Geiselnahme-Prozess: Angeklagter erhält Bewährungsstrafe

Görlitz (dpa/sn) - Für eine Geiselnahme im Sächsischen Krankenhaus in Großschweidnitz hat das Landgericht Görlitz den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Wie der vorsitzende Richter am Donnerstag bei der Urteilsverkündung sagte, habe das Gericht keinerlei Zweifel an der Straftat, die im Januar 2016 geschah. Dabei hatte der 35-Jährige einen anderen Patienten in den Schwitzkasten genommen und mit der Rasierklinge an dessen Hals seine Entlassung erzwingen wollen. Seiner Schilderung, dass die Befreiungsaktion zuvor mit der Geisel abgesprochen gewesen sei, folgten sie nicht.

In das Urteil floss eine Vielzahl bereits verurteilter, geringfügiger Straftaten, vorwiegend Drogen- und Diebstahlsdelikte, ein. Trotzdem geht das Gericht von einem minderschweren Fall aus: Der Mann aus Königswartha (Kreis Bautzen) habe sich in einer Stresssituation befunden. Der Angeklagte gab an, dass er aus Not heraus gehandelt hätte. Die aus seiner Sicht zu hohe Medikation der geschlossenen Unterbringung habe bei ihm zum permanenten Unruhezustand geführt. Der Mann hatte sich selbst wegen Suizid-Gedanken ins Fachkrankenhaus bringen lassen, kurz nachdem er dort eine Therapie auf eigenen Wunsch schon mal abgebrochen hatte.

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert, der Anwalt bestritt den Vorwurf der Geiselnahme aufgrund der möglichen Einwilligung des späteren Opfers. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Dazu muss der 35-Jährige 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Gegen das Urteil kann noch innerhalb einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

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