Wie viel Pflege braucht der Park?

Anwohner beschweren sich über den Zustand der Wechselburger Schlossgartenanlage. Nun hat der Eigentümer reagiert: Die Wiese wird gemäht.

Wechselburg.

Im Herzen der Gemeinde Wechselburg liegt die historische Schlossparkanlage. Und am Herzen liegt diese Anlage auch vielen Anwohnern. Der Park ist sowohl Erholungsort für die Wechselburger als auch Sehenswürdigkeit für Durchreisende und Touristen.

Doch viele Wechselburger kritisieren seit Monaten den Zustand des Schlossparks. Kranke Bäume, nicht gemähte Wiesen und Wege in schlechtem Zustand und mit ausgebrochenen Wasserrinnen seien die großen Makel des Areals. Doch nicht nur die Eigentumsverhältnisse der Anlage sind komplex, auch die verschiedenen Schutzrichtlinien, denen der Park unterliegt. Der größte Teil der Fläche gehört der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (Lanu), die dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft direkt unterstellt ist. Die Stiftung besitzt über 4o Flächen in ganz Sachsen, vorrangig Streuobstwiesen und ehemalige Tagebaugelände. "Der Wechselburger Park ist einzigartig, da hier aufgrund der alten Bauwerke Natur- und Denkmalschutz sowie Naturdenkmalschutz zusammenkommen", erklärt Andrea Gößl, Sprecherin der Stiftung. "Das Areal ist als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ausgewiesen und unterliegt dementsprechend der Naturschutzrichtlinie der Europäischen Union." Die Richtlinie hat zum Ziel, Lebensräume wild lebender Arten zu schützen und europaweit miteinander zu vernetzen. "Durch den Schutzstatus verändert sich das Aussehen des Parks zwangsläufig und wird vielleicht nicht als gepflegt wahrgenommen, doch die Pflegemaßnahmen dienen hier in erster Linie der Natur", ergänzt Gößl.

Dennoch hat die Stiftung auf die Kritik reagiert und den Zustand des Parks geprüft. Derzeit wird die Mahd auf der Parkwiese durchgeführt. Die Mitarbeiter eines Landschaftpflegeunternehmens arbeiten bereits seit der vergangenen Woche in dem Areal. In Bezug auf die Wegepflege gilt es, den Denkmalschutz- und Naturschutzanforderungen gleichermaßen zu entsprechen. "Hier sind wir mit den Behörden schon lange im Gespräch. Trampelpfade, die sich über Zeit entwickelt haben, sind allerdings ein sensibles Thema, da sie weder vom Denkmalschutz noch Naturschutz genehmigt sind", erklärt die Sprecherin. Neben der Pflege der Wiesen, werden auch die stiftungseigenen Waldflächen geprüft. Dort leiden Buchen an einem kleinen Hain zur Mulde an einer Pilzerkrankung. Ein Baumbegutachter habe bereits Maßnahmen erarbeitet, um der Krankheit Herr zu werden, die derzeit mit den Behörden abgestimmt werden.

Die Gemeinde begrüßt die Arbeiten an der Schlossparkanlage, sieht aber dennoch Handlungsbedarf hinsichtlich der Pflege. "Wir müssen auch mal vorwärts kommen", sagt Bürgermeisterin Renate Naumann (CDU). "Wenn etwas nicht geht, müssen Lösungen gefunden werden. Wir können uns nicht immer hinter jeder bürokratischen Hürde verstecken und die Hände heben", erklärt die Gemeindechefin. Wegen jeder Baumpflanzung zum Beispiel eine Behörde zu befragen, halte sie für übertrieben.


Park mit langer Geschichte

Markgraf Dedo III. (1142 - 1190) gründete das um 1168 geweihte Kloster als Hauskloster neu und ließ den Wald rund um Basilika und Kloster roden. Das Gelände wurde von der Klosterküche als Wirtschaftsgarten genutzt.

Alban Graf von Schönburg (1804-1864) ließ die Fläche 1824 zu einem landschaftlichen Park umgestalten. Die rund 21 Hektar wurden im englischen Stil angelegt. Das im Park errichtete Zielhäuschen diente lediglich der Repräsentation. Das steinerne Hundedenkmal hingegen ist als Trauermonument errichtet worden. (cbo)

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