25 Jahre deutsch-tschechische Grenzregion

Weniger Bürokratie, mehr finanzielle Unterstützung und ein Tunnel durch das Erzgebirge: Die deutsch-tschechischen Beziehungen brauchen weiter Hilfe - sagt die grenzüberschreitende Arbeitsgemeinschaft Euregio Egrensis.

Schilbach (dpa/sn) - Mit der Forderung nach Reformen und weiterer finanzieller Hilfe von der EU hat die deutsch-tschechische Arbeitsgemeinschaft Euregio Egrensis ihr 25. Jubiläum gefeiert. «Hier besteht dringender Reformbedarf», erklärte Rolf Keil (CDU) als Gemeinsamer Präsident der Arbeitsgemeinschaft bei der Feier am Samstag im vogtländischen Schilbach.

Das grenzüberschreitende Zusammenwachsen im Vierländereck von Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen funktioniere hervorragend - trotz der aktuell politischen Gegebenheiten in den verschiedenen Ländern Europas. «Aber leider haben unsere Geschäftsstellen täglich mit hyperbürokratischen Antrags- und Abrechnungsformalitäten zu kämpfen», sagte Keil, der Landrat im Vogtlandkreis ist.

Die Euregio Egrensis gründete sich 1993, um deutsch-tschechische Projekte mit EU-Geldern zu unterstützen. Das Gebiet gehörte vor 100 Jahren zu den bedeutendsten Wirtschaftsräumen Europas, früher durch Kohle, Stahl oder Maschinen, wie Sachsens Europaminister Oliver Schenk erklärte. «Wir wollen die Mitte Europas wieder zu einer führenden Region machen», sagte der CDU-Politiker.

Außerordentlich kritisch sehe man die vorgeschlagenen Kürzungen der EU-Kommission ab der kommenden Förderperiode 2021. «Denn wir haben große Zukunftspläne», sagte Schenk. Mit dem Projekt «Neue Eisenbahnverbindung Dresden - Prag» plane man einen Tunnel durch das Erzgebirge, um die Infrastruktur zwischen den Ländern weiter zu verbessern. 158 Millionen Euro stehen für die sächsisch-tschechische Zusammenarbeit in der aktuellen EU-Förderperiode zur Verfügung. «Wir setzen uns intensiv dafür ein, dass die finanzielle Unterstützung mindestens in der bisherigen Höhe weitergeführt wird», sagte Keil.

Laut Schenk sind es überwiegend die weniger beachteten Kleinprojekte, die die deutsch-tschechischen Beziehungen mit Leben füllen. So gebe es eine Kooperation zwischen den Kindergärten in Schilbach und im tschechischen Luby, gemeinsame Trainings von Feuerwehrleuten aus dem Vogtlandkreis und dem Karlsbader Kreis oder die Aufführung des Oratoriums «Jan Hus» durch die Chorvereinigung Sachsen-Zwickau mit dem Janacek-Chor in Jablonec.

Bei der 25. Jubiläumsfeier wurden drei Preisträger geehrt: Wolfgang Sell, Bürgermeister der thüringischen Gemeinde Pottiga, für sein Engagement für verschiedene grenzübergreifende Projekte, František Radkovský, erster Bischof des Bistums Pilsen und Albrecht Schläger als Präsidiumsmitglied des Sudetendeutschen Rates.

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