Wie ein neues Entenhaus die Generationen verbindet

Aus Ständchen für Senioren ist in Wechselburg ein generationenübergreifendes Projekt zwischen Kita, Hort und Pflegeheim geworden. Auch in Rochlitz sind Alt und Jung gemeinsam aktiv.

Wechselburg.

Klara ist eine knuddelige große Handpuppe. Zwar schaut sie freundlich, doch niedlich ist sie nicht. Vielmehr hat sie weiße Haare, große Ohren und keine Zähne. Die Puppe ist das Maskottchen des Projekts "Klara Sonnenschein und die Buratinos". Es wurde von den Teams der Wechselburger Awo-Kita und des Horts sowie des Pflegeheimes "Abendsonne" in Göhren entwickelt und hat das Ziel, Alt und Jung auf besonders intensive Weise zusammenzubringen. Dass das auf einem guten Weg ist, haben die ersten Treffs bereits gezeigt.

"Zuerst waren Mitte Juli die Kita-Kinder im Heim, einige Zeit später die Hortkinder", erzählt Mona Kramer, Leiterin der Awo-Kita sowie des Awo-Hortes in Wechselburg. Dabei gehe es nicht mehr nur darum, den Senioren Ständchen aufzuführen. Zusammen mit der Leitung des Heimes entstand vielmehr die Idee, daraus mehr zu machen. Aus reinen Besuchen sollten gemeinsame Aktivitäten werden, die mit Freude zum gegenseitigen Verstehen beitragen, den Kreis des Lebens erklären, Respekt und Toleranz vermitteln. Eigens dafür entwickelt und immer dabei: Puppe Klara. Sie bereitet die Kinder auf die Treffen vor. Immerhin sind die Kleinen aus der "Gänseblümchengruppe" erst vier Jahre alt.


"Früher war es üblich, dass mehrere Generationen unter einem Dach oder zumindest in der Nähe lebten. Heute arbeiten viele weit weg von ihren Eltern, die Enkel wachsen ohne viel Kontakt zu Groß- oder Urgroßeltern auf", schildert Heimleiterin Cathleen Matthes. Entsprechend fremd würden sich Jung und Alt. Das wolle man ändern.

Dass die Kinder daran Spaß haben, zeigte der jüngste Besuch der Hortkinder im Heim, wo alle gemeinsam Richtfest für ein selbst gebautes Entenhaus feierten. "Für die Richtkrone haben wir zusammen Blumen gepflückt", erzählt Lucy (9). Manche Bewohner wurden dafür im Rollstuhl geschoben, andere flochten die Blumen in den Kranz. Lucy hat Klara auf dem Schoß. Warum hat die Puppe denn so große Ohren? "Sie ist alt und kann nicht mehr gut hören, so wie die Leute hier. Man muss laut sprechen", erklärt Henri (7). "Außerdem hat sie keine Zähne mehr und kann nicht mehr alles essen", fügt Samira (10) hinzu, wie Klara zum Verstehen beiträgt.

In der Rochlitzer Villa Carola, wo die Tagespflege der Sozialservice Gesellschaft (SSG) und seit März auch eine Kita untergebracht sind, ist das Zusammenleben von Alt und Jung Alltag. "Es sind nicht nur die Begegnungen im Treppenhaus, sondern auch gemeinsames Basteln, Singen und andere Aktivitäten. Dort, wo es möglich ist, sollte man ein solches Miteinander einrichten. Es profitieren beide Seiten davon", sagt SSG-Chef Knut Bräunlich.

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