ADAC kritisiert Straßenbauamt: Viele Staus in Sachsen vermeidbar

Der Automobilclub fordert, Baustellen tagesaktuell ins Info-System einzuspeisen. Laut Landesamt ist das nicht möglich. Andernorts geht es aber sehr wohl.

Chemnitz/Dresden.

Ein Teil der Staus auf Sachsens Autobahnen ist vermeidbar. Davon ist der sächsische Landesverband des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) überzeugt. Der Verband kritisiert das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), weil es die tagesaktuellen Baustellen nicht ins System zur Verkehrsinformation einfließen lässt. Dadurch komme es immer wieder zu unnötigen Staus.

Als jüngstes Beispiel führt Helmut Büschke vom Landesvorstand des ADAC jenes Zehn-Kilometer-Chaos an, zu dem es am Donnerstag auf der A4 zwischen dem Abzweig Nossen und der Anschlussstelle Wilsdruff gekommen war. Weder über Navigationssysteme noch über den Verkehrsfunk habe man vorab über die drohende Staugefahr informiert. Ergeben hatte sich diese aus der Demontage der Absperrung an einer Brückenbaustelle. Der Verkehr musste von drei auf zwei Spuren reduziert werden. "Kein Einzelbeispiel", kritisiert der Mann vom ADAC-Vorstand. In Sachsen kommt es auf den hochfrequentierten Autobahnen sehr häufig zu Staubildung, wenn nur eingeschränkt Spuren zur Verfügung stehen. Mehrfach hat der ADAC das Landesamt deshalb ersucht, auch über Tagesbaustellen zu informieren - bisher vergeblich, sagt Büschke.

Laut Landesamt gibt es auf Sachsens Autobahnen täglich 20 bis 30 von den sieben Autobahnmeistereien anberaumte Maßnahmen. "Zum einen kann darüber gar nicht vorab informiert werden, weil es sich um Ad-hoc-Maßnahmen handelt", sagt Landesamts-Sprecherin Nicole Wernicke auf "Freie Presse"-Anfrage. Konkret meint sie jene Baustellen, die sich erst aus Kontrollfahrten ergeben. Auch sei der Verwaltungsaufwand zu groß, täglich 20 bis 30 Maßnahmen ins System einzupflegen.

Solche Behörden-Mentalität will der ADAC-Vorstand nicht gelten lassen. Es gehe schließlich nicht darum, jede halbstündige Leitplankenreparatur zu melden, sondern vielmehr um jene dauerstauträchtigen Maßnahmen, bei denen Fahrspuren über Stunden gesperrt sind. "Diese zu melden, muss auch tagesaktuell drin sein angesichts der technischen Möglichkeiten heute", sagt Büschke. Viele Staus wären so womöglich zu vermeiden, da Fahrer sich bei entsprechender Warnung für Alternativrouten entschieden. In der Pflicht sieht der ADAC die Behörde schon deshalb, weil gerade unerwartete Staus eine besondere Gefahr darstellten. An ihrem Ende komme es sehr oft zu Auffahrunfällen.

In dem am meisten staugeplagten Bundesland Nordrhein-Westfalen sieht sich der Landesbetrieb Straßenbau sehr wohl in der Lage, auch über tagesaktuelle Maßnahmen zu informieren. Zumindest, wenn diese am Morgen feststehen und absehbar für Beeinträchtigung sorgen. Das ergab die Anfrage der "Freien Presse" am Freitag im nordrhein-westfälischen Betrieb.

Was die Stau-Last generell betrifft, steht Sachsen an sich ganz gut da. Laut ADAC-Bilanz brachten es alle im Jahr 2017 registrierten Staus in Sachsen auf eine Gesamtlänge von 26.931 Kilometern. Der Freistaat landete damit im Bundesvergleich auf Platz 11. Beim Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen war der Gesamtstau mit 454.907 Kilometern fast 17-mal so lang - bei einem Autobahnnetz, das nur knapp viermal so lang ist wie Sachsens.

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