Bessere Bedingungen für sorbische Sprache Thema im Landtag

In sorbischsprachigen Gemeinden leben wieder mehr Kinder. Doch nicht für alle kann die Sprache von der Kita an nahtlos vermittelt werden. Vertreter der Minderheit in der Landesregierung wollen sich dafür starkmachen.

Potsdam (dpa/bb) - Wie können die Bedingungen für eine Vermittlung der sorbischen Sprache in Kitas und Schulen weiter verbessert werden? Für den Rat für Angelegenheiten der Sorben und Wenden gehört diese Frage zum bildungspolitischen Schwerpunktthema in diesem Jahr. Unter anderem dazu tagte das Gremium am Dienstag im Potsdamer Landtag. Außerdem wurden der Anteil des fakultativen und des verpflichtenden Unterrichts der sorbischen Sprache sowie die Fördermittel für eine sprachliche Weiterbildung diskutiert.

Nach Angaben des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums wird Sorbisch/Wendisch fakultativ als Begegnungssprache, Fremdsprache, Zweitsprache und/oder bilingual angeboten. Am Niedersorbischen Gymnasium ist die Teilnahme am zweisprachigen Unterricht obligatorisch.

Für den sorbischen Dachverband Domowina ist es vorrangiges Ziel, die vorschulische und schulische Sprachvermittlung weiter zu verbessern, wie der stellvertretende Geschäftsführer in Cottbus, Marcus Koinzer, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag sagte. «Der Schwerpunkt unserer Bemühungen ist auf eine durchgehende sorbische Sprachbildung vom Kindergarten bis zum gewünschten Schulabschluss ausgerichtet. Dabei muss auch ein sorbisches Abitur nach 13 Jahren Gesamtschule möglich sein.»

Im März 2019 hatten der Rat und das Brandenburger Bildungsministerium unter anderem vereinbart, die sorbisch/wendisch unterrichtenden Lehrkräfte künftig besser mit Lehrmaterialien und Fortbildungen zu unterstützen.

In den sorbischsprachigen Gemeinden Brandenburgs leben seit mehreren Jahren wieder mehr Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Vorschulkinder in der Niederlausitz stieg zwischen den Schuljahren 2011/2012 und 2018/2019 nach Angaben des Dachverbandes der Lausitzer Sorben um 35 auf 266. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Schüler von 1796 auf 1805 zu.

Dagegen verringerte sich die Zahl der Kitas mit zweisprachigen Angeboten im Schuljahr 2019/20 im Vergleich zum Schuljahr 2012/2013 um drei auf 173. Die Anzahl der Schulen nahm den Angaben zufolge um jeweils eine Grund- und eine Oberschule auf insgesamt 25 ab.

Nach offiziellen Angaben gibt es etwa 60 000 Sorben und Wenden, von denen zwei Drittel in Sachsen leben. Die Niedersorbisch sprechenden Wenden haben ihre Heimat im Süden Brandenburgs.


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