Husten", sagt sie. Ihr Wissen hat sie von ihren Vorfahren. "Das sind so die alten Hausmittel, die man früher vor allem auf dem Dorf kannte und genommen hat", sagt sie. Ihre Vorfahren gehörten zu den Mitbegründern Röhrsdorfs. "Aber ich lese natürlich auch Bücher. Auf alle Fälle probiere ich alles selbst aus", sagt sie und betont, dass sie keine Heilerin sei. "Ich möchte aber, dass die Leute gesünder leben und vor allem auf ihr Inneres hören. Denn unser Körper weiß schon, was gut für ihn ist."

Als sie den Vierseithof in Göppersdorf erwarb, stand dieser schon einige Zeit leer. Sie richtete sich nach und nach ein, ist jetzt noch dabei, Schäden zu beheben und auszubauen. "So geht es Schritt für Schritt vorwärts." Und so hat sie auch ihren Wildkräuterhof eingerichtet. Sie bietet Führungen an, zeigt dabei ihre beiden Pferde und die Hühner und erklärt, was es mit den einzelnen Kräutern auf sich hat. Dabei erfährt man, dass Beinwohl sehr wohl etwas mit Bein zu tun haben kann. Ihre Besucher bekommen dann im Kräuterstübchen eine Suppe, selbst gebackenes Brot, Kräuterbutter und Tee. "Das alles bereite ich immer ganz frisch zu", sagt Siglinde Zesch.

Dass sie bei der Ausstellung auf der Rochsburg vertreten sein wird, freut sie sehr. "Eine Bekannte hat mich drauf gebracht", erklärt sie. Präsentieren wird sie voraussichtlich Duftsäckchen, Brotaufstriche und auch ihre selbst gestrickten Pullover. Diese haben zwei Besonderheiten: Sie sind aus Wolle von Islandschafen gestrickt und auch auf isländische Art - das heißt, sie haben keine Naht. "Die Wolle ist weicher, wind- und wasserabweisend und atmungsaktiv", erklärt sie. In den Jahren, die sie der Handarbeit nachgeht, so schätzt sie , hat sie schon mehr als hundert solche typisch gemusterten Pullover hergestellt. "Das war aber für den privaten Gebrauch, für Verwandte und Freunde und mich. Ins Angebot des Wildkräuterhofes habe ich die Pullover erst vor einiger Zeit aufgenommen." Sie selbst trägt sie mit Begeisterung. "Manche meinen, das sei etwas kratzig auf der Haut, aber das ist sicher Gewohnheitssache. Ich fühle mich wohl darin, und es ist Natur, was ich anhabe."

Am Wochenende ist ihr Wildkräuterhof geöffnet. Unter der Woche hat Siglinde Zesch am Haus zu tun. Sie mauert, putzt, malert, legt Fliesen. "Das ist nicht immer gleich auf Anhieb gelungen, aber alles selbst gemacht." Es störe sie auch nicht, wenn Fliesen nicht ganz nach Plan an der Wand sind. "Die Wände in so einem alten Haus sind ohnehin nicht glatt."

Das, wovon sie isst, woraus sie trinkt, womit sie kocht und auf dem sie sitzt oder liegt, ist alles alt und von der Frau, die einst in dem Hof wohnte, übernommen. "Teils ist es nur gereinigt, teils habe ich es auch aufgearbeitet", erzählt sie. So entstanden Sitzgruppen, Sofas, Tische. Und sie sei längst noch nicht fertig, der Boden stehe noch voller Dinge. "Das verwende ich alles."

Nicht nur dadurch kehrt auf dem Hof kein Stillstand ein. Sie habe immer neue Ideen, wolle gern den Wald mehr einbeziehen. "Zum Beispiel für die Herstellung von Dekorationen, wie ich das zuletzt Weihnachten gemacht habe."

Ihr neues Leben, so sagt sie, tue ihr gut - es sei gesund und natürlich. "Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass man mit sehr wenig zufrieden und glücklich sein kann."

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