Gleich drei Großeinsätze gegen Schleuserei

Mit länderübergreifenden Razzien ist der Bundespolizei ein Schlag gegen Schleuser gelungen. Einige Opfer wurden ausgebeutet und zur Prostitution gezwungen.

Ludwigshafen/Kaiserslautern (dpa) - Knapp 1000 Beamte sind bei drei Großeinsätzen der Bundespolizei in mehreren Bundesländern am Mittwoch gegen Schleuser vorgegangen. Es ging um Scheinehen, Ausbeutung und Zwangsprostitution.

Bei einer Aktion gegen eine Bande, die für viel Geld Menschen nach Deutschland geschleust und Scheinehen organisiert haben soll, wurde eine Wohnung in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) durchsucht und ein indischer Staatsbürger festgenommen. Der Einsatz war Teil größerer Ermittlungen in vier Bundesländern, insgesamt durchsuchten 550 Beamte 39 Gebäude. 28 Menschen seien vorübergehend festgenommen worden, gegen mehr als doppelt so viele werde ermittelt, teilte die Bundespolizei in Leipzig mit.

Die sächsische Messestadt war mit 30 durchsuchten Gebäuden Schwerpunkt der Ermittlungen. Die anderen Bundesländer mit Aktionen waren Thüringen (Altenburg) und Bayern (Günzburg, Neufahrn bei Freising sowie Pfeffenhausen). Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt bereits seit Frühjahr 2017. Es geht um das banden- und gewerbsmäßige Einschleusen von Ausländern. Die Verfahren laufen gegen zwei Hauptbeschuldigte und 66 andere Verdächtige.

Hauptsächlich pakistanische und indische Staatsangehörige sollen nach Osteuropa und Zypern eingereist und dort mit Frauen verheiratet worden sein, um anschließend als Ehepartner in Deutschland eine EU-Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Einige Eheschließungen seien fingiert gewesen. Zudem sollen die Verdächtigen auch Arbeits- und Meldebescheinigungen gefälscht haben.

Im Rahmen eines Großeinsatzes mit der internen Bezeichnung «Feuerschlucker» der Bundespolizei wurde ebenfalls in Ludwigshafen ein Zirkus durchsucht. Bei diesem Einsatz ging die Polizei am Mittwoch gegen Schleuserei und Zwangsprostitution im Artisten- und Zirkusmilieu vor. Der Schwerpunkt der darauf bezogenen Razzien war in Nordrhein-Westfalen, rund 300 Beamte waren insgesamt beteiligt.

Künstler, Artisten und Tänzerinnen seien unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und ausgebeutet worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion im nordrhein-westfälischen St. Augustin. Die Hauptbeschuldigten - ein 51-Jähriger aus Simbabwe und eine 62-jährige Deutsche russischer Herkunft - wurden in Nordrhein-Westfalen festgenommen.

Insgesamt gehen die Ermittler hier von 17 Beschuldigten aus, zwölf Männer und fünf Frauen im Alter von 25 bis 66 Jahren mit vorwiegend deutscher Staatsangehörigkeit, wie die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Aachen gemeinsam mitteilten. Weitere Beschuldigte sollen aus der Türkei, Äthiopien und Polen kommen. Der Bande konnten den Angaben zufolge bisher über 60 Schleusungen nachgewiesen werden.

Die beiden Hauptbeschuldigten sollen Scheinfirmen gegründet haben, durch Castings Artisten und Künstler aus Simbabwe und anderen afrikanischen Ländern sowie Tänzerinnen aus Russland auf sich aufmerksam gemacht und diese unerlaubt nach Deutschland gebracht haben. Statt wie versprochen geregelt als Künstler zu arbeiten, mussten die Geschädigten laut Bundespolizei ihren Lohn abgeben und in heruntergekommenen Wohnwagen, Lagerräumen oder Wohnungen hausen. Die Männer hätten als Artisten auftreten müssen und seien mit fensterlosen Transportern zu Auftritten gebracht worden. Es soll mit dem Tode oder mit Gewalt gegen Freunde oder Familien in der Heimat gedroht worden sein. Die Frauen seien an Bordelle verkauft worden.

«Nacel» schließlich war die interne Bezeichnung eines Einsatzes, bei dem mehr als 100 Bundespolizisten 16 Wohnungen und Geschäftsräume in Kaiserslautern, Pirmasens, Neustadt an der Weinstraße, Zweibrücken (alle Rheinland-Pfalz) und Saarbrücken (Saarland) durchsuchten. Der Verdacht: Vietnamesische Staatsangehörige sollen nach Deutschland eingeschleust und mit gefälschten bulgarischen Papieren in Nagelstudios beschäftigt worden sein. Die mutmaßlichen Haupttäter - ein 49 Jahre alter Vietnamese und ein 36-jähriger Bulgare - wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Sie sollen danach wieder auf freien Fuß kommen, da sie einen festen Wohnsitz haben, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte. Außerdem seien 18 Personen - etwa die Hälfte davon Frauen - angetroffen worden, die wohl eingeschleust worden seien, sagte der Sprecher. Sie seien zur Feststellung der Identität vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Sie würden anschließend wohl in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht und «in die Legalität überführt werden». So solle verhindert werden, dass sie - wie es wahrscheinlich bisher der Fall gewesen sei - ausgebeutet würden. Gegen sie wird außerdem ein Ermittlungsverfahren wegen unerlaubten Aufenthalts geführt.

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