Böhmischer Nebel bleibt ein Mysterium

Drei Jahre lang untersuchten Wissenschaftler Geruchsbelastungen im Erzgebirge. Jetzt sagen sie: Mit Schadstoffen in der Luft hat das nichts zu tun.

Dresden/Seiffen.

Es ist ein Thema, das Menschen am Erzgebirgskamm seit Jahrzehnten beschäftigt: Woher kommen die Gerüche, unter denen sie vor allem im Winterhalbjahr immer wieder leiden? Wie entsteht dieser Katzendreck-Gestank, der heute im Volksmund Böhmischer Nebel genannt wird? Und wie gefährlich ist er für die Gesundheit? Nach umfangreichen Untersuchungen sagen Wissenschaftler jetzt: Es existiert kein direkter Zusammenhang zwischen hohen Luftschadstoff-Konzentrationen, die an einzelnen Tagen gemessen wurden, und den von der Bevölkerung wahrgenommenen Geruchsbeschwerden. Das geht aus den Ergebnissen der sogenannten Odcom-Studie hervor, die am Montagabend in Seiffen vorgestellt wurde. Der Böhmische Nebel bleibt damit ein Mysterium.

In den vergangenen drei Jahren gab es nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie pro Jahr durchschnittlich 400 Einzelbeschwerden an jeweils 120 Tagen. Im Rahmen des EU-Projekts Odcom ("Objektivierung der Geruchsbeschwerden im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet") wurden diese von den Menschen empfundenen Belastungen und deren mögliche gesundheitliche Folgen analysiert. Laut Umweltlandesamt erfolgte eine detaillierte Dokumentation von Geruchsereignissen und Luftqualität, die Erprobung neuer Messtechnik und eine Datenauswertung hinsichtlich Geruchsepisoden, Luftqualität und toxischen Risikopotenzials. Zwölf deutsche und 14 tschechische Probanden füllten Fragebögen zu Geruchsereignissen und wahrgenommenen gesundheitlichen Folgen aus, es gab Einzelbefragungen und Gruppendiskussionen. "Die deutsche und tschechische Bevölkerung war aktiv in das Projekt eingebunden", erklärte die Behörde vor der öffentlichen Präsentation der Ergebnisse.

Im Ergebnis zeigte sich: Die Konzentrationen der Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid und Benzol liegen im Erzgebirge unterhalb der Grenzwerte. Bei Wind aus Südost treten zwar oft höhere Konzentrationen dieser Luftschadstoffe sowie anderer organischer Stoffe auf, diese seien aber mit dem Böhmischen Nebel nicht in Verbindung zu bringen. "Ein unmittelbarer Zusammenhang von Geruchsbelastung und Verursacher konnte bis auf eine Ausnahme nicht hergestellt werden", erklärt das Landesamt. Für die Geruchsbeschwerden gebe es eine Vielzahl potenzieller Verursacher. Auf tschechischer Seite zählten dazu das Nordböhmische Industrierevier mit Chemiekomplexen und Kraftwerken sowie Landwirtschaft und Gebäudeheizungen mit Festbrennstoffen. Auf deutscher Seite wurden als möglichen Quellen Gewerbebetriebe, Landwirtschaft sowie Gebäudeheizungen genannt.

An der Odcom-Studie arbeiteten die TU Dresden, das sächsische Verbraucherschutzministerium, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, das Tschechische Hydrometeorologische Institut, der Bezirk Ústí und das Gesundheitsinstitut Ústí nad Labem mit. Das Projekt kostete 1,6 Millionen Euro, gefördert aus Mitteln der Europäischen Union.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    BlackSheep
    04.06.2019

    Ich würde empfehlen die Wissenschaftler sollten drei Jahre im Erzgebirge wohnen, sagen wir mal in Rothental(ich kenne dort Menschen die grosse Probleme mit dem böhmischen Nebel haben). Ich bin mir sicher danach wollen Sie ihre Arbeit reviedieren.

  • 3
    2
    Nixnuzz
    04.06.2019

    Und wie hat man gemessen? Hat man Referenzsubstanzen aus einem Katzenklo olphaktometrisch und gaschromatisch dagegen gestellt? Welche Adsorbens sauer - alkalisch - neutral - flüssig - fest eingesetzt? Wäre ein Parfümör bereit, sich dieser Tortur auszusetzen - oder direkt vor Ort im Erzgebirge diesseits - jenseits der Grenze? Wieviel Geld wäre noch im Analysen-Budget um so einen Geruchsexperten zu bezahlen? Diese Menschen komponieren aus oft unangenehm riechenden Einzelkomponenten die "schönsten Düfte"? Wie wäre es mal mit Dienst an der Allgemeinheit??

  • 4
    0
    karstenp
    03.06.2019

    Ei gugge eener an!

    Mit dem Gestank isses wie mit dem Bernsteinzimmer.

    Beide sucht man im Erzgebirge vergeblich! ????



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