Genossenschaftschef: Debatte im Mietenwahnsinn populistisch

Über Mieten und Wohnen wird auch in Sachsen immer lauter gestritten. Ein erheblicher Teil der Mietwohnungen wird von Genossenschaften angeboten. Deren Verbandschef will von Wohnungsnot nichts hören.

Dresden (dpa) - Der Chef des Verbandes der sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Axel Viehweger, kritisiert die Diskussion um Mietenwahnsinn in Sachsen als populistisch. «Wir haben keine Wohnungsnot in Sachsen», sagte Viehweger der Deutschen Presse-Agentur. Für die Demonstrationen gegen Mietsteigerungen und Verdrängung, die es Anfang April in Leipzig und Dresden gegeben habe, habe er kein Verständnis. «Ich sehe den Bedarf nicht.»

Selbst in den beliebten Großstädten gebe es leerstehende und bezugsfertige Wohnungen. In den Ballungszentren Leipzig, Dresden und Chemnitz habe die Leerstandsquote der Genossenschaften Ende 2018 bei durchschnittlich 5,3 Prozent gelegen. Im Rest des Landes stand sogar jede zehnte Genossenschaftswohnung leer. Es sei einfach unfair gegenüber Menschen in München, Hamburg oder Berlin da von Wohnungsnot zu reden.

Die Genossenschaften sind neben den Privatvermietern und den kommunalen Wohnungsgesellschaften der dritte große Anbieter von Mietwohnungen. Im VSWG sind 209 sächsische Wohnungsgenossenschaften organisiert. Sie bewirtschaften rund 270 000 Wohnungen. Das entspricht 18,1 Prozent aller Mietwohnungen in Sachsen.

Viehweger plädierte ähnlich wie Bauminister Roland Wöller (CDU) dafür, in der wohnungspolitischen Diskussion das Umland nicht außer Acht zu lassen. «Von Dresden aus bin ich in einer halben Stunde in Pirna oder von Leipzig aus in Delitzsch oder Borna - und zwar mit dem ÖPNV», sagte der Verbandschef. «Lassen sie uns die Reserven, die wir auch im Umland haben, erst einmal ausnutzen.»

Dennoch bauen auch die Genossenschaften in Sachsen neu. 2018 haben sie laut VSWG gut 300 Wohnungen auf den Markt gebracht, 2019 werden es knapp 500 neue Wohnungen sein. Dabei seien die hohen Baupreise ein riesiges Problem für die Genossenschaften, die in ihren Satzungen einem sozialen Auftrag verpflichtet sind. Eine Kaltmiete von zehn Euro pro Quadratmeter, die sich aus den Baupreisen ergebe, sei «äußerst schwierig» mit diesem Auftrag zu vereinen, sagte Viehweger.

«Wir merken: Für unser Klientel sind zehn Euro eigentlich zu viel. Das Maximale, was unser Klientel, also die arbeitende Bevölkerung leisten kann, sind acht Euro. Wenn wir es schaffen könnten, einen Neubau für acht Euro zu bauen, dann könnten wir auch wirklich breitere Bevölkerungskreise mit Neubau beglücken. Das, was wir für zehn Euro anbieten, geht nicht an unser typisches Genossenschaftsklientel. Das muss man ehrlicherweise sagen.»

Die Baupreise müssten unbedingt gesenkt werden. «Wo ist das Problem, zumindest mal zeitweise eine Verordnung für zehn Jahre außer Kraft zu setzen? Unsere Bauverordnung hat Moses nicht in Stein gemeißelt», sagte der Verbandschef.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Blackadder
    24.04.2019

    @Interessierte: An der Kattundruckerei auf der Müllerstraße tut sich gar nichts, dass das Bild einen Neubau zeigt und nicht die Kattundruckerei sieht man und es steht auch daneben.

    Die Druckerei ist in der Textilstraße des Industriemuseums neben den anderen textilen Gewerken gut vertreten.

  • 0
    2
    Interessierte
    24.04.2019

    Ist das jetzt das Kattun-Haus auf der Müllerstraße , das machen die wohl jetzt ?
    Dort könnten oben auch Büros hinein , und unten könnte man eine Ausstellung von dem Kattun-Druck und Weberei einrichten ...

    Ich hatte mal im Industriemuseum ´direkt` gefragt , wo ich die Aussstellung zu dieser Kattun-Herstellung finde ......
    Da steht ganz unscheinbar ´eine` Maschine im Keller , und in der äußersten Ecke ...

  • 6
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    cn3boj00
    22.04.2019

    Das Mietwohnungsproblem ist ein lokales, in den neuen Bundesländern eher nicht vorhandenes Problem. Deshalb ist es schlicht überflüssig, wenn Lokal-Politiker darüber diskutieren.
    Nichtsdestotrotz gibt es in Berlin und in den Ballungszentren samt Speckgürtel wie auf der Alb oder im Großraum München tatsächlich dieses Problem, was zu einer Mietexplosion geführt hat.
    Daraus jedoch ein gesamtdeutsches Politikum machen zu wollen ist wohl tatsächlich populistisch.

  • 3
    3
    DTRFC2005
    22.04.2019

    Wohnungen stehen hier in Chemnitz tatsächlich sehr viele leer. Die Genossenschaften allerdings sollten mal überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, von den Mietinteressenten, soviel Einlagen zu verlangen, die man dann auch erst bei Auszug Jahre später wieder bekommt.



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