Experte: Pandemie erschwert Sterbe- und Trauerbegleitung

Das Coronavirus hat nicht nur die Todeszahlen nach oben getrieben. Es stellt wegen des Infektionsschutzes auch die Sterbebegleitung vor neue Hürden. Dennoch ist in Sachsen nach Experteneinschätzung trotz Pandemie ein «menschenwürdiges Sterben» gewährleistet.

Dresden/Chemnitz (dpa/sn) - Die Corona-Pandemie hat die Hospizarbeit in Sachsen vor enorme Herausforderungen gestellt. Einerseits sei bei der ambulanten Begleitung Sterbender die sonst übliche Nähe wegen des Infektionsschutzes erschwert. Andererseits sei für Menschen, die einen Angehörigen, Freund, Kollegen oder Nachbarn verloren haben, die Trauerbewältigung wegen der Corona-Beschränkungen sehr viel schwieriger, sagte der Geschäftsführer des Landesverbandes für Hospizarbeit und Palliativmedizin, Andreas Müller, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir erleben momentan extreme Herausforderungen in der Sterbe- und Trauerbegleitung.»

Covid-19-Patienten gebe es trotz der hohen Todeszahlen in den stationären Hospizen nur wenige, erläuterte der Fachmann. «Die Erkrankten werden fast alle in Krankenhäusern versorgt, Übernahmen von dort gibt es kaum.» Auch die Palliativversorgung dieser Patienten erfolge in den Kliniken. Dort gebe es zudem Seelsorger und Sozialarbeiter, die sich um Anliegen der Patienten und Angehörigen kümmern. In den Hospizen selbst laufe die Sterbebegleitung etwa von Krebskranken weiter und sie hätten gute Konzepte, um Nähe und Infektionsschutz zusammenzubringen, konstatierte Müller. «Trotz der Pandemie ist ein menschenwürdiges Sterben in Sachsen gewährleistet.»

Neben stationären Hospizen gibt es im Freistaat mehr als 20 ambulante Hospizdienste mit vielen ehrenamtlichen Helfern. Deren Arbeit sei in der bisherigen Form erschwert, räumte Müller ein. Einerseits gehörten viele Ehrenamtliche zur Corona-Risikogruppe; andererseits sei es schwieriger, unter Beachtung des Infektionsschutzes die nötige Nähe bei der Begleitung Sterbender herzustellen. Dennoch lobte Müller, dass die Sterbebegleitung stets in den Corona-Schutz-Verordnungen berücksichtigt werde. Und die Hospizdienste seien alle weiterhin für Betroffene erreichbar.

Schwieriger ist es unter den aktuellen Bedingungen für Angehörige und Freunde geworden, Abschied von Sterbenden und Verstorbenen zu nehmen. Etwa wegen der streng begrenzten Teilnehmerzahl bei Beerdigungen. «Das wird uns in der Perspektive noch sehr zu schaffen machen», betonte der Experte. Die Hinterbliebenen könnten oftmals nicht so trauern, wie sie es bräuchten. Die Hospizdienste seien in solchen Situationen Lotsen und könnten Betroffene auch telefonisch beraten.

«Eine Online-Gedenkfeier kann im Einzelfall passen», sagte Müller. Für viele Trauernde sei das aber keine Alternative. Es gebe jedoch zahlreiche Rituale, die auch mit räumlichem Abstand eine Verbindung zwischen Trauernden schaffen und ihnen das Gefühl geben könnten, dass sie mit ihren Gefühlen nicht allein sind. Etwa wenn sie sich verabreden, zu einer bestimmten Zeit jeder für sich eine Kerze anzuzünden und Musik zu hören, die der Verstorbene gemocht hat. «Oder man kann mit Abstand voneinander Luftballons für den Verstorbenen in den Himmel steigen lassen.» Aus dem Umgang mit Trauer um verstorbene Kinder seien viele Rituale bekannt, die nun auch bei Erwachsenen Hilfe böten.

Die Corona-Pandemie hat die Zahl der Todesfälle in Sachsen zuletzt deutlich in die Höhe getrieben. Das Statistische Bundesamt gab jüngst bekannt, dass in der 50. Kalenderwoche 2020 im Freistaat 970 mehr Menschen starben als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 - insgesamt eine Steigerung von 88 Prozent. Vielerorts sind Krematorien in jüngster Zeit an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Beschränkungen der Corona-Verordnungen etwa bei Beerdigungen betreffen dabei nicht nur an oder mit Corona Verstorbene und ihre Angehörigen, sondern auch andere Todesfälle.

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