Eiszeit zwischen AfD und Pegida

Die Talkshow von Dunja Hayali löst eine Krise aus. Pegida-Mitgründer Däbritz will nun die Verbindungen zur AfD kappen.

Dresden.

Eigentlich war alles so gut wie ausgemacht: Siegfried Däbritz hatte mehr als nur gute Aussichten darauf, für die AfD bei der Landtagswahl 2019 anzutreten. Dem Vernehmen nach war der Pegida-Mitgründer schon auf der Suche nach einem Wahlkreis, in dem er sich um ein Direktmandat bewerben könnte. Mit seinem AfD-Mitgliedsantrag wurde in den nächsten Wochen gerechnet. Doch seit der Nacht zum Donnerstag ist alles anders: Däbritz hat - davon ist Sachsens AfD überzeugt - in einer Hauruck-Aktion die Beziehungen zwischen Partei und Pegida gekappt.

Auslöser war die ZDF-Talkshow der Moderatorin Dunja Hayali. Sie arbeitete am Mittwochabend die Ereignisse von Chemnitz auf und hatte auch den AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen als Gesprächspartner geladen. Ihm stellte sie die Frage, warum seine Partei bei der Kundgebung am Samstag gemeinsame Sache mit Pegida gemacht habe.

Einer öffentlichen Veranstaltung könne sich anschließen, wer wolle, sagte Meuthen. Dennoch: "Dieser Umgang mit Pegida, der gefällt mir auch nicht richtig. Nein, wir machen mit denen nicht gemeinsame Sache, um das klar zu sagen." Aber wenn es ein gemeinsames Anliegen gebe und Pegida sich entschließe, mit der AfD einen Trauermarsch zu veranstalten, dann sei das so.

Diese Antwort brachte Pegida-Mann Däbritz anscheinend zum Schäumen. Per Sprachnachricht, die der "Freien Presse" vorliegt, machte er seinem Ärger Luft: Wenn Meuthen im Fernsehen verkünde, dass er mit Pegida nichts zu tun haben wolle, "sollten wir ihm diesen Schmerz wahrscheinlich abnehmen und auch den sächsischen Landesverband nicht weiter belasten", teilte Däbritz den Empfängern mit. "Und somit sollte sich das erledigt haben. Tja, es hätte schön sein können. Aber irgendwas ist eben immer."

Die AfD wurde von der Nachricht am Donnerstagmorgen kalt erwischt. Die Aufregung war parteiintern nicht gerade klein: Man müsse nun davon ausgehen, dass Pegida mit einer eigenen Landesliste zur Landtagswahl antreten, hieß es in einer ersten Analyse. Angedacht war, dass am Donnerstagabend der Landesvorstand über die neue Situation berät.

Innerhalb der AfD gibt es momentan zwei Lager. Die einen halten die Ankündigung von Däbritz für unerheblich, weil die AfD auf Pegida nicht mehr angewiesen sei oder die Pegida-Nähe im Zweifelsfall bürgerliche Wähler verschrecke. Die anderen sehen in einer eventuellen Pegida-Wahlliste unnötige Konkurrenz.

Wie ernst Däbritz' Ankündigung sind, ist unklar. Er selbst beendete einen Anruf der "Freien Presse" am Donnerstag schnell: Er werde nicht reden. Man solle seine Nummer löschen.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 3 Bewertungen
8Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    Zeitungss
    08.09.2018

    @Distelblüte: Mit dem Herrn (der leibe Gott) und seinen Pedanten auf dieser Welt habe ich nun wirklich nichts am Hut. Wer seinen Hirnskasten noch einigermaßen sein EIGEN nennt, sollte wissen , wo er steht. Weiter möchte ich dieses Thema jetzt nicht ausschmücken, es wäre auch nicht zielführend.

  • 1
    2
    Tauchsieder
    08.09.2018

    Sturm im Wasserglas. Eiszeit wie geht das denn in Zeiten von Klimaerwärmung. Ruhig Blut, es kommt wie es kommen muss.

  • 2
    3
    Distelblüte
    08.09.2018

    @Zeitungss: Ihr Wort in Gottes Ohr... Aber wie mir hier mal auf einen Kommentar geantwortet wurde: viele wählen nur aus Protest die AfD und interessieren sich kein bisschen für deren Parteiprogramm. Leider. Es liest sich sehr aufschlussreich.

  • 3
    2
    Zeitungss
    08.09.2018

    Leute, lasst doch diesen armseligen Haufen mal zur Ruhe kommen, das "Parteiprogramm" bei normal denkenden Menschen ans Ziel zu bringen, dürfe die Höcke GmbH schon an deren Grenzen bringen, vorausgesetzt die Angesprochenen denken nach, sollte das so schwierig sein ????? Licht im Tunnel sieht nun einmal anders aus, eine Sache der Betrachtung. Eingefleischte dürfen wie immer oben rechts.

  • 8
    11
    Blackadder
    07.09.2018

    Na sieh einer an:

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_84408946/an-afd-demo-in-chemnitz-nahmen-2500-bekannte-rechtsextremisten-teil.html

    "An AfD-Demo in Chemnitz nahmen 2500 bekannte Rechtsextremisten teil

    Höcke geht von baldiger Diktatur aus – und bedrohte Polizisten"

    Nein, alles nur besorgte Bürger und mit Rechtsextremisten arbeitet die AfD nicht zusammen.

  • 7
    8
    Blackadder
    07.09.2018

    Nach der gestrigen Monitor-Sendung nimnt der AfD die Abgrenzung eh keiner mehr ab. Meuthen muss sich jetut entscheiden: rechten Höcke-Kurs unterstützen oder auch den "Perty" machen.

  • 11
    5
    Hankman
    07.09.2018

    Tja, so ist das nun mal. Pegida und die sächsische AfD mussten eigentlich wissen, dass die AfD-Bundesspitze ihr Zusammengehen sehr kritisch sieht - aus den Gründen, die @cn3boj00 hier schon treffend beschrieben hat. Und jetzt wundert man sich. Ich fände es gar nicht so schlecht, wenn AfD und Pegida mit getrennten Listen antreten würden. Denn dies würde das rechte Lager letztlich schwächen. Die Gefahr, dass Pegida bei der Landtagswahl die 5-Prozent-Hürde überspringt, sehe ich als nicht sehr groß an. Natürlich kann das passieren. Aber dann wären im Landtag AfD und Pegida wohl vor allem damit beschäftigt, sich gegeneinander zu profilieren.

  • 21
    10
    cn3boj00
    06.09.2018

    So ein Dilemma. Diese Partei kann sich einfach nicht positionieren. Alles ist dem Wahlkampf untergeordnet. Geht sie mit Pegida, kostet das Stimmen vor allem im Westen. Dort will sie bürgerlich erscheinen, nicht zu weit rechts. Geht sie ohne Pegida, kostet das Stimmen in Sachsen, denn dort will man entweder sein Ruhe oder eben etwas, dass es den bürgerlichen zeigt. Wo steht ihr nun? Wahrscheinlich wird man - wie alle "etablierten" Parteien auch, die Fahne in den Wing drehen, je nachdem welche Wahl gerade ansteh.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...